In Bern wurden am Donnerstagabend katholische Medienpreise vergeben für journalistische Arbeiten, die im vergangenen Jahr in der Schweiz veröffentlicht worden waren. Rund 40 Gäste hatten sich eingefunden. Josef Stübi, Weihbischof der Diözese Basel, hielt die Laudatio.
Stefan Betschon
Die journalistische Beschäftigung mit religiösen Themen findet in der Schweiz nach wie vor auf hohem Niveau statt. Zu diesem Schluss muss kommen, wer am Donnerstagabend in Bern der Verleihung der katholischen Medienpreise beigewohnt hat.
Die Jury konnte aus fast drei Dutzend Arbeiten auswählen. Eine grosse Zahl guter Arbeiten hätten der Jury die Auswahl schwer gemacht, so berichtete Davide Adamoli, Präsident der Jury. Die drei Arbeiten, die nun in Bern mit einem Preis ausgezeichnet wurden, stellen eine ausgewogene Auswahl dar. Drei Männer und zwei Frauen durften Preise entgegennehmen, drei Landesssprachen und drei verschiedene journalistische Formen – Video, Audio und Text – wurden berücksichtigt.
Auch thematisch ist die Auswahl ausgewogen: Es geht um theologisch-theoretische Grundsatzfragen, um Probleme der seelsorgerischen Praxis und um eine naturwissenschaftliche Annäherung an Glaubensphänomene. Allen prämierten Arbeiten gemeinsam ist, dass sie von einem Team erarbeitet wurden; die Zeit der Einzelkämpfer scheint im Journalismus vorbei zu sein.
Die Preisverleihung fand in Bern wiederum in der Katholischen Mission der italienischen Sprache statt. Durch den Abend führte Arianna Estorelli vom bischöflichen Kommunikationsdienst, die zwischen drei Landessprachen, die sie fliessend spricht, munter hin- und herwechselte. Als letzten bat sie den Zürcher TV-Journalisten Simon Christen auf die Bühne, der sich im Auftrag des Schweizer Fernsehens mit «Unerklärliche Heilungen» beschäftigt hatte. Christen durfte den mit 2000 Franken dotierten Hauptpreis entgegennehmen.
Sein 50minütiger Dokumentarfilm, der im vergangenen Dezember ausgestrahlt worden war, untersucht in Lourdes und in der Schweiz medizinische Phänomene, die im Volksmund als «Wunder» bezeichnet werden. Damit sind Heilungen gemeint, die unerwartet, vollständig, dauerhaft und gemäss dem aktuellen medizinischen Wissstand nicht erklärbar sind. Neben schwer kranken Frauen kommen im Film auch naturwissenschaftlich argumentierende Ärzte zu Wort.
In seiner Laudatio nannte der Weihbischof der Diözese Basel, Josef Stübi, die Dokumentation des Schweizer Fernsehens als «berührend». Sie sei «respektvoll, feinfühlig und vielschichtig» gestaltet. «Es wurde eine sensible Thematik bearbeitet und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Am Schluss zeigt sich einmal mehr: Nicht alles lässt sich erklären». Manches bleibe ein «Mysterium».
Für die öffentlich-rechtliche Radio- und Fernsehgesellschaft der Schweiz gab es von der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) noch einen weiteren Preis für eine Radiosendung von Radiotelevisione Svizzera Italiana.
«Parrocchie in Transizione» – «Pfarreien im Wandel» – war der Titel dieses Radiobeitrags, der sich mit der Situation von drei abgelegenen Pfarreien in den vier Tälern Bergell, Misox, Calanca und Puschlav beschäftigte. Für ihre rund halbstündige Reportage hatten Alessandro Tini und Antonia Marsetti Seelsorgende und auch Mitglieder der Kirchenpflege befragt. Für diese Arbeit erhielten sie von der SBK einen mit 1000 Franken dotierten Medienpreis .
Alle diese Pfarreien befinden sich im Umbruch. Innerhalb des dualen Systems, das diesen Wandel bewältigen muss, solle man auch auf die Priester hören, so erlaubte sich Bischof Stübi in einer «persönlichen Bemerkung» anzufügen. «Da solche Veränderungen zwangsläufig Auswirkungen auf die Pastoral haben, gehören die Priester und die Seelsorgerinnen und Seelsorger in die Mitverantwortung. Denn es geht um die zukunftsgerichtete Gestaltung auch der Seelsorge. So etwas geht nicht ohne sie, darf nicht unbeachtet an ihnen vorbeigehen.» Der Medienbischof lobte an diesem Beitrag die «qualitativ überzeugende, vielperspektivische Darstellung einer aktuellen kirchlichen Thematik».
Nicht überall in der Kirche ist kirchlicher Journalismus, der kritische Fragen stellt, wohlgelitten. Als eine Journalistin und ein Journalist im Dienst der reformierten Westschweizer Nachrichtenagentur Protestinfo im vergangenen Jahr über Versuche der Vertuschung von sexuellem Missbrauch seitens des reformierten Synodalrats berichteten, sahen sie sich Anfeindungen ausgesetzt. Bald mussten sie ihre Entlassung hinnehmen.
Diese beiden Medienschaffenden – Anne-Sylvie Sprenger und Lucas Vuilleumier – durften nun am Donnerstagabend in Bern vom katholischen Medienbischof eine Auszeichnung entgegennehmen. Sie erhielten 1000 Franken für eine vierteilige Artikelserie, die der Leserschaft der Zeitungen «La Liberté» und «Le Courier» ein fast schon katholisches Thema näher zu bringen versuchte: Beichte und Vergebung.
Was hier über die Beichte gesagt werde, könne er «aus eigener Erfahrung bestätigen», sagte Stübi. Und zwar aus «beiderlei Betrachtungsweisen», als Beichtender und als Priester, der Beichtgespräche geführt hat. Beichte sei eben nicht nur ein religiös-spirituelles, sondern auch ein psychologisches Geschehen.
An den Texten von Anne-Sylvie Sprenger und Lucas Vuilleumier lobte Stübi die thematische Breite: Es werde im Rahmen der Missbräuche im kirchlichen Umfeld die individuelle und die kollektive Schuld ins Visier genommen. Ferner gehe es auch um Vergebung in internationalen Beziehungen. «Diese vier fundierten, vielschichtigen und anspruchsvollen Artikel», so der Medienbischof in seiner Laudatio, regten «zum Nachdenken» an und zeigten «eindrucksvoll», wie «weit und vielschichtig» das Thema Vergebung sei.
Abgesehen vom Geld erhielten die Preisträgerinnen und Preisträger auch einen Blumenstrauss und eine Trophäe in Form eines schmiedeeisernen Kreuzes, das in einen hölzernen Sockel eingelassen ist. Das Holz war einst Teil der Bänke der Abteibasilika von Einsiedeln, wo die SBK ihren offiziellen Sitz hat.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/schweizer-bischoefe-vergeben-medienpreise/