Angesichts neuer Demos in Frankreich appelliert Kardinal: «Nicht in den Strudel der Gewalt hineinreissen lassen»

Frankreich hat ein Wochenende der Zerstörung und Verwüstung erlebt. Die Behörden ziehen eine erste Bilanz. Katholische Kirchenvertreter rufen Christen dazu auf, in der angespannten Situation als Friedensstifter aufzutreten.

Paris (KNA) Die französischen Behörden haben eine erste Bilanz der Ausschreitungen vom Wochenende gezogen. Demnach wurden landesweit laut Medienberichten von Montag mindestens 3’000 Geschäfte in Mitleidenschaft gezogen. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte lokal begrenzte Ausgangssperren an, um weitere Plünderungen zu verhindern. Unterdessen sind für den kommenden Samstag neue Demonstrationen geplant.

«Diejenigen, die versucht haben, die Republik zu stürzen, werden sich dafür verantworten müssen.»

Bereits am Sonntagabend hatte Präsident Emmanuel Macron in einer Fernsehansprache ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer angekündigt. «Diejenigen, die versucht haben, die Republik zu stürzen, werden sich dafür verantworten müssen.» Zugleich betonte er, dass man auf die Belange jener Menschen eingehen müsse, die friedlich gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten demonstriert hätten. Unter Jugendlichen gebe es zudem eine verbreitete Unsicherheit, was die eigene Zukunft anbelange.

Bei den Ausschreitungen am Wochenende waren über 1’000 Personen festgenommen worden; es gab zahlreiche Verletzte. Bilder in Sozialen Medien zeigten, wie Gruppen von Vermummten Fensterscheiben von Geschäften zerschlugen und Läden plünderten. In Limoges brannte das aus dem 19. Jahrhundert stammende Rathaus.

Appelle von Kirchenvertretern

Der katholische Pfarrer François Renard rief in Limoges Christen dazu auf, in der angespannten Situation als Friedensstifter aufzutreten. «Wo die Hoffnung zu schwinden scheint, ist es unsere Aufgabe, sie wieder aufleben zu lassen.»

«Gemeinsam mit allen Gläubigen beten wir dafür, dass diese Unruhen ein Ende finden und der Frieden wiederkehrt.»

In Marseille sprach Kardinal Jean-Marc Aveline angesichts der Ausschreitungen von inakzeptablen Gewalttaten. «Ich rufe jeden dazu auf, sich nicht in den Strudel dieser Gewalt hineinreissen zu lassen: Unsere Stadt und unser Land verdienen Besseres als das», so der Erzbischof von Marseille. «Gemeinsam mit allen Gläubigen beten wir dafür, dass diese Unruhen ein Ende finden und der Frieden wiederkehrt.»

Auswärtiges Amt reagiert

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Deutschland äusserte sich besorgt über die Entwicklung in Frankreich. Man habe die Sicherheitshinweise für Reisen in das Nachbarland angepasst. Reisende seien zu umsichtigem Verhalten aufgerufen; sie sollten sich ausserdem von Demonstrationen fernhalten.

Unklar ist, wer hinter den Ausschreitungen steckt. Die französische Regierung machte linksextreme Kräfte dafür verantwortlich. Die Europäische Union rief die Politiker in Frankreich auf, die Rechte der friedlichen Demonstranten zu achten. Man dürfe diese nicht mit denen gleichsetzen, die Gewalttaten begehen, so ein Sprecher der EU-Kommission.


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