Künstlerin des Fastentuchs: «Man darf nicht nachlassen, das Bewusstsein für eine lebenswerte Welt zu schüren»

Das diesjährige Fastentuch trägt den Titel «Das grosse Fressen». Die Künstlerin Konstanze Trommer glaubt nicht daran, dass ihr Werk zu einem grossen Umdenken führt. Dennoch hofft sie, dass ihr Bild zum Nachdenken anregt.

Jacqueline Straub

Das Hungertuch, das in der Schweiz während der Fastenzeit im Rahmen der Ökumenischen Kampagne von Fastenaktion und HEKS in Kirchen hängt, stammt von der Künstlerin Konstanze Trommer. Es thematisiert die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Konflikte und soziale Spaltung durch ein «Erdenbrot».

Die deutsche Künstlerin hat den Auftrag erhalten, ein Fastentuch für die diesjährige Fastenzeit zu schaffen. Zu sehen sind eine Erde und ein Brot, die vor einem kosmischen Hintergrund ineinander verschmelzen. Nordamerika liegt im hellen Licht, Südamerika verschwindet im Dunkel und im Übergang zum Brot.

Das Fastentuch trägt den Titel «Das grosse Fressen». Auf Anfrage von kath.ch sagt Konstanze Trommer, dass die Titelgebung in Abstimmung mit dem Auftraggeber geschehen ist. «Uns scheint der Titel passend für die gegenwärtige Weltlage.»

Besteck als Bedrohung

Neben der Broterde liegen eine Gabel und ein Messer. Das Besteck ist Einladung und Bedrohung zugleich, so die Künstlerin. Denn wird das Brot angeschnitten, so auch der Planet Erde. Für Konstanze Trommer sind Messer und Gabel eine Bedrohung, «aber das überlasse ich dem Betrachter», sagt sie.

Auch wenn die Künstlerin davon ausgeht, dass das Fastentuch nicht zu einem grossen Umdenken führen wird, da «nach wie vor der Umsatz und Verbrauch im Vordergrund stehen und nicht die Einschränkung» und die «Aufklärungs- und Bildungspolitik da die Bürger ziemlich alleine lässt», hofft sie darauf, dass der stete Tropfen den Stein höhlt. «Man darf nicht nachlassen, das Bewusstsein für eine lebenswerte Welt zu schüren», so Konstanze Trommer.

Schon vor über 20 Jahren hat die Künstlerin in einem dreiteiligen Acrylgemälde ein sehr ähnliches Motiv dargestellt. Ihr Werk «Abendmahl» entstand aus Wut darüber, dass über den Klimawandel gesprochen, aber zu wenig gehandelt wurde.

Das Fastentuch hat die Künstlerin am PC entworfen und nach dieser Vorlage auf Gewebe gemalt. Als Modell diente ihr eine Aufnahme des Planeten von der NASA.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/kuenstlerin-des-fastentuchs-aufklaerungs-und-bildungspolitik-laesst-buerger-ziemlich-alleine/