Verzeihen sei eine unverzichtbare Fähigkeit, schreibt der Basler Psychiater Joachim Küchenhoff in seinem neuen Buch. Was es braucht, damit Verzeihen gelingen kann, sagt er im Podcast «Laut + Leis».
«Es ist wichtig, dass man nicht von vornherein zu viel von sich verlangt, sondern diesen Prozess ernst nimmt, sich selber Zeit lässt, auch zu sehen, wie viel auf dem Spiel steht oder wie schwierig es sein kann zu verzeihen. Ich habe im Buch beschrieben, was alles dazugehört.
Verzeihen bedeutet eben nicht einfach, über etwas, was passiert ist, hinweggehen. Kein Schwamm drüber – verzeihen ist das Gegenteil. Damit meine ich nicht das oberflächliche Verzeihen, das machen wir ständig: Wir sagen, wenn wir jemandem im Tram auf die Füsse treten, oh, Entschuldigung oder Verzeihung. Das sind die oberflächlichen Formen, aber um die geht es nicht.
Es geht um die tiefer liegenden Probleme. Zur Verzeihensarbeit gehört auch das Aufdecken von dem, was passiert ist, und ein Kampf gegen das Vergessen. Also das Erinnern und das Wiederfinden von Wahrheit, die einen miteinander verbindet oder auch entzweit hat, ist ganz wesentlich.»
Das sagt der Basler Psychiater Joachim Küchenhoff im Podcast «Laut + Leis». Sein neues Buch heisst «Verzeihen. Plädoyer für eine unverzichtbare psychosoziale Fähigkeit», erschienen ist es im Psychosozial-Verlag. (sl)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/joachim-kuechenhoff-verzeihen-ist-das-gegenteil-von-schwamm-drueber/