Pfarrer vermietet Zimmer in Pfarrhaus auf Airbnb

Pfarrer Pascal Marquard hat auf der Plattform Airbnb über längere Zeit ein Zimmer im Pfarrhaus Zollikon vermietet. Da die Kirchenpflege ihm dies untersagte, beherbergt Marquard nur noch privat Gäste. Sein Wunsch ist ein offenes Pfarrhaus.

Regula Pfeifer

Der Pfarrer der Katholischen Kirche Zollikon Zumikon hat ein Zimmer im Pfarrhaus an Gäste vermietet. Das kam an der Kirchgemeindeversammlung vom 1. Juni zur Sprache. Auf Nachfrage von kath.ch bestätigen dies sowohl der amtierende Kirchenpflegepräsident Vedran Zrno als auch Pfarrer Pascal Marquard selbst. Sie beziehen sich dabei auf ein Gästezimmer mit separatem Bad innerhalb der Pfarrwohnung, das sich im oberen Stockwerk des Pfarrhauses befindet.

Problematisch sei, dass die Vermietung ohne vorgängige Information oder Genehmigung der zuständigen Organe erfolgte und über einen längeren Zeitraum in erheblichem Umfang betrieben worden sei, schreibt Zrno. Pfarrer Marquard sagt demgegenüber: «Bevor ich diese Idee lancierte, habe ich die damalige Kirchenpflege über meine Absicht informiert.»

Pfarreisekretariat mit vertraulichen Dokumenten

Im Pfarrhaus befindet gemäss Zrno das Sekretariat der Pfarrei. Dort würden «vertrauliche Unterlagen des Pfarramts bearbeitet und aufbewahrt». Er schreibt an kath.ch: «Die Beherbergung einer grossen Anzahl wechselnder Gäste in einem Gebäude mit administrativen Funktionen der Kirchgemeinde wirft Fragen hinsichtlich Organisation, Vertraulichkeit und Sicherheit auf.»

Es sei auch unklar, ob für die private Vermietung kirchliche Ressourcen in Anspruch genommen wurden. Zrno erwähnt die Nutzung der Infrastruktur des Pfarrhauses sowie Leistungen in den Bereichen Reinigung, Unterhalt, Strom- und Wasserverbrauch, welche von der Kirchgemeinde finanziert würden. Das Pfarrhaus gehört der Kirchgemeinde, wie ein Blick in deren Verwaltungsvermögen von 2024 zeigt.

220 Gästebewertungen

Zrno möchte zudem wissen, wohin die Einnahmen aus der Zimmervermietung gingen. Das Zimmer wurde auf Airbnb zu einem Preis von 69 Franken angeboten und wies 220 Rezensionen von Gästen auf, als die Kirchenpflege davon erfuhr.

Die Kirchenpflege hat die Angelegenheit von der Zürcher Kantonalkirche abklären lassen. «Diese hielt fest, dass Pfarrwohnungen als Dienstwohnungen zum ausschliesslichen Eigengebrauch vorgesehen seien und nicht als Airbnb-Unterkünfte genutzt werden sollten», so Zrno. Sie habe die Meinung vertreten, dass die Vermietung zu unterlassen sei.

Zimmervermietung eingestellt

Die Kirchenpflege habe daraufhin den Pfarrer angewiesen, entsprechende Vermietungen unverzüglich einzustellen. Das Zimmerangebot werde derzeit nicht mehr auf Airbnb geführt, schreibt Zrno. Und Pfarrer Marquard schreibt an kath.ch: «Vor einem Jahr hat mich die (personell veränderte) Kirchenpflege aufgefordert, die Zimmervermietung zu stoppen. Seither nehme ich nur noch privat Gäste auf.»

Wem die Einnahmen aus den Zimmervermietungen gehören, ist laut Kirchenpflegepräsident Zrno «bis heute nicht abschliessend geklärt». Als Eigentümerin der Liegenschaft könne sie «gegebenenfalls Ansprüche auf Herausgabe geltend machen». Auch allfällige steuer- und sozialversicherungsrechtliche Aspekte müssten noch geklärt werden.

«Den Nettogewinn habe ich gespendet», sagt Marquard. Seine Spende kam demnach Menschen in Not zugute, aber auch dem Werk «Oremus» im Zürcher Niederdorf, das seit Jahren mit einer Kapelle, Anbetung und geistlicher Begleitung präsent ist.

Wunsch nach offenem Pfarrhaus

Pfarrer Pascal Marquard begründet die Zimmervermietung mit seinem Bedürfnis nach Gastfreundschaft. Eine solche habe er als Franziskaner in Klöstern in verschiedenen Ländern erlebt, schreibt er gegenüber kath.ch. Zudem habe er auf Reisen immer gern bei «Einheimischen» übernachtet, wodurch er Land und Leute gut kennen gelernt habe.

Aufgrund dieser Erfahrungen «sollte mein neues Zuhause ebenso ein Ort der Begegnung sein», so Marquard. Er bekräftig dies auch mit Aussagen aus dem Personalhandbuch der Zürcher Kantonalkirche, Kapitel 6.10. Dort heisst es:

«Das Pfarrhaus ist vom Pfarrer oder den Seelsorgenden mit Pfarreileitungsfunktion mit Unterstützung der Kirchenpflege – unter Wahrung des privaten Wohnbereichs – als offener, gastfreundlicher Ort zu organisieren. Nach Möglichkeit sollen auch Vikare oder befristet angestellte Pastoraljahrabsolvierende sowie Gäste und Aushilfen aufgenommen werden. Dadurch soll die Erreichbarkeit einer Seelsorgerin, eines Seelsorgers auch ausserhalb der Bürozeiten sichergestellt werden.»

Spannende Gespräche am Küchentisch

Der Pfarrer begründet die Zimmervermietung auch finanziell. Er zahle für seine Pfarrwohnung eine Miete. Und er bezeichnet es auch als ökologisch sinnvoll, nicht benötigte Zimmer in seiner Viereinhalbzimmerwohnung anderen zur Verfügung zu stellen.

Er habe das Gästezimmer mit eigenem Badezimmer jeweils an Einzelpersonen zur Alleinbenutzung vermietet, sagt Marquard. Darin habe er sowohl Christen, Hindi und Muslime, als auch Buddhisten und Atheisten beherbergt. «An meinem Küchentisch haben in dieser Zeit immer wieder interessante und spannende Gespräche stattgefunden.»

Die Kirchenpflege hat die Angelegenheit nun auch dem Generalvikariat der Bistumsregion Zürich-Glarus gemeldet. Dort laufen die Abklärungen noch, wie die Informationsbeauftragte Manuela Moser auf Anfrage sagt.

Pascal Marquard war vor einigen Jahren noch Guardian des Franziskanerklosters in Freiburg i.Ü., ab 2017 zudem Bischofsvikar für Deutschfreiburg und Stadtpfarrer von Freiburg. Eingezogen ins Pfarrhaus Zollikerberg in Zollikon ist er im Sommer 2020. (korrigiert, 22.6.26 und 25.6.26)


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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