Jüngst hat Priorin Irene Gassmann zum Rückblick auf zehn Jahre «Kirche mit* den Frauen» ins Kloster Fahr geladen. Es habe sich seither einiges bewegt, sagt die Benediktinerin gegenüber kath.ch.
Regula Pfeifer
«Vor zehn Jahren sind wir nach Rom gepilgert für eine «Kirche mit* den Frauen. An diesem Wochenende schauen wir gemeinsam auf das Projekt zurück und fragen: wie hat sich seither die Kirche bezüglich Partizipation der Frauen bewegt?» So lud das Kloster Fahr vergangenes Wochenende zu einem dreitägigen Anlass ein.
26 Personen fanden sich zum Rückblick auf bald zehn Jahre «Kirche mit* den Frauen» im Kloster Fahr ein. Dabei machte eine Gruppe Pilgernder und weitere kirchlich Engagierte einen Rückblick auf die Entwicklung der Kirche – und einen Ausblick, wie es in einer Mitteilung heisst.
Franz Mali aus dem Kernteam von «Kirche mit* den Frauen» gab demnach einen Einblick in die Neuerungen im Vatikan, in einzelnen Bistümern und Pfarreien oder Seelsorgeeinheiten. Mali ist Priester und Theologieprofessor an der Universität Freiburg (Schweiz) und pilgerte als einziger Mann unter vielen Frauen 2016 mit der Gruppe «Kirche mit* den Frauen» nach Rom.
Im Kernteam aktiv sind auch Hildegard Aepli und Eva-Maria Faber, die die Pilgerreise damals organisierten. Sie berichteten am letzten Wochenende von den Wirkungen, die sie in ihrem Umfeld an Universität und Bistum beobachten können – gemeinsam mit Gastgeberin Priorin Irene Gassmann, die dasselbe übers Kloster berichtete.
«Die Botschaft, dass in der katholischen Kirche Frauen in Entscheidungen und Leitung einbezogen werden sollen, ist in der Schweiz und in Rom angekommen.»
Irene Gassmann, Priorin Kloster Fahr
«Es tat gut zu erfahren, dass die Kirchenwelt sich in den letzten zehn Jahren doch bewegt – auch wenn es nur kleine Schritte sind», schreibt Irene Gassmann in der Mitteilung. «Die Botschaft, dass in der katholischen Kirche Frauen in Entscheidungen und Leitung einbezogen werden sollen, ist in der Schweiz und in Rom angekommen», fügt Gassmann mit einem «Gott sei Dank» an. Denn bei Gott sei nichts unmöglich.
Auf Nachfrage erläutert Gassmann: «Beim Rückblick haben wir erkannt, wie vieles sich in der katholischen Kirche seit 2016 bewegt. So beispielsweise mit dem synodalen Prozess und der Beteiligung der Frauen mit Stimmrecht.»
Sie zitierte aus dem Brief an Papst Franziskus, den «Kirche mit* den Frauen» nach ihrer Ankunft in Rom an Papst Franziskus übergeben liess. Darin sei ihr Wunsch formuliert: «Wir wollen ein Zeichen setzen. Mit diesem Zeichen wollen wir den Wunsch (unseren Wunsch und den Wunsch vieler Menschen) zum Ausdruck bringen, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion einerseits und über die Belange der Kirche im Allgemeinen andererseits nachdenken und entscheiden.»
Priorin Irene Gassmann erwähnt gegenüber kath.ch, dass inzwischen verschiedene Kaderstellen im Vatikan durch Frauen besetzt sind: als Präfektin des Dikasteriums für das geweihte Leben wirkt Schwester Simona Brambilla. Regierungschefin des Vatikans ist die Ordensfrau Raffaella Petrini. «Es gibt weitere Frauen in leitenden Funktionen an der Kurie in Rom», so Irene Gassmann. «Auch in den Bistümern in der Schweiz sind vermehrt Frauen in leitenden Aufgaben.»
Am Rückblick-Anlass gab es auch ein «Gespräch im Geist». Dieses basierte auf dem Brief an Papst Franziskus, den die Gruppe «Kirche mit* den Frauen» im Pilgergepäck nach Rom trug, wie es in der Ankündigung heisst.
In vier Gruppen teilten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen und Meinungen zu den Fragen: Was hat mich angesprochen und nährt meine Hoffnung für eine geschwisterliche Kirche? Was vom Gehörten ermutigt mich für mein Engagement in der Kirche? Wo sehe ich für mich konkrete Schritte für eine lebendige, glaubwürdige Kirche? Was kann mir dabei helfen, die Hoffnung nicht zu verlieren.
Sie kamen laut Gassmann zum Schluss: «Die Kirche bewegt sich, langsam, in kleinen Schritten aber stetig – und in die richtige Richtung. Das gibt Mut, Zuversicht und Hoffnung.» Dies sei aus den erarbeiteten Texten zum Ausdruck gekommen.
Die Veranstaltung fand im Kloster Fahr im Rahmen von «ü-30 fahrwärts» statt. Dabei bieten die Benediktinerinnen zweimal jährlich Impulse einer kompetenten Referentin, eines kompetenten Referenten zu einem gewählten Thema an.
Die Bewegung «Kirche mit* den Frauen» entstand 2014. Ihren bisherigen Höhepunkt bildete 2016 eine Pilgerreise der Gruppe zu Fuss von St. Gallen bis nach Rom. Diese startete am 2. Mai und endete am 2. Juli in Rom.
Neun der Teilnehmenden machten den ganzen Weg zu Fuss, die meisten übrigen schlossen sich etappenweise an. Mehrere hundert Pilgernde kamen in Rom an. Dort engagierten sich auch Schweizer Bischöfe – etwa Bischof Felix Gmür mit einer ermutigenden Messe und der emeritierte Bischof Markus Büchel als Vermittler des Briefes an den Papst. Auch der Frauenbund war vertreten.
Die Gruppe «Kirche mit* den Frauen» wurde zwar nicht von Papst Franziskus persönlich empfangen. Doch ihren Brief konnten sie ihm mit Vermittlung von Markus Büchel und dem Schweizer Kapuziner Mauro Jöhri übergeben lassen. Jöhri lebte damals als Generalminister der Kapuziner in Rom.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/zehn-jahre-kirche-mit-den-frauen-und-die-kirchenwelt-bewegt-sich-doch/