Rücktritt am Rosenmontag, Sterbedatum Silvester – dem früheren Papst Benedikt XVI. wurde immer wieder ein subtiler Humor bestätigt. Durch seinen Tod ging das «alte» Jahr mit einem weiteren historischen Ereignis zu Ende.
Paula Konersmann
Es waren eher ruhige Tage zwischen den Jahren – «nachrichtenarm», wie Journalistinnen und Journalisten sagen. Ab Mittwochvormittag schien dies die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm zu sein.
Zu diesem Zeitpunkt rief Papst Franziskus zum Gebet für seinen hochbetagten Vorgänger auf, Benedikt XVI. Schon seit Jahren war bekannt, dass der 95-jährige Deutsche geistig noch völlig klar, körperlich aber stark geschwächt sei. Sollte es nun ganz schnell gehen?
Nachdem es zunächst doch leichte Entwarnung aus dem Vatikan gab – sein Zustand sei «ernst, aber stabil» -, ging es dann an Silvester plötzlich ganz schnell. Fast könnte man vermuten, dass Benedikt den ersten weltweiten Rummel um den Tod von Fussballsuperstar Pelé «abwarten» wollte, der am 29. Dezember gestorben war.
Nun dürfte neben sportlichen Höchstleistungen im Himmel auch für extravagante Outfits gesorgt sein – denn auch Modedesignerin und Punk-Ikone Vivienne Westwood starb am 29. Dezember – und ebenso für theologischen Tiefgang.
Fernab von solch augenzwinkernden Überlegungen, wie sie manche Beobachterinnen und Beobachter angesichts der geballten Todesfälle dieser so unterschiedlichen Prominenten am Jahresende anstellten: Tatsächlich verlaufen Sterbeprozesse selbst für Fachleute bisweilen überraschend.
«Ganz genau wissen wir das nicht», sagte die Sterbeforscherin Monika Renz im Interview mit kath.ch auf die Frage, wie ein Sterbeprozess ablaufe. So gebe es Menschen, die mehrmals nahe an den Tod herankommen – und dann wieder etwas weiter weggehen. Das sei «wie bei einer Spirale», so Renz.
In den vergangenen Tagen konnten sich Wegbegleiter vom früheren Papst verabschieden, im Hintergrund der Ernstfall geprobt werden. Wichtig dürfte die Vorbereitung auf einen «guten Tod» indes auch Benedikt XVI. selbst gewesen sein.
Die Vorstellung davon, was einen solchen «guten Tod» ausmache, habe sich im Lauf der Zeit stark verändert: Das sagte die Volkskundlerin Christiane Cantauw dem Portal katholisch.de.
So sei der Wunsch nach einem möglichst plötzlichen und schnellen Tod ein neuerer Trend, erklärte die Wissenschaftlerin. «Genau das war aber zum Beispiel für den mittelalterlichen Menschen eine Horrorvorstellung. Ohne Sterbesakramente zu sterben, bedeutete nämlich einen längeren Aufenthalt im Fegefeuer.»
Und so sei es auch nicht pietätlos, einem anderen Menschen einen «guten Tod» zu wünschen. «Christinnen und Christen betrachten den Tod als Beginn eines Lebens im Jenseits. Der Tod ist für sie der Übergang in dieses andere Leben», so Cantauw.
Das Thema bewegte am Wochenende viele Menschen – nicht nur jene, die der Kirche nahestehen. Den «Brennpunkt», den die ARD am Silvesterabend zum Tod des früheren Papstes zeigte, sahen laut Branchendienst 2,34 Millionen Menschen, das «ZDF spezial» wenig später 1,38 Millionen.
Auch die ZDF-Doku «Papst Benedikt XVI. – Ein Leben» schalteten 1,19 Millionen Menschen ein. Alle drei Sendungen gehören damit zu den 25 meistgesehenen am letzten Tag des abgelaufenen Jahres.
In den Sozialen Netzwerken mischen sich unterdessen – wie so oft – Kommentare aller Art: Trauerbekundungen, nachdenkliche Töne, scharfe Kritik, bisweilen Häme, aber auch der Hinweis, dass man auch schweigen könne, wenn jemand gestorben sei, den man nicht mochte.
Debatten um die ambivalente Rolle des früheren Papstes, etwa in der Missbrauchsaufklärung, aber auch um sein theologisches wie kirchenhistorisches Erbe, werden womöglich neu an Fahrt aufnehmen.
Am Todestag hielt dies auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf für verfrüht, wie er sagte: Ein Lebenswerk zu bewerten, sei «im Letzten» die Sache Gottes selbst. (kna)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/papst-punk-pele-promitreff-im-himmel/