Die umstrittene Gemeinschaft der Schwestern von «Maria Stella Matutina» wird nicht ins Kloster Wonnenstein einziehen. Das hat der St. Galler Bischof Beat Grögli nun entschieden. Die geplante Ansiedlung im ehemaligen Kapuzinerinnenkloster Wonnenstein hatte Besorgnis ausgelöst.
Barbara Ludwig
Nach «eingehender Prüfung neuer Informationen im Zusammenhang mit der Vorgeschichte der Gemeinschaft ‹Maria Stella Matutina›» habe Bischof Beat Grögli entschieden, dass die Schwestern nicht ins Kloster Wonnenstein einziehen werden. Dies teilen das Bistum St. Gallen und der Verein Kloster Maria Rosengarten Wonnenstein am Mittwoch in einem gemeinsamen Communiqué mit.
Der Verein, in dem auch ein Vertreter des Bistums Einsitz hat, habe im November mit der Gemeinschaft «Maria Stella Matutina» eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Gemeinschaft «mittelfristig» im Kloster Wonnenstein anzusiedeln. Ursprünglich war als Termin für den Einzug der Advent 2026 genannt worden. In dem Kloster, das in Teufen in einer Exklave des Kantons Appenzell Innerrhoden liegt, hatte bis Ende Oktober Scolastica Schwizer als letzte Kapuzinerin gelebt.
Als die geplante Ansiedlung der Gemeinschaft publik wurde, seien «viele besorgte Äusserungen und Fragen» von Betroffenenorganisationen und Schweizer Ordensoberen zur Gemeinschaft an das Bistum gelangt, heisst es im Communiqué.
«Bischof Beat nahm diese Reaktionen sehr ernst und evaluierte die Situation von Grund auf neu.» Weitere Nachforschungen bei hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der französischen Kirche hätten «ein Gesamtbild» ergeben, aufgrund dessen sich der Bischof gegen eine Ansiedlung von «Maria Stella Matutina» entschieden habe.
Die Schwesterngemeinschaft «Maria Stella Matutina» habe in einer Stellungnahme geäussert, dass eine Ansiedlung nur auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und in einer wohlwollenden Atmosphäre möglich sei. «Diese Voraussetzung sieht Bischof Beat Grögli nicht mehr gegeben», so das Communiqué.
Der Verein Kloster Maria Rosengarten Wonnenstein anerkennt demnach, dass gemäss seinen Statuten die kirchliche und die spirituelle Verantwortung für eine religiöse Gemeinschaft im Kloster Wonnenstein beim zuständigen Bischof liegt. Der Verein konzentriere sich nun weiterhin auf die Umsetzung seines Masterplans und werde die sich verändernde Situation neu analysieren und erforderliche Anpassungen vornehmen.
Fragt sich, ob Bistum und Verein immer noch das Ziel verfolgen, eine Gemeinschaft im Kloster Wonnenstein anzusiedeln, und nun eine andere Gemeinschaft suchen. Isabella Awad, Kommunikationsbeauftragte des Bistums St. Gallen, antwortet kath.ch: «Ziel ist, dass das Kloster Wonnenstein ein kirchlicher und spiritueller Ort bleibt. Darauf konzentriert sich der Verein und wird die neue Situation analysieren und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.»
Die Organisationen von Missbrauchsbetroffenen der Deutschschweiz, der Westschweiz und des Tessin begrüssen den Entscheid des St. Galler Bischofs. Er sei «ein wichtiges Zeichen für verantwortungsvolle Prävention und den Schutz potenzieller Betroffener», schreiben die IG-M!kU, die Sapec und die Gava in einer gemeinsamen Mitteilung.
Spirituellem und sexuellem Missbrauch könne nur mit konsequentem präventivem Handeln entgegengewirkt werden. Die drei Organisationen danken der Bistumsleitung, dass sie ihre Verantwortung wahrgenommen habe. Sie hätten Mitte Dezember in einem persönlichen Gespräch mit dem Bischof ihre Bedenken und «verifizierte Informationen» zur Gemeinschaft «Maria Stella Matutina» darlegen können.
Für Betroffen sei es wichtig, dass bekannte Vorgeschichten, Machtasymmetrien und strukturelle Risiken bei kirchlichen Entscheiden berücksichtigt würden. «Dazu gehört auch, dass Gemeinschaften mit belasteter Vorgeschichte besonders sorgfältig geprüft werden.» Zu diesen zählt «Maria Stella Matutina», wie kath.ch im Dezember in einem Artikel aufzeigte.
Die Organisationen erwarten demnach, dass auch künftig bei entsprechenden Hinweisen «ernsthaft hingehört, achtsam nachgefragt, gründlich recherchiert und konsequent gehandelt wird».
Die drei Organisationen teilen zudem mit, dass sie derzeit an der Gründung eines gemeinsamen Dachverbands arbeiten, der die Interessen von Betroffenen in der Schweiz künftig koordiniert vertreten soll.
Vreni Peterer von der Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (IG-M!kU) präzisiert auf Anfrage von kath.ch, die geplante Ansiedlung von «Maria Stella Matutina» sei nicht der Auslöser zur Schaffung eines Dachverbandes. «Wir sind schon länger damit beschäftigt. ‹Wonnenstein› hat jedoch bestätigt, wie wichtig die nationale Vernetzung und Zusammenarbeit ist.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/maria-stella-matutina-wird-nicht-ins-kloster-wonnenstein-einziehen/