Aus Sicht der katholischen Ordensgemeinschaften der Schweiz zeichnen die Fallbeispiele der Missbrauchsstudie auf beklemmende Weise nach, wie es zu Machtmissbrauch, zu spiritueller Manipulation und sexuellen Übergriffen gekommen ist. Sie rufen alle Ordensleute dazu auf, die Präventionsmassnahmen gegen Missbrauch mitzutragen.
«Als Vertreter der Orden und religiösen Gemeinschaften müssen wir uns dieser Verantwortung stellen. Es gibt keine Entschuldigung, weder für die Verbrechen der Täter – und vereinzelt Täterinnen –, noch für das Handeln der Vertuscher. Wir müssen mit dieser Schuld leben und wollen uns dafür einsetzen, dass solches nicht mehr passiert,» teilt die die Konferenz der Vereinigungen der katholischen Orden und weitere Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens in der Schweiz (KOVOS) am Dienstag mit.
Es sei offensichtlich, so Abt Peter von Sury in der Stellungnahme, dass die Ordensinstitute und religiösen Gemeinschaften ein Teil des Problems seien. «Und zwar in mehrfachem Sinn: Ordensmitglieder, insbesondere Ordenspriester, waren in grosser Zahl in der Seelsorge tätig. Ihnen wurde ein hohes Mass an Vertrauen entgegengebracht. Die Täter unter ihnen haben dieses Vertrauen von Minderjährigen und Erwachsenen und ihre besondere religiöse Stellung schamlos ausgenutzt, um Sexualdelikte aller Art zu begehen.»
Die Täterinnen und Täter seien nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern verteidigt und in Schutz genommen worden, sagt von Sury. Zudem müsse «von einer sehr hohen Dunkelziffer» ausgegangen werden. In diesem Zusammenhang komme die Studie auf einen heiklen Sachverhalt zu sprechen.
«Es geht um das asymmetrische Verhältnis, das seit Jahrhunderten die Beziehungen zwischen Frauen- und Männerorden kennzeichnet, aufgrund der einseitig zugeteilten amtlichen, hierarchischen und geistlichen Vollmachten, welche die Priesterweihe voraussetzen, das heisst, den Männern vorbehalten sind.»
Die Katholischen Ordensgemeinschaften der Schweiz appellieren mit Nachdruck an ihre Mitgliedsvereinigungen, an die Ordensinstitute, Klöster, neuen Gemeinschaften und geistlichen Bewegungen, loyal und kooperativ mitzuarbeiten bei der Fortführung der Forschungsarbeiten. Abt Peter von Sury: «Wir fordern alle Ordensleute in der Schweiz auf, die heute angekündigten Massnahmen sowie die bereits bestehenden Präventionsmassnahmen mitzutragen und in ihrem Verantwortungsbereich umzusetzen. Nur so kann Kirche zu einem Ort werden, wo jeder Mensch in seiner einzigartigen Würde angenommen und geachtet wird und geschützt ist.» (woz)
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