Sie helfen Menschen, die vor Krieg und Krisen in ihrer Heimat flüchten. Nun sind die kroatischen Organisationen «Are You Syrious?» und das «Center for Peace Studies» mit dem Schweizer Menschenrechtspreis «Offene Alpen» gewürdigt worden. Viele ihrer Mitglieder haben Krieg am eigenen Leib erlebt.
Barbara Ludwig
«Die beiden Organisationen kommen aus der kroatischen Zivilgesellschaft – von der Basis her», teilt Michael Rössler (66) kath.ch mit. Der Schweizer ist als internationaler Koordinator für «Are You Syrious?» und das «Center for Peace Studies» mit Sitz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb tätig.
«Sie wurden von Menschen ins Leben gerufen, die sich nicht damit abfinden wollten, dass andere Menschen, die fliehen müssen, gedemütigt und weggestossen werden», erklärt Rössler. Viele ihrer Mitglieder hätten selbst Krieg erlebt oder würden ihn aus der eigenen Familie kennen. «Heute helfen sie den Opfern aus anderen Kriegs- und Krisenländern.» Dies sei der Grund, warum sie mit dem diesjährigen Schweizer Menschenrechtspreis «Offene Alpen» ausgezeichnet werden.
Verliehen wird der Preis vom schweizerischen Verein «Freundeskreis Cornelius Koch» und dem «Forum Civique Européen», einer internationalen Organisation. Diese ist in verschiedenen europäischen Ländern präsent, unter anderem auch in der Schweiz. Der Preis wurde am Donnerstagabend in Bern verliehen – im Vorfeld des nationalen Flüchtlingstages vom Samstag.
Die Mitglieder von «Are You Syrious?» und das «Center for Peace Studies» engagieren sich auch für Menschen, die versuchen, von Bosnien aus, die kroatische EU- und Schengen-Aussengrenze zu überqueren. Die Flüchtlinge würden sehr oft von der Grenzpolizei misshandelt und zurückgeschickt, schreibt Rössler. «Diese Abschiebungen sind illegal, weil jeder Schutzsuchende das Recht hat, Asyl zu beantragen und angehört zu werden. Inzwischen werden Geflüchtete auch im Landesinnern von Kroatien gejagt und nach Bosnien zurückgeschafft», kritisiert Rössler.
Es sei das Verdienst der diesjährigen Preisträgerinnen, dass diese «illegalen Vorgehensweisen» inzwischen dokumentiert und in der breiten Öffentlichkeit bekannt seien. «Sie sorgen zudem dafür, dass die Opfer nicht allein bleiben und menschlich, juristisch und psychologisch betreut werden.»
Sie seien immer wieder Drohungen des Staates ausgesetzt. «Umso mehr möchten wir ihnen mit der Verleihung unseres Preises den Rücken stärken. Ihr mutiger Einsatz für die Menschenrechte betrifft uns alle», betont Rössler.
Der mit 12’000 Franken dotierte Menschenrechtspreis «Offene Alpen» wird an Personen und Gruppen verliehen, die sich aktiv für die Rechte von Geflüchteten, anderer benachteiligter Menschen und von bedrohten Minderheiten in Europa einsetzen.
Ins Leben gerufen wurde der Preis auf Initiative des Flüchtlingskaplans Cornelius Koch (1940-2001). Geboren als Sohn eines Auslandschweizers und einer Rumänin kam Koch 1948 mit seiner Familie in die Schweiz. 1968 wurde er in Ennetbaden AG zum Priester geweiht, wie Michael Rössler berichtet. Koch sei zeitlebens von der Erfahrung des Verlustes seiner Heimat geprägt gewesen.
Der Geistliche habe 1973 landesweit Bekanntheit erlangt, weil er nach dem Militärputsch in Chile gemeinsam mit der Genossenschaftsbewegung «Longo maï» die «Freiplatzaktion für Chile-Flüchtlinge» gegründet habe. Gegen den Willen des Bundesrates habe die Aktion über 2000 Verfolgte gerettet und in die Schweiz gebracht.
1995 setzte sich Cornelius Koch mit einer Kampagne für die Nobelpreis-Kandidatur des mexikanischen Bischofs und Friedensaktivisten Samuel Ruiz Garcia (1924-2011) ein. «Er war mit Ruiz seit langem freundschaftlich verbunden und wollte den Friedensvermittler zwischen den zapatistischen Rebellen und der mexikanischen Regierung stärken.»
Doch der mexikanische Bischof ging leer aus. Cornelius Koch sei darüber sehr enttäuscht gewesen, berichtet Rössler, der von 1980 bis 2001 mit dem Flüchtlingskaplan zusammenarbeitete. Koch habe deshalb beschlossen, einen eigenen Preis ins Leben zu rufen.
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