Anglikaner und Christkatholiken feiern ihre Anerkennung durch den Kanton Waadt

Die Anglikaner und die Christkatholiken in der Waadt haben am Mittwoch in Lausanne ihre Anerkennung durch den Kanton gefeiert. Für die beiden Gemeinschaften, die seit langem im Kanton vertreten sind, stellt die Anerkennung einen Meilenstein in ihrer Geschichte dar.

(cath.ch) In der Waadt haben sich Anglikaner und Christkatholiken in einer Föderation zusammengeschlossen. Im März war diese vom Grossen Rat des Kantons Waadt als Institution von öffentlichem Interesse anerkannt worden. Ein Gesuch um Anerkennung hatte die «Fédération des Eglises anglicane et catholique-chrétien du canton de Vaud» (FACCV) im Jahr 2016 eingereicht.

Am Mittwoch haben die beiden Gemeinschaften die Anerkennung in Lausanne gefeiert. In der «Christ Church», inmitten einer grünen Oase direkt unterhalb des Bahnhofs, versammelten sich Vertreter der Kirchen und des Kantons sowie Delegationen der anderen christlichen Konfessionen, um den Abschluss dieses Prozesses zu würdigen.

Kein Privileg, sondern Verpflichtung

«Diese Anerkennung ist kein Privileg, sondern eine Verpflichtung, Brücken zu bauen und Orte der Gastfreundschaft zu sein», betonte der christkatholische Bischof der Schweiz, Frank Bangerter. Sie solle dazu beitragen, den konfessionellen Frieden im Kanton und in der Schweiz zu stärken.

Aus Sicht von Bangerter ist der konfessionelle Frieden keine höfliche Neutralität, die dazu dient, jeglichen Konflikt zu vermeiden, sondern besteht darin, den anderen als Geschenk anzunehmen. Er müsse eine Kultur und ein Weg des Dialogs im Hinblick auf das Gemeinwohl sein. «Diese Anerkennung zeigt, dass der Staat die spirituelle Vielfalt nicht fürchtet, sondern ihren Reichtum für die gesamte Gesellschaft anerkennt», sagte der Bischof.

Ein historischer Moment

Pascal van Griethuysen, der in Abwesenheit der entschuldigten Staatsrätin Christelle Luisier-Brodard den Kanton vertrat, hob den historischen Charakter dieses Moments hervor. Seit 2003 sind die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche in der Kantonsverfassung als öffentlich-rechtliche Institutionen anerkannt und die jüdische Gemeinde als Institution von öffentlichem Interesse. Denselben Status wie die jüdische Gemeinde können auch andere Religionsgemeinschaften erlangen.

Die Föderation der Anglikaner und Christkatholiken ist die erste Gemeinschaft, die seither in den Kreis der anerkannten Religionsgemeinschaften aufgenommen wurde. Die Anerkennung als Institution von öffentlichem Interesse ist das Ergebnis eines langen und anspruchsvollen Prozesses, in dem es galt, die kantonalen Voraussetzungen zu erfüllen. Sie läutet eine neue Etappe der offiziellen Partnerschaft zwischen ein.

Eine langjährige Präsenz

Der anglikanische Bischof für Kontinentaleuropa, Robert Innes, begrüsste diesen neuen Schritt für die anglikanische Gemeinschaft. Zwar seien die Anglikaner im Kanton Waadt bereits seit langem präsent, doch verleihe die Anerkennung ihrem evangelischen, sozialen und karitativen Projekt neuen Schwung. Die kurze Feier endete mit dem gemeinsamen Sprechen des Vaterunsers, dem Gebet, das alle Christinnen und Christen verbindet. (Übersetzt aus dem Französischen und adaptiert von bal)


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