Theologin Esther Solari: «Diakonat für die Frau ist ein umfangreiches und sensibles Unterfangen»

Wie steht es um das Diakonat der Frau? Diese Frage geht an die Westschweizer Theologin Esther Solari (27), eine Expertin. Sie verfolgt die wissenschaftliche Debatte zum Thema und hat ihre Masterarbeit darüber verfasst. Ein Beitrag zum Internationalen Tag der Frau.

Lucienne Bitar, cath.ch

Eine vierte Studienkommission des Vatikans hatte den Auftrag, die Möglichkeit der Öffnung des Diakonats für Frauen «als Stufe des Weihesakraments» zu prüfen. Im Dezember 2025 entschied sie sich für den «Status quo» – dies auf Basis historischer und theologischer Forschungen.

Diesen Entscheid kommentiert die Westschweizer Theologin Esther Solari (27). Sie hat 2025 eine Masterarbeit über das Diakonat der Frau verfasst und ist als Seelsorgerin in der katholischen Kirche des Kantons Waadt tätig.

Die Vatikanische Kommission ordnet das ständige Diakonat dem Weihesakrament zu. Heisst das: Das Diakonat bleibt für Frauen unzugänglich, da die Kirche ihre Ordination nach wie vor nicht zulässt?

Esther Solari: Ja, das ist richtig. Das Diakonat ist die erste Stufe des Weihesakraments, dies vor dem Priestertum und dem Bischofsamt. Dieser Dienst verlor mit der Gregorianischen Reform im 11. Jahrhundert seine Eigenständigkeit. Die Reform schrieb vor, dass man zuerst zum Diakon und dann zum Priester geweiht werden musste, um schliesslich Bischof zu werden. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) richtete dann wieder einen ständigen Diakonat ein. Dies «nicht im Hinblick auf das Priestertum, sondern im Hinblick auf den Dienst», wie es hiess. Damit war der Dienst des Bischofs gemeint.

«Heute gibt es also zwei Formen des Diakonats, die jedoch Männern vorbehalten sind.»

Heute gibt es also zwei Formen des Diakonats, die jedoch weiterhin ausschliesslich Männern vorbehalten sind. Nur unverheiratete oder verheiratete Männer, die die Zustimmung ihrer Ehefrau haben, können zu ständigen Diakonen geweiht werden.

Die Funktionsweise der Kirche in den Anfängen des Christentums wird regelmässig als Argument für oder gegen das Diakonat für Frauen angeführt. Ist dieses Argument stichhaltig?

Solari: Dieses Argument stützt sich auf ein legitimes Anliegen: die Treue zur Weiterführung der Tradition. So formuliert, neigt es jedoch dazu, die Kirche zu fixieren auf eine seit zweitausend Jahren vermuteten unveränderte Funktionsweise. Das birgt das Risiko, unsere heutigen Kategorien auf die sehr andersartigen kirchlichen Realitäten der ersten Jahrhunderte zu projizieren.

Darüber hinaus ist eine solche Behauptung nach dem aktuellen Stand der historischen Forschung teilweise eine Projektion. Es gibt keine gesicherten Beweise dafür, dass es in der Urkirche Frauen gab, die zur Diakonin geweiht wurden, mit Handauflegung durch den Bischof. Aber es gibt auch keinen Grund, dies endgültig auszuschliessen. Auch wenn zahlreiche Diakoninnen den ersten christlichen Gemeinden dienten, scheint ihr Status nicht mit dem der männlichen Diakone identisch gewesen zu sein. Letztere wurden von Anfang an für den Tischdienst eingesetzt, wie es in der Apostelgeschichte berichtet wird.

Welche Aufgaben hatten die Diakoninnen früher?

Solari: Diakoninnen gab es vor allem in der Ostkirche zwischen dem 3. und 11. Jahrhundert. Sie scheinen den Status einer Diakon-Assistentin oder sogar einer Diakon-Ehefrau gehabt zu haben. Ihre Rolle entwickelte sich je nach Epoche, Region und vor allem den Bedürfnissen weiter.

Damals wurden die Menschen bei der Taufe vollständig und nackt ins Wasser getaucht. Die Salbung mit Öl erfolgte am ganzen Körper. Aus Gründen der Schamhaftigkeit kümmerten sich die Diakoninnen dabei um die Frauen. Die Taufe selbst wurde vom Bischof vollzogen: Er streckte seine Hand durch ein Loch in einem Schleier oder einer Wand, um die Stirn der Frau zu salben und ihr die Segensworte zu sagen. Danach salbte die Diakonin den Rest des Körpers der Frau. Als die Erwachsenentaufen zurückgingen, zugunsten von Kindertaufen, sank auch der Bedarf an Diakoninnen.

«Die Diakoninnen vertraten den Bischof gegenüber der weiblichen Bevölkerung, wenn das Eingreifen eines Mannes als unangemessen erachtet wurde.»

Hatten sie noch andere Aufgaben?

Solari: Je nach den örtlichen Gegebenheiten konnten sie auch Kranke besuchen, Frauen unterrichten oder religiöse Gemeinschaften leiten. So vertraten sie den Bischof gegenüber der weiblichen Bevölkerung, wenn das Eingreifen eines Mannes als unangemessen angesehen wurde, in einem soziokulturellen Umfeld, das durch eine strikte Trennung der Geschlechter gekennzeichnet war.

In einigen Ostkirchen, wie beispielsweise bei den syrisch-orthodoxen Christen, wurden sie auch als liturgische Hilfskräfte wieder eingesetzt – für Lesungen und Gesänge. Die Aufgabe, das Evangelium zu verkünden oder zum Altar zu gehen, blieb jedoch den Diakonen, Priestern und Bischöfen vorbehalten.

«Für das katholische Lehramt kann jede Weihe nur männlich sein.»

Ob es nun von Anfang an so war oder erst später so wurde: Das Diakonat ist also eine Männerangelegenheit. Kann man darin ein Zeichen von Macht sehen?

Solari: Für das katholische Lehramt kann jede Weihe nur männlich sein, da Gott selbst in einem Mann Mensch geworden ist. Dies ist das ikonische und wichtigste Argument für eine streng männliche Weihe in der Kirche. Der Priester und der Bischof sind dazu berufen, Christus, das Haupt seiner Kirche, zu repräsentieren, und der Diakon dazu Christus, den Diener, zu vertreten. Dieses Argument wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil insbesondere von Johannes Paul II. nachdrücklich bekräftigt. Ich finde es wenig überzeugend, vor allem in Bezug auf die Frage des Diakonats.

Letzteres ist in der Tat eine Frage der Macht, aber nicht nur zwischen den Geschlechtern. Es ist auch Teil einer alten Spannung zwischen zwei Arten von Ämtern innerhalb der Kirche. Vor der Gregorianischen Reform konnte jeder Diakon, der kein Priester war, direkt zum Bischofsamt und damit zum Papstamt aufsteigen. Gregor VII., selbst ein ehemaliger Diakon, beendete dieses System, um die Kirche zu vereinen und die Rivalitäten zwischen Priestern und Diakonen zu beenden, die sie schwächten. Aus ähnlichen Gründen führte er gleichzeitig das Zölibat für Diakone und Priester ein.

Führe er auch eine neue Sichtweise auf Frauen ein?

Solari: In der Tat. Dieser Moment markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Darstellung von Frauen innerhalb der katholischen Welt. Die Diakoninnen verschwanden, und Frauen wurden nach und nach aus dem klerikalen Bereich ausgeschlossen. Die Sichtweise auf sie verhärtete sich. Als Figuren der Versuchung dargestellt, wurden sie von den geweihten Männern ferngehalten.

«Eine mögliche Weihe von Frauen zum Diakonat wäre eine bedeutende Neuerung.»

Wäre es ein weiterer grundlegender Wandel, Frauen zu erlauben, Diakoninnen zu werden?

Solari: Seit 1997 haben sich fünf Studienkommissionen mit dieser Frage befasst. Doch es ist für Theologen nach wie vor unmöglich, völlig objektiv zu entscheiden, ob es in der Geschichte der Kirche Frauenordinationen gegeben hat oder nicht. Da die Antwort heute eher negativ zu sein scheint, wäre eine mögliche Weihe von Frauen zum Diakonat eine bedeutende Neuerung.

Hinter dieser Frage verbirgt sich darüber hinaus eine tiefgreifende Neubewertung des Diakonats und für manche Theologen sogar des Priesteramts selbst. Sie betrifft die gesamte Amtsstruktur: Priester, Bischöfe und im weiteren Sinne die gesamte kirchliche Organisation. Es handelt sich also um ein weitaus umfangreicheres und besonders sensibles Unterfangen. Es geht um die Identität – und damit um die Besonderheit – des Diakonats selbst.

Bevor man die Weihe von Frauen zum Diakonat in Betracht zieht, sollte man sich also über die genaue Natur dieses Amtes im Klaren sein?

Solari: Ganz genau. Konkret ist ein Diakon heute in der Regel befugt, das zu tun, was ein Laie nur in Ausnahmefällen und mit einer besonderen Erlaubnis tun darf. Seine Anwesenheit erinnert daran, dass jeder Getaufte dazu berufen ist, Diakonie zu leben, das heisst Christus, dem Diener, zu folgen, entsprechend seiner Taufe, seinen Charismen und nicht entsprechend seinem Geschlecht.

«Es wäre daher fruchtbar, das Diakonat neu zu denken als sowohl für Männer als auch für Frauen offenes Amt.»

Es wäre daher fruchtbar, das Diakonat neu zu denken als sowohl für Männer als auch für Frauen offenes Amt. Man könnte dann in Betracht ziehen, dass auch Frauen berechtigt sind, das Diakonat zu bezeugen, insbesondere im liturgischen Rahmen, auf sichtbare, anerkannte und gewöhnliche Weise. Eine solche Entwicklung würde der Gemeinschaft deutlich machen, dass der Herr sowohl Männer als auch Frauen beruft, seiner Kirche zu dienen, in einem Engagement, das aufgrund von Charismen vergeben wird, nicht primär aufgrund des Geschlechts.

Die Rolle des Diakons zu hinterfragen würde also bedeuten, die Trennlinien rund um die Frauenordination aufzubrechen?

Solari: Es würde auf jeden Fall bedeuten, sich zu fragen, welche Mittel am besten geeignet sind, damit die Kirche ihre Mission erfüllen kann: jeden Menschen zu Christus führen, sein Wort weitergeben und sein Leben an die Menschen in ihrer Umgebung weitergeben. Es geht nicht darum ein System zu bewahren – aus blosser Sorge um Beständigkeit, aus Angst vor Veränderungen oder aus ideologischer Verbundenheit. Kirchliche Strukturen haben nur insofern einen Sinn, als sie Christus und dem Wachstum seines Leibes, der Kirche, dienen.

«Laien nehmen einen immer grösseren Platz im kirchlichen Leben ein.»

In einem Kontext, der durch den Rückgang der Zahl der Priester in vielen Regionen und durch die tiefen Wunden der Missbrauchsskandale geprägt ist, verändert sich die Sichtweise der Katholiken auf das Priestertum und auf alle Ämter. Es entsteht eine neue Beziehung zum Priester, die nüchterner ist und sich der Komplementarität der Berufungen bewusster wird.

Ob man es will oder nicht, Laien nehmen einen immer grösseren Platz im kirchlichen Leben ein. Ihr Engagement soll nicht nur fortgesetzt, sondern noch vertieft werden. Dies ist zweifellos eines der Zeichen der Zeit, das die Kirche voller Hoffnung erkennen sollte. (Übersetzung und Adaption: Regula Pfeifer)


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