Neuer ständiger Diakon Rodrigo De Stephanis: «Wo kein Dienst ist, da ist keine Kirche»

Vor kurzem wurde Rodrigo De Stephanis (63) zum ständigen Diakon von Bischof Charles Morerod in der Kirche Saint-Martin in Onex bei Genf geweiht. Im Interview mit kath.ch macht er deutlich, wie wichtig für ihn das Dienen in der Kirche ist.

Wolfgang Holz

Wie fühlen Sie sich in Ihrer neuen Funktion als Diakon?

Rodrigo De Stephanis*: Ich fühle mich recht wohl. Ich bin gerade erst ordiniert worden und weiss noch nicht genau, was das alles mit sich bringen wird, aber ich kann es mir vorstellen. Am Ende der Feier haben mich drei Menschen um einen Segen gebeten, und ich sah, wie glücklich sie waren, diesen Segen zu empfangen, der für sie ein Zeichen der Liebe Gottes war.

«Ich stelle mir vor, dass ich gelegentlich Predigten halten werde: Das ist eine weitere Möglichkeit, die Liebe Gottes weiterzugeben.»

Natürlich braucht Gott mich nicht, um diese Menschen zu segnen, aber vielleicht brauchen diese Menschen eine Geste, die ihnen dies sichtbar macht. Ich stelle mir vor, dass ich gelegentlich Predigten halten werde: Das ist eine weitere Möglichkeit, die Liebe Gottes weiterzugeben. Tatsächlich stelle ich mir meine Aufgabe so vor, dass ich den Menschen zur Verfügung stehe.

Warum haben Sie sich für das Amt des Diakons entschieden?

De Stephanis: Als ich mich in der Seelsorge in der Gemeinde engagierte, sah ich, dass der Bedarf gross war, und fragte mich, wie ich mehr tun könnte. Gleichzeitig sah ich aber auch, dass es in der Kirche Menschen gibt, die ihre Zugehörigkeit zur Gemeinschaft unter dem Aspekt der Macht betrachten, und ich fragte mich, wie ich ihnen verständlich machen könnte, dass man, wenn man in der Kirche ist, dazu da ist, zu dienen.

«Als Diakon kann ich mehr tun.»

Und das hatte was für Sie als Konsequenz?

De Stephanis: Als ich über all das nachdachte, sah ich im Diakonat eine Antwort: Als Diakon kann ich mehr tun, zum Beispiel Taufen und Trauungen vollziehen, Predigten halten, Segnungen spenden, aber vor allem kann ich Zeugnis ablegen für das tiefe Wesen der Kirche, das im Dienst und nicht in der Macht liegt. Seitdem habe ich eine Art Leitspruch, der lautet: Wo kein Dienst ist, da ist keine Kirche.

«Dienen ist kein Akt der Freundlichkeit oder ein besonderer Verdienst, sondern einfach eine Möglichkeit, ein wenig von dem zurückzugeben, was wir erhalten haben.»

Das klingt sehr schön. Was bedeutet es für Sie konkret, nun in der katholischen Kirche explizit als Diakon «zu dienen» – für Gott und für die Menschen?

De Stephanis: Zunächst gehe ich davon aus, dass alles, was wir haben – das Leben, die Gesundheit, die Zeit, die Menschen um uns herum – ein unentgeltliches Geschenk ist, das wir uns in keiner Weise verdient haben. Und daher ist Dienen kein Akt der Freundlichkeit oder ein besonderer Verdienst, sondern einfach eine Möglichkeit, ein wenig von dem zurückzugeben, was wir erhalten haben. Es geht gleichzeitig darum, eine Art «Kreislauf des Dienens» in Gang zu setzen, der dies vervielfacht. Ökonomen sagen, dass die Wirtschaft funktioniert, wenn Geld zirkuliert; ich glaube, das gilt auch für Freude, Dienst, Grosszügigkeit und Offenheit gegenüber anderen.

Haben Sie zuvor bereits Aufgaben innerhalb der Kirche wahrgenommen?

De Stephanis: Bevor ich mich entschied, Diakon zu werden, war ich einige Jahre in der Jugendseelsorge tätig. Und nach einer längeren Pause, in der ich als Seelsorger an einer katholischen Schule arbeitete, wurde ich als Seelsorgehelfer in zwei Seelsorgeeinheiten im Kanton Genf eingestellt. Davor hatte ich an öffentlichen Schulen im Tessin und in Freiburg Religionsunterricht erteilt. All diese Tätigkeiten habe ich stets als Arbeit in der Kirche betrachtet.

«Gott und die Religion sind für mich dieser Haken, der es mir ermöglicht, die Dinge ‹von oben› zu betrachten.»

Sie sind in Italien geboren und haben bereits als Jugendlicher Ihren Platz in der Kirche gefunden. Was bedeuten Gott, die Kirche und die Religion heute für Sie?

De Stephanis: Ein italienisches Lied, das ich sehr mag, lautet: «Strada facendo troverai un gancio in mezzo al cielo» (»Auf deinem Weg wirst du einen Haken mitten im Himmel finden»). Gott und die Religion sind für mich dieser Haken, der es mir ermöglicht, die Dinge «von oben» zu betrachten – mit einer gewissen Distanz, die es mir erlaubt, viele kleine Alltagssorgen zu relativieren. Die Kirche bedeutet für mich heute mehr denn je eine Hoffnung auf Erlösung für die Menschheit. Wenn man sieht, dass angesichts der Gewalt, der Kriege, der Massaker und der Völkermorde, die wir täglich vor Augen haben, viele demokratische Regierungen nur daran denken, sich noch stärker zu bewaffnen, wird einem bewusst, dass die Kirche in dieser Welt eine der wenigen Instanzen ist, die von Frieden und Abrüstung spricht und uns dazu einlädt, zu unserer grossartigen Menschlichkeit zurückzufinden.

Was kann der Dienst in der Kirche jedem Einzelnen persönlich bringen?

De Stephanis: In diesem Jahr begehen wir den 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi. Es gibt eine Begebenheit in seiner Biografie, von der er in seinem Testament berichtet und die verdeutlicht, was der Dienst jedem Einzelnen bringt: «Zu der Zeit, als ich noch in Sünden lebte, war mir der Anblick der Leprakranken unerträglich.

«Der Dienst hat die Kraft, den Sinn eines Lebens zu verändern!»

Doch der Herr selbst führte mich zu ihnen; ich pflegte sie von ganzem Herzen; und auf dem Rückweg hatte sich das, was mir so bitter erschienen war, für mich in eine Wohltat für Geist und Körper verwandelt.» Besser könnte ich es nicht erklären: Der Dienst hat die Kraft, den Sinn eines Lebens zu verändern!

*Rodrigo De Stephanis wurde 1963 in Pratola Peligna (Italien) geboren. Ein Studium der Literatur und Theologie an der Universität Freiburg führte ihn anschliessend dazu, im Tessin und in Freiburg Religionsunterricht zu erteilen und später als Seelsorger in Genf junge Menschen zu begleiten. Durch sein Engagement in zwei Genfer Seelsorgeeinheiten – Plateau und Champagne – lernte er das Gemeindeleben umfassender kennen.


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