Wird KI zum neuen Gott? Der Theologe und Medienwissenschaftler Florian Höhne warnt, die Technik als allwissenden Begleiter zu sehen. Sie dürfe nicht zum Ersatz für eigenes Denken werden. Dahinter stünden Menschen mit eigenen Interessen. Was Höhne als wichtig ansieht.
(KNA) Nach Einschätzung des Erlanger Medienwissenschaftlers und Theologen Florian Höhne muss stärker darüber diskutiert werden, wann Künstliche Intelligenz (KI) dem Menschen nützlich sein kann und wann gefährlich. Ziel sei, dass bei der Weiterentwicklung von KI darauf geachtet werde, dass sie die Mündigkeit des Menschen fördere, sagte der Wissenschaftler im Interview der «Nürnberger Nachrichten».
Als Beispiel nannte der Professor Chatbots, die Fragen einfach und schnell beantworten. «Das ermächtigt Menschen, besser an Gesprächen teilzunehmen und mündig zu sein.» Doch KI könne zugleich benutzt werden, um falsche Bilder zu generieren oder Arbeitsplätze einzusparen. Zudem könnten Fähigkeiten verloren gehen, wenn Menschen immer nur KI nutzten, statt längere Texte selbst zu lesen.
«Ich fürchte, da erleben wir bei KI die gleiche Entwicklung wie beim Rundfunk, beim Fernsehen und beim Internet auch schon», sagte Höhne.
«Ein neues Medium macht den Kundigen und Mündigen das Leben einfacher und sie schlauer. Für jene, die vorher schon Probleme hatten, an gesellschaftlichen Diskursen teilzunehmen, wird es eher schwerer.»
Höhne, der auch Vorsitzender der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft ist, bezog sich auf Überlegungen des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). «Das Entscheidende für Bonhoeffer ist es, ein Leben in verantworteter Freiheit zu führen.» Natürlich habe dieser noch keine KI gekannt. Aber Themen wie Mündigkeit und Verantwortung seien auch heute noch aktuell.
Der Theologe sagte, für manche Menschen könne KI glaubensähnlichen Charakter und eine gottähnliche Position ausfüllen. «Weil sie mir ja jede Frage beantworten kann, allgegenwärtig scheint und immer ansprechbar. Für manche auch eine Art alltäglicher, tröstlicher Begleiter.»
Zugleich sei die Technik nicht vom Himmel gefallen. «Vielmehr stehen dahinter Entwickler und Konzerne mit klaren ökonomischen und politischen Interessen, mit eigener Ideologie und Agenda. Wir müssen klarer benennen, welche Menschen KI wie weiterentwickeln.»
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