Seit Anfang August steht die Hofkirche Luzern ohne Leitung da. Die Stelle eines Pfarrers oder eines Gemeindeleiters bzw. einer Gemeindeleiterin wurde zwei Mal erfolglos ausgeschrieben. Nun führt der Propst des Chorherrenstifts vorübergehend die Pfarrei St. Leodegar im Hof.
Barbara Ludwig
Per Ende Juli hat der leitende Priester Ruedi Beck die Pfarrei St. Leodegar verlassen. Und auch Claudia Nuber, die die Pfarrei während rund drei Jahren leitete, arbeitet nicht mehr dort. Im Januar hatte sie ihre Kündigung eingereicht.
St. Leodegar im Hof ist die älteste Pfarrei der Stadt Luzern. Doch die traditionsreiche, neben dem gleichnamigen Chorherrenstift gelegene Pfarrei, findet niemanden, der sie leiten will. Ingrid Schmid, Mediensprecherin der Katholischen Kirche Stadt Luzern, bestätigt auf Anfrage, dass die Stelle eines Pfarrers oder einer Gemeindeleiterin bzw. eines Gemeindeleiters zwei Mal ausgeschrieben wurde – bislang erfolglos.
«Wir von der katholischen Kirche Stadt Luzern vermuten, dass der Grund hierfür der zunehmende Priester- und Fachkräftemangel ist», sagt Schmid. Ausserdem sei die Führung einer Pfarrei «wegen des zunehmenden komplexeren Managements» sehr anspruchsvoll. Sowohl Gesellschaft und Welt als auch die Kirche würden zunehmend komplexer. «Pfarrer sind heute auch Manager mit anspruchsvollen Führungs- und Organisationsaufgaben.»
Als Übergangslösung hat das Bistum Basel den Propst des Chorherrenstifts, Christoph Sterkman, als Pfarradministrator eingesetzt, wie die «Luzerner Zeitung» am Dienstag berichtete. «Christoph Sterkman überbrückt so lange, bis wir jemanden gefunden haben», teilt Schmid kath.ch mit.
Derweil geht die Suche nach einer dauerhaften Lösung weiter. Damit befasst ist eine Findungskommission unter Rafal Lupa, leitender Priester im Pastoralraum Stadt Luzern.
Sterkman, obschon nur Pfarradministrator und nicht Pfarrer, sei eine «vollwertige Besetzung». Die Pfarrei St. Leodegar im Hof werde seit 2023 ohne Pfarrer geführt, wie übrigens immer mehr Pfarreien in der Schweiz, erklärt Schmid.
Und das habe sich «gut etabliert». Zwar gebe es Gemeindemitglieder, die «emotional Mühe» damit hätten, dass Pfarreien nicht mehr von einem Pfarrer geführt werden. «Doch es ist Realität, dass es immer weniger Priester gibt.»
Ruedi Beck hatte 2023 als Pfarrer demissioniert, war aber noch als leitender Priester in der Hofpfarrei tätig.
In der Vergangenheit war die Pfarreileitung der Hofkirche in anonym erhobenen Vorwürfen kritisiert worden. Der Kirchenrat der Katholischen Kirche Stadt Luzern hat im Februar eine Zürcher Anwaltskanzlei mit einer Untersuchung beauftragt. Diese läuft aktuell noch.
«Es ist mehr oder weniger bekannt in der Branche, dass es nicht einfach ist, die Hofkirche zu führen.»
Gegenüber der «Luzerner Zeitung» sagte Schmid, ob die Kritik die Ausschreibung erschwert habe, wisse man nicht. Sie ergänzte aber: «Es ist mehr oder weniger bekannt in der Branche, dass es nicht einfach ist, die Hofkirche zu führen, weil hier unterschiedliche Auffassungen, wie Kirche heute sein soll, in besonderen Masse aufeinandertreffen.»
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