Singen und tanzen – Frauen aus Nigeria gestalten Liturgie für den Weltgebetstag

Die Liturgie für den Weltgebetstag am 6. März haben Frauen aus Nigeria vorbereitet. Der Tag wird weltweit in rund 150 Ländern begangen, auch in der Schweiz. Thematisiert wird der von Belastungen geprägte Alltag der Frauen in Nigeria, aber auch die Gewalt gegen Christinnen und Christen. Gleichzeitig sollen fröhlicher Gesang, Tanz und Bewegung die Feiern an diesem Tag bereichern.

Barbara Ludwig

Der Weltgebetstag (WGT) ist eine globale ökumenische Bewegung mit langer Tradition. Er wird jeweils am ersten Freitag im März begangen. Dieses Jahr fällt der Tag auf den 6. März. Es feiern Christinnen und Christen in rund 150 Ländern weltweit. In der Schweiz machen in der Regel rund 600 Gruppen beim WGT mit.

Die Liturgie für den ökumenischen Gottesdienst wird jedes Jahr von Frauen aus einem anderen Land vorbereitet. Dieses Jahr stammt sie von Frauen aus Nigeria, wie der Verein Weltgebetstag Schweiz in einem Pressebrief mitteilt.

«Endlose Arbeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang»

Die Liturgie der nigerianischen Frauen orientiert sich laut Mitteilung an einer Bibelstelle im Matthäus-Evangelium (Matthäus 11,28): «Ich will euch stärken, kommt!» Dies sei eine Kurzfassung des bekannten Bibelwortes Jesu «Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken», heisst es auf der Webseite des WGT.

Auf diese Bibelstelle nehme auch die nigerianische Künstlerin Gift Amarachi Ottah Bezug mit ihrem Titelbild. Auf dem Bild sind vier Frauen zu sehen, die Lasten auf dem Kopf tragen. Die Künstlerin schreibt dazu: «Mein Kunstwerk zeigt die tägliche Realität nigerianischer Landfrauen, deren Leben von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang von endloser Arbeit geprägt ist.»

«Um ihre grundlegenden Überlebensbedürfnisse zu befriedigen, müssen diese Frauen physische, emotionale und spirituelle Lasten und Traumata tragen.»

Im Vordergrund des Bildes sitzen zudem drei Frauen zusammen, die unterschiedliche traditionelle Kleidung tragen und so die verschiedenen Kulturen in dem afrikanischen Land repräsentieren. Obwohl sie verschiedenen ethnischen Gruppen angehörten, seien sie durch ihre gemeinsamen Erfahrungen miteinander verbunden, so die Künstlerin: «Um ihre grundlegenden Überlebensbedürfnisse zu befriedigen, müssen diese Frauen physische, emotionale und spirituelle Lasten und Traumata tragen.»

Gewalt gegen Christen ein Thema

Die Liturgie mit drei Lebensgeschichten vermittle wie jedes Jahr «subjektive Erfahrungen», erzählt aus der Perspektive der Autorinnen, heisst es im Pressebrief des WGT. Diese seien Geschenk und eine Bereicherung, die man mit dem nötigen Respekt behandeln wolle. «Denn Weltgebetstage sensibilisieren und schärfen unsere Aufmerksamkeit für die Kultur, die Geschichte und die Politik des jeweiligen Liturgie-Landes und lassen uns so die Weltgemeinschaft stärken.»

Auch das Liturgieland Nigeria werde durch Tagesaktualitäten in den Fokus gerückt, so der WGT. «Beten und glauben wir, dass unser Gebet zur Deeskalation beitragen kann.»

Vroni Peterhans, Präsidentin Weltgebetstag Schweiz, bestätigt auf Anfrage, dass auch die Gewalt gegen Christinnen und Christen am kommenden Weltgebetstag thematisiert wird. Dies geschehe vor allem durch die Lebensgeschichte von Jato «in der Liturgie unserer WGT-Schwestern».

«Die Gewalt gegen Christinnen und Christen hat verschiedenste Hintergründe.»

«Es macht uns sehr betroffen, von Massakern und Überfällen in Nigeria zu lesen», schreibt Peterhans zuhanden von kath.ch. Die Gewalt richte sich leider gegen verschiedenste Religionsgruppen, nicht ausschliesslich gegen Christinnen und Christen.

Meist gehe es um Ländereien-Streitigkeiten und Territorien, auch ausgelöst durch die Ausdehnung der Wüste durch den Klimawandel. «In diesem Sinne wollen wir die Komplexität der Probleme aufzeigen, denn die Gewalt gegen Christinnen und Christen hat verschiedenste Hintergründe.»

Singen und tanzen

Der kommende Weltgebetstags wird geprägt sein von besonderen liturgischen Elementen. «Die Frauen aus Nigeria animieren zu fröhlichem Gesang in Bewegung mit eigens für diese Liturgie geschriebenen Liedern, zum Beispiel dem Keleya», so die Vereinspräsidentin. Auch solle, sofern möglich, die Kollekte singend oder tanzend nach vorne gebracht werden.

«Unsere nigerianischen WGT-Schwestern beschenken uns mit einer Liturgie, die mutig von stereotypen Abläufen abweicht und damit zur Lebendigkeit des Feierns beiträgt.» Vroni Peterhans erhofft sich, dass «wir vielleicht auch wieder lernen, nicht auf die Uhr zu schauen, sondern den tiefen Moment des weltweiten Verbundenseins im gemeinsamen Feiern derselben Liturgie zu leben».

Vom Beten zum solidarischen Handeln

Mit der Kollekte, die in den Feiern vom 6. März aufgenommen wird, unterstützt der Weltgebetstag der Schweiz mehrjährige Selbsthilfeprojekte zur Stärkung von Frauen und ihren Angehörigen in Afrika, Südamerika und Asien, im Nahen Osten, in Osteuropa und der Schweiz. Die Kollekte sei «ein wesentlicher Moment», erklärt Peterhans. «Er führt uns vom gemeinsamen Beten zum solidarischen Handeln und knüpft aus dem geteilten Glauben heraus ein weltweites Solidaritätsnetz.»

In Nigeria unterstütze man für ein oder zwei Jahre fünf Projekte mit insgesamt 50’000 Franken. Eines davon fördert etwa die Existenzsicherung von Frauen und Mädchen in ländlichen Gebieten. Es hilft Frauen, ihre Kenntnisse in Landwirtschaft zu verbessern, ersetzt zerstörte landwirtschaftliche Geräte und stellt Saatgut zur Verfügung. Ein anderes fördert den Schulbesuch von Kindern in einem Slum, indem es den Kindern einmal täglich eine gesunde Mahlzeit anbietet.

Zwei Jubiläen

2026 fällt ein Jubiläum an: In der Schweiz wird der WGT nämlich seit 1936 gefeiert, also seit 90 Jahren. Und im kommenden Jahr wird global der 100. Geburtstag der Bewegung gefeiert, denn der WGT wird weltweit seit 1927 begangen.

Mehr Informationen und Materialien finden sich auf der Webseite des WGT Schweiz.


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https://www.kath.ch/newsd/singen-und-tanzen-frauen-aus-nigeria-gestalten-liturgie-fuer-den-weltgebetstag/