Zurzeit werden oder sind bereits wieder viele Jugendliche gefirmt worden – und dadurch in ihrem Taufversprechen und in ihrem Glauben bestärkt worden. Doch junge Menschen entfernen sich immer häufiger von der Kirche, wie Statistiken ausweisen. Das betrifft auch das Sakrament der Firmung. Eine Annäherung.
Wolfgang Holz
Sie wird bald 17 Jahre alt und lebt im Bistum Basel. Sie wurde als Kind getauft. In die Kirche geht sie schon seit Langem nicht mehr. Sie will sich deshalb auch nicht im nächsten Jahr firmen lassen. «Ich fühle mich nicht religiös und glaube auch nicht an Gott», sagt der Teenager in sich ruhend und überlegt im Gespräch mit kath.ch. Obwohl sie gerne am Religionsunterricht in der Schule teilnehme – «weil es dort oft interessante Dinge zu erfahren gibt» –, glaube sie im Prinzip an keine höhere Macht.
Aber was macht sie, wenn sie in ihrem Leben mal nicht weiter weiss oder sich verzweifelt fühlt? «Dann kann ich darüber ja mit meiner Familie und mit meinen Freunden sprechen.» Wobei sie grundsätzlich vom Guten im Menschen überzeugt sei.
Die Schülerin, die ihren Namen nicht online lesen möchte, ist kein Einzelfall. In der Schweiz lässt sich bei den Firmungen ein deutlicher Abwärtstrend beobachten – wie Statistiken des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) in St. Gallen zeigen.
Aus den Zahlen der Kirchenstatistik lässt sich ablesen, dass die Bindung junger Menschen zur römisch-katholischen Kirche generell stark abnimmt. Was angesichts der allgemeinen Säkularisierung der Gesellschaft und der Tatsache, dass 2023 67’497 Menschen schweizweit die katholische Kirche verlassen haben, nicht verwunderlich erscheint.
Doch zurück zur Zahl der Firmungen. Laut SPI ist im Bistum Basel die Zahl der Firmungen zwischen 2012 und 2020 von 7921 Firmungen auf 4481 Firmungen zurückgegangen. Im Bistum St. Gallen beträgt der Rückgang von 1741 auf 1124 Firmungen. Im Bistum Chur von 4673 auf 3187 Firmungen, im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg von 3053 auf 1563. Und im Bistum Sitten hat sich die Zahl der Firmlinge von 1432 auf 1130 reduziert, im Bistum Lugano von 1804 auf 843. Schweizweit wurde im Zeitraum zwischen 2012 und 2020 ein Rückgang von 20’624 auf 12’328 Firmungen registriert.
Dabei kann das Firmalter eine grosse Rolle für die Entscheidung von Jugendlichen spielen, ob sie sich firmen lassen oder nicht. Viele Bistümer haben inzwischen das Firmalter von der 6. Klasse auf 17 oder 18+ Jahre angehoben. Die Jugendlichen treffen den Entscheid zur Firmung dadurch viel bewusster – und oftmals gegen die Kirche. Was nicht grundsätzlich als negativ eingestuft wird.
Im Bistum Sitten findet die Firmung mehrheitlich in der Primar- und Sekundarschule statt, in den beiden Bistümern Lausanne, Genf und Freiburg und Lugano in der Oberstufe. Im Bistum St. Gallen haben hingegen mittlerweile alle Pfarreien auf das Firmalter 18+ umgestellt. In den Bistümern Basel und Chur hat sich bisher kein Firmmodell eindeutig durchgesetzt.
«Manche fühlen sich eben noch nicht reif genug für die Firmung und schieben diese auf später auf.»
Für Reto Kaufmann, Pfarrer von St. Michael in Zug und Domherr, der jüngst zahlreiche Jugendliche in der Pfarrei St. Martin in Baar firmte, ist klar, dass es für Jugendliche verschiedene Gründe geben kann, warum sie sich nicht firmen lassen wollen: «Manche fühlen sich eben noch nicht reif genug für die Firmung und schieben diese auf später auf – das gibt es immer wieder», versichert er gegenüber kath.ch. Oder der Glaube und die Kirche spielten im Leben der jungen Menschen momentan eben keine oder keine grosse Rolle, weil andere Dinge wie ihre Ausbildung oder das Studium für sie wichtiger seien.
«Die Jugendlichen stehen zum Zeitpunkt ihrer Firmung meist an einem Wendepunkt im Leben «, ist Pfarrer Reto Kaufmann überzeugt. Sie würden sich bewusst, dass sie immer mehr ihr Leben selbst in die Hand nehmen müssten und Entscheidungen selbst treffen müssen. Kaufmann: «An diesem Punkt schenkt das Sakrament der Firmung die Zusage, dass Gott mit der Kraft des Heiligen Geistes immer unser Leben begleitet – auch schon vor der Firmung.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/warum-sich-zahlreiche-jugendliche-nicht-mehr-firmen-lassen-wollen/