Papst Leo XIV. als Stimme gegen die Angst vor der Zukunft: EZB-Chefin Christine Lagarde sieht in ihm einen wichtigen Impulsgeber für die Debatte über KI, Europas Werte und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
(KNA) Der Besuch von Papst Leo XIV. in Frankreich hat nach Einschätzung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auch eine politische und gesellschaftliche Dimension. «Natürlich kann der Papst Einfluss auf der internationalen Bühne ausüben», sagte Lagarde der französischen Zeitung «La Croix». Sie bewundere die «prinzipientreue und standhafte Haltung» des Papstes, insbesondere angesichts der Angriffe von US-Präsident Donald Trump. Papst Leo XIV. hatte Frankreich vom vergangenen Freitag bis Montag besucht.
«Ich hoffe sehr, dass seine Stimme weiterhin gehört wird.»
Besonders wichtig sei Leos Auseinandersetzung mit der künstlichen Intelligenz. Seine Enzyklika «Magnifica humanitas» habe die aktuelle Debatte direkt beeinflusst. Lagarde hofft, dass diese Diskussion «in die richtige Richtung geht» und den Menschen ins Zentrum stellt.
Arbeit dürfe nicht zu einem «Accessoire» werden, das durch Roboter ersetzt werden könne. Der Papst stehe damit in der Tradition von Leo XIII. (1878-1903) und dessen Sozialenzyklika «Rerum Novarum». Lagarde: «Ich hoffe sehr, dass seine Stimme weiterhin gehört wird und dass er seine Überlegungen zu diesem Thema weiterentwickeln wird.»
Aus Leos Rede über Europa in Metz nehme sie vor allem dessen Appell mit: «Fürchte dich nicht vor der Zukunft.» Angesichts geopolitischer Spannungen, Kriege, KI und Klimawandel müssten insbesondere junge Menschen ihre Ängste überwinden. Europa sei zudem mehr als ein Markt oder eine geografische Region, sagte Lagarde. Es sei eine «Gemeinschaft von Werten», die auf Gerechtigkeit, Dialog und Frieden beruhe.
Persönlich hätten sie vor allem die Menschenmengen beim Papstbesuch beeindruckt. Sie habe eine «stille und herzliche Leidenschaft der echten Gemeinschaft» erlebt. Trotz des Aufstiegs von Populismus und Gewalt beobachte sie in Europa zugleich eine «Wiederbelebung des Glaubens» und neue Energie für Werte wie Toleranz und Respekt. Auch der Besuch von Papst Franziskus in Marseille 2023 habe ihr diesen Eindruck vermittelt. Gefragt nach ihrem eigenen Glauben, sagte Lagarde: «Er ist grundlegend. Er ist ein Teil von mir.»
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