Der Vatikanstaat umfasst nur 44 Hektar, doch ihm gehören mehrere grosse Flächen im Umland von Rom. Eine davon soll bald zur Fotovoltaik-Farm umgebaut werden. Die wäre dann eine der leistungsstärksten Europas.
Ludwig Ring-Eifel (CIC)
Der Bau einer grossen Fotovoltaik-Farm auf vatikaneigenem Gelände rückt näher. Wie die Verwaltung des Vatikanstaates diese Woche mitteilte, haben der Zwergstaat des Papstes, die Güterverwaltung des Heiligen Stuhls, der italienische Energieversorger Acea und die vatikanische Umweltstiftung «Fratello Sole» eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.
Sie legt einen Ablaufplan für die Errichtung eines grossen Fotovoltaik-Parks auf dem vatikaneigenen Gelände von Ponte Galeria nördlich von Rom fest. Die Stiftung «Fratello Sole», die das Projekt federführend vorantreiben soll, hatte Papst Leo XIV. am 1. Juni 2025 wenige Wochen nach seinem Amtsantritt gegründet.
Mit der grossen Anlage zur Erzeugung «grüner Energie» soll laut Vatikan-Mitteilung ein zentrales ethisches Anliegen des kirchlichen Lehramts verwirklicht werden. Es war von Papst Franziskus (2013-2025) in seiner Ökologie-Enzyklika «Lautato sí» festgeschrieben worden.
Sobald die Anlage steht und produziert, wäre der Vatikan der erste Staat der Welt, der mehr Solarstrom herstellt, als er selbst verbraucht. Ein völkerrechtlicher Vertrag mit Italien, der dies ermöglicht, war bereis Ende Mai in Kraft getreten.
Gemäss diesem Vertrag kann der Vatikan auf dem rund 420 Hektar grossen Gelände nördlich von Rom zusätzlich zu Radio-Sendemasten eine Fotovoltaik-Anlage errichten. Das Gebiet gehört gemäss den Lateranverträgen von 1929 als exterritoriales Gebiet dem Heiligen Stuhl.
Der Vatikan kann den dort künftig gewonnenen Solarstrom ins italienische Netz einspeisen und umgekehrt kostenlos Strom aus diesem Netz beziehen. Wenn der auf vatikanischem Terrain erzeugte Strom den Eigenbedarf übertrifft, geht die überzählige Energie ins Eigentum des italienischen Staates über.
Wenn der Vatikan das gesamte ihm gehörende Gelände bei Ponte Galeria mit Solar-Paneelen bedecken würde, würde die dortige Solar-Farm eine der grössten Europas. Die bislang grösste Anlage dieser Art in Europa ist der Solarpark Witznitz südlich von Leipzig.
Er erstreckt sich über eine Fläche von rund 500 Hektar und erzeugt rechnerisch 600 Millionen Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Das deckt den Jahresbedarf von rund 200’000 Haushalten. Mit einer nutzbaren Fläche von rund 400 Hektar könnte der vatikanische Solarpark bei Ponte Galeria dank der deutlich höheren jährlichen Sonnenscheindauer eine ähnlich hohe Leistung erbringen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/grosse-fotovoltaik-farm-fuer-den-vatikan-rueckt-naeher/