In manchen Regionen der Schweiz muss sich die Kirche nach der Decke strecken, etwa im Kanton Neuenburg. Andernorts sind die Kassen – zumindest heute – noch voll. Zum Beispiel im Kanton Zug. Da fragt es sich, wie es um die Solidarität mit den weniger begüterten Glaubensgenossen hierzulande steht.
Barbara Ludwig
Die katholische Kirche im Kanton Neuenburg ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Das gilt auf Ebene der Kantonalkirche «Fédération catholique romaine neuchâteloise» (FCRN), aber auch für Pfarreien. Die Ursache des Geldmangels ist bekannt: Im Kanton Neuenburg gibt es keine obligatorische Kirchensteuer, weder für Kirchenmitglieder noch für Unternehmen.
Christophe Godel, Priester in La Chaux-de-Fonds, schätzt die regelmässige Unterstützung durch eine Pfarrei am Zürichsee, wie er jüngst gegenüber kath.ch sagte. Und er würde sich mehr solche Solidarität aus besser gestellten Regionen wünschen. Kath.ch hat deshalb bei einigen katholischen Kirchgemeinden im Kanton Zug nachgefragt, ob sie armen Pfarreien in der Westschweiz oder anderen Landesteilen unter die Arme greifen.
Die Kirchgemeinde Baar zählt zu den reichen Zuger Pfarreien. Sie stehe «finanziell gesund» da, teilt Kirchenschreiber Stefan Doppmann mit und nennt den Grund hierfür: «Wir kommen in den Genuss der Kirchensteuer von natürlichen und juristischen Personen.»
Konkret zeigte sich das in den Zahlen des letzten Jahres: So schloss die Jahresrechnung 2023 der Kirchgemeinde mit einem Ertragsüberschuss – sprich einem Gewinn – von 3,782 Millionen Franken ab. Dazu hätten im Wesentlichen Mehreinnahmen bei den Steuern von 3,209 Millionen Franken beigetragen, heisst es in einer Medienmitteilung. Fürs laufende Jahr 2024 ist nach Angaben der Kirchgemeinde bei einem Ertrag von 9,601 Millionen Franken und einem Aufwand von 8,498 Millionen Franken ein Gewinn von 1,103 Millionen Franken budgetiert.
Die Kirchgemeinde Baar unterstütze jedes Jahr soziale und gemeinnützige Projekte im In- und Ausland in der Höhe von 50’000 Franken, so Stefan Doppmann. Bei einem positiven Jahresabschluss kämen noch einmal je 100’000 bis 150’000 Franken hinzu. Die Spenden flössen meistens an Gemeinden, die ein Gesuch gestellt haben. 2022 erhielt zum Beispiel die Neuenburger Pfarrei von Le Cerneux-Péquignot 6000 Franken für die Renovation ihrer Pfarrkirche. Wie viel Geld aus diesem Topf insgesamt am arme Pfarreien in der Westschweiz oder anderen Landesregionen geht, teilte Doppmann nicht mit.
Baar unterstützt jedoch finanzschwache Pfarreien und Kirchgemeinden in der Schweiz auch via Inländische Mission, diese gemeinnützige Organisation hilft Pfarreien unter anderem bei der Erhaltung kirchlicher Bauten. Seit 2019 waren es insgesamt 86’000 Franken und zusätzlich 5000 Franken im Jahr 2020 für Seelsorgeprojekte in der Westschweiz, schreibt Doppmann. Das Geld wird von der Inländischen Mission verteilt. «Zumindest ein Teil dieser mehr als 90’000 Franken wird auch Pfarreien im Kanton Neuenburg zu Gute gekommen sein», schreibt Doppmann.
Seit 1999 unterstützt die Kirchgemeinde Baar zudem regelmässig ein pastorales oder soziales Projekt einer Kantonalkirche, die über keine Einnahmen aus Kirchensteuern verfügt. Diese Förderung geht jeweils über fünf Jahre und umfasst 30’000 Franken pro Jahr, insgesamt also 150’000.
Die Neuenburger Kirche kam von 2010 bis 2014 in den Genuss dieser Beiträge, als ein Projekt zur Förderung des Aufbaus der Erwachsenenbildung mit total 150’000 Franken unterstützt wurde, so der Baarer Kirchenschreiber. Gegenwärtig laufe gerade wieder eine Anfrage der «Fédération catholique romaine neuchâteloise» zur Förderung eines Projekts für die Jahre 2025 bis 2029.
Auch Zug mit seinen rund 11’200 Mitgliedern kann sich punkto Finanzen nicht beklagen. «Die Steuereinnahmen unserer Kirchgemeinde sind im schweizerischen Vergleich hoch», teilt Kirchenratspräsident Patrice Riedo mit. Konkrete Zahlen finden sich in den Erläuterungen zur Jahresrechnung 2023: Die Fiskalerträge hätten mit 20,9 Millionen Franken einen «neuen Rekordstand» erreicht, heisst es dort. Diese schloss denn auch mit einem Ertragsüberschuss – spricht Gewinn – von 5,951 Millionen Franken ab.
Die Kirchgemeinde Zug unterstütze Kirchgemeinden in anderen Landesteilen punktuell. «In den letzten Jahren waren dies hauptsächlich Kirchgemeinden in der Westschweiz», so Riedo. Zum einen unterstütze man die Kirchgemeinden bei ihren laufenden Kosten, dies «mit eher kleinen Beiträgen». Zum andern erhalte man Finanzierungsanfragen für Projekte wie Kirchensanierungen, die die entsprechenden Gemeinden nicht vollumfänglich selber finanzieren könnten.
Aus einer Auflistung geht hervor, dass zwischen 2020 und 2023 die Genfer Kantonalkirche drei Mal mit Spenden in der Höhe von 1000 Franken unterstützt wurde. Dabei handelt es sich laut Riedo um eine regelmässige Unterstützung, die seit mehr als zehn Jahren gewährt werde. Die «Eglise catholique romaine Genève», die auch ohne Kirchensteuer auskommen muss, verwaltet 51 Pfarreien. Weitere 1000 Franken gingen an die Pfarrei von Sainte-Croix im Kanton Waadt.
Die Pfarrei von Fleurier im Kanton Neuenburg bekam 5000 Franken zur Sanierung der Kirchenfassaden und die Pfarrei Saint-André in Lausanne 11’000 Franken. Damit sind diverse Aktivitäten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie unterstützt worden.
Man setze die eigenen Mittel aus den Kirchensteuereinnahmen «hauptsächlich vor Ort» ein, versuche aber aus den Überschüssen auch Kirchgemeinden in der übrigen Schweiz «bei Bedarf zu unterstützen», erklärt Patrice Riedo.
Die Kirchgemeinde Oberägeri liegt ebenfalls im Kanton Zug. Kirchenratspräsident ist Gustav Iten. Seine Kirchgemeinde würde er nicht als reich bezeichnen. «Aber dank des interkantonalen Finanzausgleichs im Kanton Zug (gespiesen durch die juristischen Personen im Kanton) können wir unsere Aufgaben doch gut wahrnehmen.» In Oberägeri muss man mit etwas weniger Geld auskommen als in Baar oder Zug. 2023 schloss die Rechnung mit einem Verlust, 2022 mit einem Gewinn in der Höhe von rund 184’800 Franken.
Die Kirchgemeinde Oberägeri unterstützt ebenfalls arme Pfarreien in der Schweiz, aber nicht explizit im Kanton Neuenburg. «Es handelt sich dabei nicht um eine bestimmte Pfarrei und auch nicht immer um die gleichen. Die Vergaben werden aufgrund von eingehenden Spendengesuchen und nach Notwendigkeit gesprochen», erklärt der Kirchenratspräsident. Jährlich reserviere man im Budget 10’000 Franken dafür. Dieser Betrag werde in der Regel auf drei bis fünf Pfarreien in verschiedenen Regionen der Schweiz aufgeteilt. In den meisten Fällen werde die Unterstützung für den dringenden baulichen Unterhalt von Kirchen oder Kapellen gesprochen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant