Wie aus einer Südafrikareise ein Hilfswerk der Pfarrei Diepoldsau-Schmitter entstand

Aus einer Bildungsreise des Seelsorgers Bernd Bürgermeister wurde eine dauerhafte Partnerschaft: Seit 2019 unterstützt die Pfarrei Diepoldsau-Schmitter mit ihrem Hilfswerk «Kamva» soziale Projekte in Südafrika. Selbst Erstkommunionkinder und Maturaabgänger sind involviert.

Jacqueline Straub

Eigentlich wollte Bernd Bürgermeister Südafrika kennenlernen – nicht nur das touristische Kapstadt, sondern auch das Leben der Menschen und der Kirche abseits der bekannten Routen. Dass daraus einmal ein kleines Hilfswerk entstehen würde, ahnte der Seelsorger damals nicht.

Im Jahr 2019 reiste der Pfarreibeauftragte der Antoniuspfarrei Diepoldsau-Schmitter und Teamkoordinator der Seelsorgeeinheit Rheintal für einen zweimonatigen Bildungsurlaub nach Südafrika. Bei den Vorbereitungen wurde er von der Pfarreiangehörigen Laura Schmiedeknecht unterstützt, die damals selbst regelmässig zwischen der Schweiz und Südafrika pendelte.

Abseits des schönen Kapstadt

Über das Internet kam der Kontakt zum ehemaligen Bischof von Aliwal North, Michael Wüstenberg, zustande. Dieser vermittelte Bernd Bürgermeister weitere Kontakte in Südafrika. «Mir war wichtig, nicht nur im schönen und reichen Kapstadt zu sein, sondern mehr von Südafrika zu erfahren », sagt Bürgermeister. Deshalb entschied er sich bewusst für einen Aufenthalt im Eastern Cape – einer Region, in der viele Menschen unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen leben.

Während seiner Reise besuchte er Projekte in Kapstadt, im Western Cape und in der Diözese Aliwal North. Dabei lernte er auch den heutigen Bischof Joseph Kizito kennen. Besonders beeindruckten ihn die Begegnungen mit Mitarbeitenden der Gefängnisseelsorge, eines Frauenhauses sowie verschiedener Pfarrei- und Caritasprojekte. «Aus diesen Begegnungen entstand die Idee, diese Projekte unterstützen zu wollen», sagt Bernd Bürgermeister.

Der Name für das Hilfswerk war schnell gefunden: Kamva – ein Xhosa-Wort für «Hoffnung». Auf den Namen brachte ihn Bischof Joseph Kizito. Unterstützt werden bewusst keine Bauprojekte, sondern Initiativen für Kinder, Jugendliche und Frauen, die oft unter schwierigen sozialen Bedingungen leben.

Rund zehnmal jährlich wird in der Pfarrei St. Antonius in Diepoldsau eine Kollekte für Kamva aufgenommen. «Meistens erzähle ich bei diesen Gelegenheiten auch etwas zum Projekt. Viele Menschen kennen Kamva inzwischen und wissen, dass mir diese Arbeit am Herzen liegt», sagt der Seelsorger. Hinzu kommen Einzelspenden. So stehen jährlich rund 20’000 Franken zur Verfügung.

Unterschiedliche Projekte

Mit diesem Geld werden verschiedene Projekte unterstützt. Angehörige von Inhaftierten erhalten über die Gefängnisseelsorge der Erzdiözese Kapstadt Lebensmittelpakete sowie Schuluniformen und Schulmaterial für ihre Kinder. Das Frauenhaus St. Anne’s Home in Kapstadt wird ebenso gefördert wie Programme der Caritas Aliwal North. Diese versorgen insbesondere Waisenkinder mit warmen Mahlzeiten, bieten Hausaufgabenbetreuung an und organisieren Workshops. «Alle diese Projekte kenne ich persönlich. Ich weiss, wohin die Hilfe fliesst», sagt Bernd Bürgermeister.

Mit den Jahren ist aus der Unterstützung weit mehr geworden als finanzielle Hilfe. Zwischen Diepoldsau und Südafrika sind persönliche Beziehungen entstanden. So gestaltete die Pfarrei Erstkommunionwege gemeinsam mit Kindern aus den Townships. Drittklässlerinnen und Drittklässler aus beiden Ländern tauschten Botschaften aus und so «konnten wir die Erstkommunionvorbereitung quasi parallel in verschiedenen Teilen der Welt erleben.»

Auch junge Erwachsene engagieren sich persönlich. Im vergangenen Jahr verbrachte eine junge Frau aus der Pfarrei nach ihrer Matura mehrere Monate in Aliwal North. Dort half sie in einer Vorschule der Caritas mit und arbeitete mit Kindern im Township.

Diepoldsau in Südafrika

Die Verbindung wird auch durch gegenseitige Besuche gepflegt. Bischof Joseph Kizito war bereits mehrmals in Diepoldsau zu Gast. Im vergangenen Jahr reiste Bernd Bürgermeister gemeinsam mit 28 Personen aus der Pfarrei nach Südafrika. «Die Reise war sehr eindrücklich und ein voller Erfolg.»

Die Partner vor Ort halten den Kontakt lebendig. «Ich erhalte regelmässig Erfahrungsberichte, E-Mails und kleine Dankesbriefe. Über WhatsApp schicken sie oft Fotos aus den Projekten. Der Austausch läuft wirklich gut», sagt Bernd Bürgermeister.

Über «Kamva» erreichten die Pfarrei inzwischen auch Anfragen zur Unterstützung von Bauprojekten, etwa für die Renovierung eines Kirchenzentrums in Sterkspruit in der Diözese Aliwal North oder den Neu- beziehungsweise Umbau eines Hauses für pensionierte Seelsorgende und Ordensleute. Solche Vorhaben konnte Bernd Bürgermeister an die katholische Administration des Bistums St. Gallen sowie an die Hilfsorganisation «Schweizer Bauorden» vermitteln, die mehrere Projekte grosszügig unterstützten.


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https://www.kath.ch/newsd/wie-aus-einer-suedafrikareise-ein-hilfswerk-der-pfarrei-diepoldsau-schmitter-entstand/