Ein besonderes Jubiläum wird heute im Kloster Ilanz gefeiert: Schwester Geresina kann ihren 100. Geburtstag begehen. Seit 78 Jahren gehört sie der Klostergemeinschaft an und ist nun die älteste Dominikanerin. Im Gespräch mit kath.ch verrät sie auch, wie man so ein biblisches Alter erreichen kann.
Wolfgang Holz
«Ich hatte schon früh den Wunsch, Ordensfrau werden», bekennt Schwester Geresina Candinas aus Surrein im Kanton Graubünden gegenüber kath.ch. Sie sei als Kind wegen einer Blinddarmoperation im Spital gelegen und habe die Ordensschwestern bei ihrem Dienst am Patienten erlebt. Sie wollte schon mit 18 Jahren ins Kloster eintreten, musste allerdings warten, bis sie 22 Jahre alt war – bis man ihr erlaubte, sich ihren Lebenswunsch zu erfüllen.
Schwester Geresina ist gerade am anderen Ende des Telefons, um mit kath.ch über ihren speziellen Geburtstag zu sprechen. Mit 100 Jahren ist sie die älteste Schwester der Dominikanerinnen im Kloster Ilanz.
Obwohl sie mit ihren 100 Jahren nun ein wahrlich biblisches Alter erreicht hat, klingt sie noch rüstig am Telefon und ist bei klarem Verstand. «Nur das Sehen bereitet mir Schwierigkeiten», sagt sie. Allerdings sei ihr das Hören wichtiger. «Denn auf diese Weise kann ich noch am Leben der Gemeinschaft teilnehmen.»
Das Leben in der Klostergemeinschaft und das tägliche Gebet sind für sie in den vergangenen 78 Jahren, die sie nun im Kloster lebt, das Wichtigste gewesen. «Ich habe es nie bereut, ins Kloster gegangen zu sein und habe mich hier immer wohlgefühlt», versichert sie gegenüber kath.ch.
Gleichwohl habe es im Kloster auch schwierige Momente gegeben. «Schliesslich leben ja ganz verschiedene Charaktere in der Gemeinschaft zusammen.» Sie sei aber immer gut ausgekommen mit den Mitschwestern: «Man muss die Menschen einfach so annehmen, wie sie sind», ist sie überzeugt.
Schwester Geresina stammt aus einer Familie mit insgesamt sieben Kindern. Sie ist die Drittälteste. Ihr Vater war Lehrer, ihre Mutter arbeitete zuhause und im landwirtschaftlichen Betrieb. «Wir wurden alle gut katholisch erzogen und gingen jeden Sonntag in die Kirche, das war damals selbstverständlich», erzählt sie.
Sie besuchte die Primarschule in Surrein bei Disentis, danach ging sie zwei Jahre auf die Oberstufe in Sumvitg und anschliessend in die Bäuerinnenschule in Ilanz, die von den Dominikanerinnen geführt wurde.
Der örtliche Pfarrer hat nach der Schule ihren Vater gebeten, ob sie eine Weberei führen könnte. Sie musste deshalb nach Brugg ins Heimatwerk, um diese Kunstfertigkeit zu erlernen und erteilte dann Webkurse. Doch mit 22 Jahren wollte sie endgültig ins Kloster eintreten, und hat ihren Entschluss auch durchgezogen.
«Kinder sind ein Geschenk Gottes.»
«Einige Leute fragten mich zwar, warum ich denn ins Kloster gehen will. Schliesslich sei ich doch so kinderlieb», sagt sie. Doch auf den Umgang mit Kindern musste sie im Kloster gar nicht verzichten. Denn sie hatte Kontakt mit Hunderten von Kindern, die sie jahrelang als Kindergärtnerin betreute. «Kinder sind ein Geschenk Gottes», sagt sie. Zwar habe es auch «wilde» Kinder im Kindergarten gegeben, doch sie sei immer gut zurechtgekommen.
Auch der Abt des Kloster Disentis, Abt Vigeli Monn, ging bei ihr in den Kindergarten. In all den vergangenen Jahren habe sie immer wieder Besuch von früheren Kindergärtlern erhalten – die nun selbst teils schon 70-jährig sind. Sie habe nie ein Problem damit gehabt, keine eigenen Kinder zu haben, sagt sie. Kein Wunder. Ihre zahlreichen Nichten und Neffen kommen sie ebenfalls im Kloster Ilanz regelmässig besuchen. Auch jetzt zu ihrem 100. Geburtstag.
«Ich versuche eben, immer zufrieden zu sein mit dem, was ich habe, und alles so zu nehmen, wie es ist.»
«Dass ich 100 Jahre alt werden würde, hätte ich nie gedacht», sagt Schwester Geresina bescheiden. Über ein Geheimrezept, wie man so ein hohes Alter erreichen kann, verfügt sie nicht.
«Ich versuche eben, immer zufrieden zu sein mit dem, was ich habe, und alles so zu nehmen, wie es ist», bekennt sie. Ausserdem würde ihr das Gebet helfen. Und was wünscht sie sich zu ihrem Geburtstag? «Dass ich einmal eine gute Sterbestunde habe», verrät sie. Sie wolle einfach so lange leben, «wie es der liebe Gott will».
*Die Redaktion von kath.ch gratuliert der Jubilarin, Schwester Geresina Candinas, von ganzem Herzen und wünscht ihr weiterhin eine gute Gesundheit.
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