Migrationshintergrund hörbar machen

Zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 27. September lanciert Vox Ethica eine Podcast-Serie, die sich mit dem Schweizer Asylsystem befasst. Die Fachstelle für christliche Ethik möchte mit diesem neuen Medienformat «unterschiedliche Realitäten des Asylsystems» hörbar machen.

Stefan Betschon

Der Welttag der Migranten und Flüchtlinge ist ein traditionsreicher Anlass. Er wurde 1914 erstmals durchgeführt und geht auf eine Initiative von Papst Benedikt XV. zurück. Seit fünf Jahren findet dieser Welttag jeweils am letzten Sonntag im September statt.

Vox Ethica hat diesen Gedenktag zum Anlass genommen, das Schweizer Asylwesen zu analysieren. Resultat dieser Analyse ist eine Podcast-Serie unter dem Titel «Das Schweizer Asylsystem – eine Spurensuche». Eine Hörprobe lässt sich bereits abrufen. Vox Ethica ist eine Art Denkfabrik, die Zeitfragen aus Sicht der christlichen Ethik zu beantworten sucht. Die 2025 gegründete, in Freiburg i.Ü. domizilierte Organisation, bezeichnet sich als «Stimme der katholischen Kirche». Sie wird von der Schweizer Bischofskonferenz, der Römisch-katholischen Zentralkonferenz und vom Hilfswerk Fastenaktion getragen.

Unterschiedliche Realitäten

Die Podcast-Serie leuchtet vier verschiedene Bereiche aus: die staatliche Asylpraxis, die psychische Belastung von Schutzsuchenden, den Alltag einer Asylseelsorgerin und die Ausgestaltung der prophetischen Stimme der Kirche. «Uns geht es darum, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Realitäten des Asylsystems hörbar werden – jenseits von Schlagzeilen und Statistiken», sagt Florian Lüthi. Der wissenschaftliche Mitarbeiter von Vox Ethica ist in der Serie als Sprecher zu hören. Als Zielpublikum des Podcasts sieht er «ein interessiertes Publikum in kirchlichen und engagierten zivilgesellschaftlichen Kreisen».

Warum die journalistische Form eines Podcasts? Wäre nicht ein Textdokument besser geeignet, Informationen über ein komplexes Thema zu vermitteln? Lüthi: «Wir haben uns für das Format des Podcasts entschieden, da wir es als wichtig erachten, Zeugnisse auch unmittelbar weiterzugeben. Die Stimme trägt etwas, was Text nicht leisten kann: Tonfall, Zögern, Unmittelbarkeit des Zeugnisses.» Es werde aber in ein paar Wochen auch eine «schriftliche Einordnung der Gespräche» geben.

Multiperspektivische Herangehensweise

Qualitative Interviews seien eine bewährte Methode, komplexe gesellschaftliche Fragen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, sagt Lüthi. «Wir betrachten unsere Podcast-Serie nicht primär als journalistischen Content, sondern eher als dokumentarischen Beitrag in der Tradition der ethnologischen Feldforschung.» Deshalb habe man sich auch für den Titel «Spurensuche» entschieden: Es gehe hier um ein «offenes Nachgehen». Lüthi hat Ethnologie und Geschichte in Neuenburg studiert, anschliessend Theologie in Luzern und Paris.

Indem die Sichtweisen verschiedener Fachleute, die in unterschiedlichen Bereichen Kompetenzen besitzen, nebeneinandergestellt werden, lasse sich – so hofft Lüthi – ein politisch aufgeladener Diskurs versachlichen.

Liebe statt Rangeleien

Für den Welttag der Migranten und Flüchtlinge gibt der Papst Jahr für Jahr ein neues Motto vor. In einer Grussbotschaft im März 2025 nannte Papst Franziskus Migranten «Missionare der Hoffnung».

Das Motto von Papst Leo XIV. für den 112. Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2026 lautet: «Auch nur eines von diesen Kindern». Das Motto bezieht sich auf eine Aussage Jesus’, der einen Rangstreit unter den Jüngern beendete, indem er ein kleines Kind in ihre Mitte stellte, es umarmte und zu den Männern sagte:  «Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf». (EU Mk 9,37)


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https://www.kath.ch/newsd/migrationshintergrund-hoerbar-machen/