Bischof Felix Gmür: «Motivation für Synodalität muss von Getauften herkommen»

Auch Bischof Felix Gmür war Teilnehmer an der Synodalitätskonferenz im österreichischen Puchberg vergangene Woche. Ihn haben vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Teilhenhmenden und der gemeinsame Wille beeindruckt, Synodalität in Europa weiter voranzubringen, wie er kath.ch im Interview verrät.

Wolfgang Holz

Herr Bischof Gmür, was hat Sie an dieser «Mammut-Synodalitätskonferenz» für Europa mit rund 180 Teilnehmenden am meisten beeindruckt?

Bischof Felix Gmür: Die Vielfalt in Europa ist sehr gross. Umso beeindruckender ist das Zusammengehörigkeitsgefühl der Teilnehmenden und der gemeinsame Wille, in Europa die Synodalität weiterzubringen und als Zeichen der Einheit in Europa zu profilieren.

Haben Sie auch schon an Workshop-Tischrunden teilgenommen? Wie konstruktiv ist das abgelaufen?

Gmür: Die «Gespräche im Geist» sind von einer grossen Wertschätzung gegenüber den Gesprächspartnern geprägt. Diese ist eine Frucht des guten und aktiven Zuhörens.

«Synodalität ist so unterschiedlich wie es die Länder und Kulturen und gesellschaftlichen Bedingungen in Europa sind.»

Haben Sie den Eindruck, dass Synodalität als gelebte, gemeinsame Kirche tatsächlich schon in der Praxis existiert, oder ist Synodalität nach wie vor eher ein grosses Schlagwort, deren Umsetzung sich viele einfach nur sehnlichst wünschen?

Gmür: Synodalität ist so unterschiedlich wie es die Länder und Kulturen und gesellschaftlichen Bedingungen in Europa sind. Grundlage ist die gemeinsame Taufe, die alle zu potentiellen Akteurinnen und Akteuren macht. Das geht meist nur langsam voran, aber es geht voran.

«Es ist fast schon ein innerer Widerspruch, wenn Synodalität «von oben» verordnet wird.»

Gibt es konkrete Formen von Synodalität in Europa, die bei der Konferenz präsentiert wurden und die Ihnen aus Sicht als Bischof und der katholischen Kirche in der Deutschschweiz besonders gefallen bzw. deren Umsetzung auch in der Schweiz möglich wären? Oder kann Synodalität in der Kirche wirklich nur überall «grassroots-like», dezentral entstehen?

Gmür: Es ist fast schon ein innerer Widerspruch, wenn Synodalität «von oben» verordnet wird. Kirchenleitungen sollen sie fördern, aber die Motivation muss von den Getauften herkommen.

Die momentane Konferenz zu Synodalität in Europa hat ja auch schon die nächste Weltsynode des Vatikans 2028 fest im Blick. Glauben Sie, dass bis dahin Konzepte entstehen, auch in der Nachfolge dieser Konferenz, die auch für den Vatikan akzeptabel und umsetzbar sind?

Gmür: Zunächst wird die heurige Versammlung in Puchberg von der europäischen Task Force ausgewertet. Im kommenden Jahr gibt es auf dieser Grundlage ein weiteres europäisches Treffen. Dessen Erkenntnisse werden dann in den weltweiten Prozess einfliessen, wie von anderen Kontinenten auch. Was dabei herausklommen wird, kann ich nicht vorhersagen.


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