In diesem Hitzesommer lechzen alle nach Wasser – nicht nur Bauern, die wegen der massiven Dürre um ihre Ernten bangen müssen. Sollte man im Gottesdienst deshalb nicht viel öfter explizit für Regen beten – zum Beispiel im Wettersegen? Kath.ch befragte Seelsorger, wie sie es mit der Bitte an Gott um Regen halten.
Wolfgang Holz
«In der Zeit vom Markusfest am 25. April bis zum Fest Kreuzerhöhung am 14.September bete ich den Wettersegen meistens am Ende des Gottesdienstes», erklärt Reto Kaufmann, Pfarrer von St. Michael in Zug, gegenüber kath.ch.
«Der Segen drückt das Vertrauen aus, dass wir von Gott Schutz und Hilfe erfahren.»
Der Wettersegen darf aus seiner Sicht, wie jeder Segen, nicht «magisch» verstanden werden. «Er ist vielmehr Ausdruck des Wissens, dass wir trotz aller technischen und anderen Möglichkeiten nicht alles ‹im Griff› haben», so der Zuger Domherr. «Der Segen drückt das Vertrauen aus, dass wir von Gott Schutz und Hilfe erfahren.»
Kaufmann wählt meistens die Variante, in der um Segen und gedeihliches Wetter, Schutz vor Blitz, Hagel und Unheil gebetet wird. Dann folgt die Bitte um Segen für die Felder, Gärten, Gewässer, den Wald und die Früchte der Erde. «Desweiteren, dass Gott die Arbeit und Freizeit begleiten möge, damit wir mit Freude und Dankbarkeit gebrauchen, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen geworden ist», so Kaufmann.
Eine Formulierung, die von vielen Seelsorgenden am Schluss des Gottesdiensts beim Wettersegen gewählt wird. Aber sollte man nicht häufiger explizit um Regen beten, wenn wie in der Schweiz und anderswo monatelang so gut wie kein Regen gefallen ist.
Im «Benediktionale», einem liturgischen Buch der römisch-katholischen Kirche, das offizielle Segnungen und Segensgebete enthält, sind schliesslich mehrere Formen für den Wettersegen enthalten. Eine davon lautet wörtlich: «…Schenk uns den Regen, Gott, auf den das Land wartet. Gib uns das tägliche Brot, das uns am Leben erhält, damit wir um so vertrauensvoller nach der himmlischen Speise verlangen…».
«Die Formulierung, die ich für den Wettersegen verwende, ist eher allgemein gehalten und die Bitte um genügend Regen ist darin enthalten, wenn auch nicht explizit – aber es gäbe ja noch vieles, das speziell erwähnt werden könnte», erwidert Kaufmann.
Der Wettersegen gehe auf eine alte Tradition zurück und weise die Menschen darauf hin, dass sie zusammen mit der Natur Teil der göttlichen Schöpfung seien, und allem der Segen Gottes zugesprochen sei. «Gerade deshalb kann der Segen auch für Menschen, die in der Stadt leben und nicht direkt in der Landwirtschaft tätig sind, eine Erinnerung sein, woher wir unsere Nahrung haben und dass wir in ein Grösseres Ganzes eingebunden sind.»
Beim Wettersegen gehe es schlicht um «gedeihliches Wetter», wie es im Wettersegen im Messbuch formuliert sei, stellt Pfarrer Thomas Rey von St. Jakob in Cham gegenüber kath.ch klar. «Wir bitten darum, dass uns Gott genug Nahrung schenkt. Im Grunde ist alles andere Ausdeutung dieses Anliegens.»
«Wir haben dieses Jahr während der jetzt doch sehr trockenen Zeit etwa an gewöhnlichen Tagen auch die Messe «Um Regen» genommen.»
Die Gebete, die im Benediktionale um Regen oder um gutes Wetter aufgeführt sind, seien die Tagesgebete aus dem Messbuch für Messen für besondere Anliegen, erklärt Rey. «Wir haben dieses Jahr während der jetzt doch sehr trockenen Zeit etwa an gewöhnlichen Tagen auch die Messe ‹Um Regen› genommen.» In den Segensgebeten werde beides genannt, Trockenheit und zu viel Wasser. Etwa wie im zweiten Wettersegen im Messbuch: «Halte Ungewitter und … Dürre .. und alles was uns schaden mag von uns fern.»
Daneben würden viele Möglichkeiten von Schäden aufgezählt. Rey: «Ich meine, dass man hier alles findet, so dass ich spontan nicht wüsste, was noch hinzuzufügen wäre. In unserer Pfarrei haben wir den Wettersegen fast täglich, egal wie das Wetter gerade ist. Denn Beten nützt immer.»
Auch für den Würenlinger Diakon Marcus Hüttner ist der Wettersegen fester Bestandteil seiner Gottesdienste. «Ich habe mir sogar einen ‹eigenen Text geschrieben›, in dem ich zwar das Wort ‹Unwetter› habe stehen lassen, sonst aber um alles Gute bitte, und um Schutz vor allem Schädlichen», verrät er gegenüber kath.ch.
«Unwetter» sind für mich dieser Tage die Trockenheit und Hitze ebenso wie möglicher Hagel oder Sturm. Und die Bitte um Schutz vor allem, was uns schadet – darunter verstehe ich ebenfalls die Wetterextreme in beide Richtungen», erklärt Hüttner seine Sicht der Dinge.
Die Bitte ums Gute und Lebensförderliche umfasst seines Erachtens das Wetter, das Mensch, Tier und Umwelt «gut tut». Hüttner: «Durch diese möglichst offen gehaltene Formulierung bleibt Platz, um die aktuellen Wetter-Verhältnisse mitzubedenken und ebenso den je ganz persönlichen Gedanken und Bitten Raum zu geben.»
Last, but not least gibt es Pfarreien, die auch ausserhalb des Wettersegens, beispielsweise bereits in den Fürbitten, Gott um das Ende der Trockenheit und um Regen bitten. So beispielsweise in Baar – und auch in Würenlingen.
«Anfang September haben wir Familiengottesdienst zum Erntedankfest», erzählt Hüttner. Eine Frau aus seinem Liturgie-Team – sie ist Landwirtin – habe die Fürbitten geschrieben und sei dabei auch explizit auf das Wetter, auf Trockenheit und Regen, sowie auf die Ernte eingegangen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant