Es war eine Mammutkonferenz, die in Österreich zum Thema Synodalität stattfand. Man könnte angesichts der rund 180 Teilnehmenden und der geistlichen Prominenz aus Ost und West schon fast von einer europäischen Synode sprechen. Zur Schweizer Delegation zählte auch RKZ-Präsident Roland Loos. Für ihn war diese Konferenz ein sehr interessantes Erlebnis – und ein wichtiger Fingerzeig für die synodale Zukunft.
Wolfgang Holz
«Heute Morgen habe ich beim Frühstück mit einem ukrainischen Bischof aus den durch Russland besetzten Gebieten gesprochen», erzählt RKZ-Präsident Roland Loos kath.ch im Interview. Der ukrainische Kirchenoberhirte, der versuche, in Kontakt mit den vom Krieg betroffenen Pfarreien zu bleiben, habe ihn sehr beeindruckt.
«Es ist interessant gewesen zu erleben, wie in 30 europäischen Ländern ein und dasselbe Thema die Menschen bewegt.»
«Für den Kirchenmann dort geht es ums Überleben der Gläubigen, das ist noch einmal eine ganz andere menschliche Problematik», sagt Loos. Aufgrund solcher und anderer Gespräche habe sich die Konferenz für ihn schon gelohnt. «Es ist interessant gewesen zu erleben, wie in 30 europäischen Ländern ein und dasselbe Thema die Menschen bewegt. Da wird man mit einer enormen Vielfalt konfrontiert.»
Wobei man beim eigentlichen Thema der Konferenz wäre: «Shaping Synodality in Europe». Zu deutsch: «Das Gestalten von Synodalität in Europa». Roland Loos ist sicher, dass in Sachen synodalem Denken «inzwischen einiges in Bewegung gekommen ist».
Schon allein die Tatsache, dass sich bei diesem Kongress in Österreich in Puchberg bei Wels, wie schon bei den vergangenen Weltsynoden in Rom, kirchliche Würdenträger ohne Titel, nur mit Namen, an einen Tisch zusammen mit Laien und Frauen gesetzt hätten, sei ein Zeichen von Synodalität. «So sass beispielsweise auch Jean-Claude Hollerich ohne Kardinalstitel einfach so mit am Tisch mit den anderen», berichtet der gebürtige Luxemburger.
Apropos Tische, Gesprächsrunden, Workshops. Schon bei den vergangenen Weltsynoden prägten diese Szenerien das Bild. Passiert scheint bis jetzt konkret in Sachen Synodalität aber noch nicht allzu viel. Droht diese synodale Gesprächskultur nicht zum Debattier- oder Redeclub zu verkommen?
«Nein, das glaube ich wirklich nicht», bekräftigt der RKZ-Präsident mit Inbrunst. «Sicherlich genügt es für die synodale Zukunft nicht, nur miteinander zu reden. Es muss natürlich noch viel weiter gehen, und es müssen weitere Schritte gemacht werden.» Er sei es als Unternehmer gewohnt, Risiken einzugehen, um zu investieren. Und so sei der synodale Prozess sicher auch ein Risiko, wie weit dieser gehen könne – oder ob er scheitere. «Doch ich bin Optimist und bin bereit, dieses Risiko einzugehen.»
Doch was heisst das konkret für Roland Loos? «Was die Themen Pflichtzölibat und Frauenordination angeht, sind wir uns bewusst, dass es wahrscheinlich nicht so schnell gehen wird, wie wir uns dies wünschen würden», sagt er. Auch sei es noch zu früh, generelle praktikable Modelle von Synodalität zu präsentieren. Trotzdem könne Synodalität in den Kirchen stattfinden und finde dort auch statt. «Man muss beharrlich dranbleiben.»
Sagts und erwähnt Beispiele von synodalem kirchlichen Leben in einzelnen europäischen Ländern, wie sie während der Konferenz diskutiert worden seien. «In einer Pfarrei in Belgien überlegt man sich etwa und hat es auch schon mit Erfolg ausprobiert, ob man nicht wegkommen könnte von der frontalen Form des Gottesdiensts – indem man im Kirchenraum im Hauptschiff einen grossen Tisch aufstellt, um den sich dann alle Gläubigen versammeln und um so ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl herzustellen», skizziert er.
Oder in einer italienischen Pfarrei sei diskutiert worden, grundsätzlich auch Laien predigen zu lassen – angesichts von mangelndem Priesternachwuchs und häufig ausfallenden Messen. «Das ist in Italien sicher Neuland, bei uns und anderswo ist dies in einigen Bistümern übliche Praxis». Wobei die Laienpredigt sicherlich bereits ein «Grenzfall» des kirchenrechtlich Möglichen sei, so Loos.
«Man muss einfach schauen, was vor Ort lokal und regional in den Kirchen möglich ist.»
«Es geht ja beim Gedanken der Synodalität nicht darum, einfach die Kirchen wieder mit Gläubigen zu füllen, sondern darum, dass sich die Gläubigen wohlfühlen und in ihrem getauften Status mehr Verantwortung in der Kirche übernehmen können», ist er überzeugt. «Man muss einfach schauen, was vor Ort lokal und regional in den Kirchen möglich ist.»
Denn die lokalen Unterschiede in Sachen Synodalität seien auffallend: Während in der Romandie nach Wegen zu mehr Spiritualität gesucht werde, spüre man, dass etwa in Deutschland mehr der Wunsch nach grundsätzlichen Strukturreformen herrsche.
Last, but not least hofft Roland Loos, dass sich die Bischöfe in Europa zu mehr synodaler Zusammenarbeit zusammenschliessen – «damit einzelne reformfreudige Bischöfe im Konfliktfall nicht alleine dastehen.»
Andererseits sei es schon schwer genug, die Wünsche und Vorstellungen der 30 Personen in der schweizerischen Synodalitätskommission* auf einen gemeinsamen Punkt zu bringen. «Der Erfolg zu mehr Synodalität ist deshalb unterm Strich nicht garantiert – doch die Hoffnung lebt weiter.»
*Zur neunköpfigen schweizerischen Delegation bei der Konferenz im österreichischen gehörten: Iva Bouteiller, Mitglied Syko CH, Detlef Hecking, Präsident Syko CH, Sergio Carettoni, Mitglied Syko CH, Nicola Ottinger, Bruno Brantschen, Helena Jeppesen-Spuhler, Mitglied Syko CH und europäische Delegierte, Bischof Felix Gmür, Mitglied Syko CH, Daniel Kosch und Roland Loos, Mitglied Syko CH und RKZ-Präsident.
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