Hildegard Aepli über die krasse Lebensform der heiligen Wiborada

Zehn Jahre lang lebte Wiborada freiwillig eingeschlossen in einer Zelle in St. Gallen. Für heutige Menschen ein abschreckendes Frauenbild. Weshalb die Theologin Hildegard Aepli die Heilige trotzdem aus der Versenkung geholt hat, sagt sie im Podcast «Laut + Leis».

«Es ist nicht nachvollziehbar für uns. Das war es für mich auch lange nicht, es gibt immer diese Denkgrenze.

Doch unterdessen sage ich, ja, wir müssen letztlich nicht verstehen, was sie gelebt hat, aber wir dürfen es deshalb nicht einfach beiseite schieben, was Frauen und Männer lange gemacht haben. Mit der Begründung, das ist so eine sperrige Geschichte, so krass, damit kann ich nichts anfangen. Sondern es ist wichtig, sich ihr anzunähern, wie wir das zum Beispiel auch mit Bruder Klaus tun.

Da sagen auch die wenigsten, mit dem Bruder Klaus will ich nichts zu tun haben, wie der mit seiner Familie umgegangen ist oder dass der nicht gegessen hat. Wir müssen einen Umgang finden und sehen, welche Ausstrahlung dieses Leben bis heute hat. Oder im Falle von Wiborada: Ihre radikale Lebensform gibt auch dank der verschiedenen Initiativen Impulse für heute.»

Das sagt Hildegard Aepli im Podcast «Laut + Leis». Die Theologin und Seelsorgerin hat das Wiborada-Projekt der St. Galler Kirchen initiiert. Vor 1100 Jahren ist Wiborada erschlagen worden. Die Stadt St. Gallen gedenkt ihrer bis Ende Jahr mit einem umfangreichen Programm. Siehe auch Jubiläumswebsite. (sl)


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