Der Jesuit Andreas Schalbetter hat mit einer Ordensfrau im katholischen Studentenhaus in Basel eine christliche Wohngemeinschaft gegründet. Die anfänglich sechs, bald 14 Mitbewohnenden aus verschiedenen Ländern lernen hier das christliche und das gemeinschaftliche Leben kennen.
Regula Pfeifer
Den Menschen einen Wohnort bieten, in dem sie sich gleichzeitig mit dem Christentum auseinandersetzen können. Das sei 1967 die ursprüngliche Idee des katholischen Studentenwohnheims in Basel gewesen, sagt Andreas Schalbetter. Der Jesuit ist zuständig für die Katholische Universitätsgemeinde (Kug) in Basel.
Nun hat er diese Idee erneut aufleben lassen und im letzten September innerhalb des Wohnheims im Studentenhaus eine christliche Wohngemeinschaft, umgangssprachlich WG, gegründet. Dies ursprünglich gemeinsam mit der damaligen Kug-Mitarbeiterin Barbara Häfele, die der Ordensgemeinschaft der Helferinnen angehört. Die Helferinnen berufen sich ebenfalls auf Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens.
Schalbetter begründet die Initiative so: Es gebe in Europa die Tendenz, dass junge Menschen sich vermehrt mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen möchten. Doch da dieser in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen sei, fehlten den interessierten Jungen oft Vorbilder oder Informationsquellen.
Hier soll die christliche WG Abhilfe schaffen. Oder in den Worten von Schalbetter: «Für dieses Bedürfnis können wir Räume zur Verfügung stellen.» Die WG soll es erleichtern, das Thema Glauben überhaupt anzusprechen, was für junge Menschen in der Gesellschaft ansonsten schwierig sei, findet der Jesuit und Hochschulseelsorger.
Ab September 2025 lebten also sechs Studierende auf einer Etage des Studentenwohnheims in dieser WG. Jeden Mittwochabend trafen sie sich zum Essen, danach folgte ein spiritueller Impuls und schliesslich ein Austausch. Den Impuls gestaltete jemand aus der WG oder Schalbetter selbst. Oder sie luden einen Referenten, eine Referentin von aussen ein – um sich inspirieren zu lassen.
Dreimal verreiste die Gruppe zudem für ein paar Tage. Am ersten gemeinsamen Wochenende besprachen sie in Gelterkinden im Baselland das WG-Leben und glichen die Vorstellungen der WG-Leute mit jenen von Initiator Schalbetter ab. Daraus ergab sich ein Plan für das WG-Studienjahr.
Später verbrachten sie Tage in Brig und auch in Paris. Dort trafen sie junge Menschen, die sich als persönliche Kirchenführende unter dem Begriff «Living Stones» engagieren. Bei diesen Ausflügen sei es nicht nur um den christlichen Glauben, kulturelle Erfahrung oder Erholung, sondern vor allem auch um die Gruppenbildung gegangen, erzählt Schalbetter.
Für das zweite christliche WG-Jahr sind vier der sechs Bisherigen weiter dabei. Ab dem Herbstsemester kommen zehn weitere Personen hinzu. Ausgewählt wurden diese in einem Bewerbungsverfahren, bei dem sie ihre Motivation für ein Leben in einer christlichen WG begründen und ihre Erfahrungen mit dem christlichen Glauben darlegen mussten, wie dem Anmeldeschreiben zu entnehmen ist.
Bewerben konnten sich junge Menschen, die an einer Universität oder Fachhochschule studieren oder ein Praktikum absolvieren. Die Altersgrenze liegt offiziell bei 35 Jahren. Das Bewerbungsverfahren habe er gemeinsam mit einem WG-Bewohner durchgeführt, sagt Schalbetter. Dies, um besser abschätzen zu können, ob Kandidierende in die Gruppe passen würden.
Nun ist die WG-Gruppe komplett. Vierzehn junge Menschen sind es, allesamt Studierende an Hochschulen der Deutschschweiz. Drei kommen aus der Schweiz, je zwei aus Deutschland, Kroatien und Spanien und je eine aus Ungarn, Ghana, Tansania, Nigeria und Indien.
Dementsprechend ist die offizielle Umgangssprache englisch. Die WG im katholischen Studentenhaus ist christlich-ökumenisch konzipiert. «Im Moment sind elf der vierzehn WG-Mitbewohnenden Katholiken», sagt Schalbetter.
Laut dem WG-Konzept werden die Mitbewohnenden ihr Glaubenswissen erweitern und ihre Beziehung zu Gott und dem Heiligen Geist vertiefen. Sie werden die christliche Spiritualität kennen und anwenden lernen – etwa verschiedene Gebetsformen. Zudem erhalten sie die Chance, ihre Selbstkompetenz und die Sozialkompetenz zu stärken.
Sie leben auf zwei Etagen des katholischen Studentenhauses. In der WG werde viel miteinander gesprochen; der Austausch sei seines Erachtens intensiver als im übrigen Studentenhaus, wo das Zusammenleben von der Initiative einzelner abhänge, so Schalbetter. Die WG helfe also gegen die Gefahr der Vereinzelung. Und sie hole die Mitbewohnenden aus ihrer sonstigen Bubble heraus.
Die christliche WG trägt den Namen Manresa. Dies ist eine Ortschaft, in der Ignatius von Loyola, der Begründer des Jesuitenordens, seine intensivere Bekehrung zum Christentum erlebt hat.
An Ignatius erinnere ihn die Sehnsucht von jungen Menschen, sich intensiver mit dem Christentum zu beschäftigen, sagt der Jesuit Schalbetter. Auch Ignatius habe nach seiner Umkehr konkrete Wege gesucht, um den Glauben an Jesus Christus greifbar und erfahrbar zu machen. Dafür habe er sich sogar als Pilger ins Heilige Land begeben.
Die christliche WG Manresa will der Jesuit nicht als «Insel der Seligen» verstehen. «Wir sind nicht die besseren Christen», sagt er. Es gehe darum, den jungen Menschen zu zeigen, was es heisst, Christ zu sein und wie dies gelebt werden könne. Dabei könne er sie unterstützen. Ihm ist es ein Anliegen, ein weltoffenes Christsein zu fördern. «Es darf nicht radikal oder fundamentalistisch werden.»
Die christliche WG sieht er als eine Art Schule an. «Mein Wunsch ist es, eine Art Jüngerschaftsschule ‹light› aufzubauen.» Er denkt dabei an die rund 72 Jüngerinnen und Jünger, die Jesus immer wieder begegneten. «Die einen waren verheiratet und blieben zuhause, andere sind mit Jesus mitgegangen und haben seine Botschaft verbreitet und am Dienst der Heilung, Befreiung und Verkündigung teilgenommen.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/neue-christliche-wg-in-basel-eine-moderne-schule-der-juengerschaft/