Vatikan-Schau «100 Jahre Papamobil»: Vom ersten Benz bis zum E-Auto

Blinkender Chrom im gläsernen Pavillon: Ab sofort rückt eine Ausstellung im Vatikan die päpstliche Mobilität seit 1930 ins Scheinwerferlicht. Eine spannende Reise nicht nur für Auto- und Technikfans wie Papst Leo XIV.

(KNA) Die Vatikanischen Museen richten ab sofort ihre Scheinwerfer auf die Fahrzeuge der Päpste. Die Ausstellung «Ein Jahrhundert Papamobil» zeigt noch bis Ende Januar acht historische Mercedes-Benz-Modelle, vom Nürburg 460 von 1930 für Pius XI. bis zum ML 500 aus dem Jahr 2012 für Benedikt XVI. Ergänzt wird die Flotte an schwarzen und weissen Karossen durch den Benz-Patent-Motorwagen von 1886, der als erstes Automobil der Geschichte gilt, und eine moderne S-Klasse.

Die Schau in einem gläsernen Pavillon der päpstlichen Museen würdige auch die aussergewöhnliche Beziehung zwischen dem deutschen Autobauer mit dem Stern und dem Heiligen Stuhl, hiess es bei der Eröffnung am Donnerstag.

Dank von Papst Leo XIV.

Bereits am Mittwoch hatte Papst Leo XIV. dem Unternehmen Mercedes-Benz für die fast 100-jährige Belieferung mit Fahrzeugen gedankt. Die Arbeit der Designer und Techniker habe dazu beigetragen, die Botschaft der Kirche von Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe in die Welt zu tragen, sagte er vor Führungskräften des Autokonzerns.

Am 23. Mai 1930 erhielt Pius XI. das erste Automobil von Mercedes-Benz, wie das Portal Vatican News schreibt: Die massangefertigte Limousine Nürburg 460 verfügt über einen mit kostbarem Seidenbrokat bezogenen Einzelsessel und eine handwerklich herausragende Ausstattung mit edlen Hölzern.

Wendepunkt in den 1960er Jahren

Der eigentliche Wendepunkt in der Beziehung zu den Gläubigen vollzog sich 1960, als Johannes XXIII. einen 300 d Landaulet mit herausnehmbaren hinteren Seitenfenstern erhielt: Dies ermöglichte es ihm, mit den Menschen in Kontakt zu treten.

Nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), das eine deutliche Öffnung der Kirche in die Welt propagierte, wurde ein Fahrzeug benötigt, das eine noch direktere und herzlichere Begegnung mit der Öffentlichkeit ermöglichte. Im Modell 600 Pullman Landaulet mit erhöhtem Dach und faltbarem Verdeck konnte sich Papst Paul VI. im offenen Fahrzeug zeigen. 1967 kam der sechssitzige Mercedes-Benz 300 SEL Pullman hinzu.

«Offenes» Papamobil

In den 1980er Jahren entstand schliesslich das eigentliche Papamobil: das Modell 230 G, für den Deutschlandbesuch Johannes Pauls II. im Jahr 1980 entwickelt. In der hohen, transparenten Kuppel ist der Papst weithin sichtbar. Der S 500 Landaulet von 1997 verfügt über ein hydraulisches Verdeck und einen grosszügigen Fond.

Mit Beginn der 2000er Jahre passte sich der Stil dem Zeitgeist in Richtung SUV an: 2002 debütierte der ML 430 mit Johannes Paul II. beim Weltjugendtag in Toronto. Die transparente Kuppel war fliessender und harmonischer designt. Diese Entwicklung fand 2012 mit dem für Benedikt XVI. gefertigten ML 500 ihre Vollendung: Er zeichnet sich durch grössere und hellere Glasflächen aus, die zumindest optisch die Trennung zum Aussenraum aufhoben.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/vatikan-schau-100-jahre-papamobil-vom-ersten-benz-bis-zum-e-auto/