50 Jahre Heiligkreuzkirche in Niederbipp: Ein Ort mit offenen Türen und Visionen

Mit dem 50-Jahr-Jubiläum der Heiligkreuzkirche in Niederbipp startet der Pastoralraum Oberaargau das Projekt «WirKLicht». Die Kirche soll damit noch stärker zum offenen Begegnungsort werden. «Ich wünsche mir weniger Dienstleistung und Konsum und mehr Mitgestaltung», sagt Seelsorgerin Flavia Schürmann.

Jacqueline Straub

Vor 50 Jahren wurde in Niederbipp im Kanton Bern die Heiligkreuzkirche eingeweiht. Von Anfang an war sie als «Mehrzweckkirche» konzipiert. Nun feiert der Pastoralraum Oberaargau am Sonntag, 13. September, um 10 Uhr das Patrozinium. Dem Festgottesdienst steht Weihbischof Josef Stübi vor. Das Jubiläum soll zugleich ein «Begegnungsfest» sein, sagt Flavia Schürmann, Pfarreiseelsorgerin im Pastoralraum Oberaargau.

«Es soll ein freudiger Tag werden, an welchem Menschen aller Generationen einander ungezwungen begegnen können», sagt Schürmann. Nach dem Gottesdienst gibt es im Festzelt ein gemeinsames Mittagessen. Rund um die Kirche finden verschiedene Aktivitäten statt: ein Klettergerüst für Kinder, das Bemalen einer grossen Spielkiste oder eine Orgelführung.

Raum für Begegnung

Mit dem Jubiläum der Kirche startet das Projekt «WirKLicht». Es will ein neues Kapitel im Pfarreileben aufschlagen. Das Gebäude biete viel Raum, werde aber häufig nicht genutzt, sagt Schürmann. Deshalb sollen die Aktivitäten von «WirKLicht» mehrheitlich auf dem Gelände der Heiligkreuzkirche stattfinden – «aber nicht nur».

«Das Projekt will im übertragenen Sinn ‹Raum› schaffen für Begegnung, für gemeinsames Erleben und Gestalten», erklärt die Seelsorgerin. Die Angebote sollen vor allem die junge Generation ansprechen, aber auch alle Interessierten – unabhängig von Alter, Glauben oder Lebenshaltung. «Christliche Feste und Werte werden sinnhaft angeboten und mit grosser Offenheit gelebt», so Schürmann.

Erste Spuren des Projekts sind bereits sichtbar. Die Umgebung der Kirche wurde mit farbigen Sitzbänken, bunten Steinen, einem Barfusspfad und einem Willkommens-Schriftzug über dem Eingang gestaltet. Im Kirchenfoyer lädt eine Bücherecke mit gemütlichen Kissen zum Verweilen ein.

Von Kerzenziehen bis Halloween

Auch im anbrechenden Herbst sind verschiedene Aktivitäten geplant. Dazu gehören Kerzenziehen, ein Halloween-Abend mit Kürbisschnitzen, Suppe und einem Familienfilm. Zudem gibt es die Möglichkeit, einen etwas anderen Adventskalender oder einfache Krippenfiguren zu gestalten.

Für das Projekt «WirKLicht» wurden in einer ersten Phase 50 Stellenprozente gesprochen.

Schürmann erhofft sich dadurch eine «Kirche mit offenen Türen», die einladend und authentisch ist. «Ich wünsche mir weniger Dienstleistung und Konsum und mehr Mitgestaltung. Dabei sehe ich mich auch als Lernende auf diesem gemeinsamen Weg.»

Mehr als ein Kirchenraum

Neben dem «sakralen» Raum für Gottesdienste bietet das Gebäude bereits heute verschiedene Bereiche, die unterschiedlich genutzt werden. Dazu gehören ein Saal und Räume für den Religionsunterricht, Schulungen sowie Treffen von Vereinen und lokalen Gruppierungen. «Im Untergeschoss fanden früher Discos und Jugendtreffen statt. Die bemalten Wände im Luftschutzraum zeugen von dieser Zeit», sagt Schürmann.

Dort gibt es heute auch ein Malatelier, das von Kindern genutzt wird und viel Kreativität zum Vorschein bringt. «Es sind Bilder entstanden, die wir am Jubiläumsfest ausstellen werden. Einige davon fanden auch Eingang in die Jubiläumsfestschrift», so Schürmann.

Die Festschrift gibt einen geschichtlichen Rückblick, lässt Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Kirchenbaus zu Wort kommen und zeigt einen Ausblick in die Zukunft der Pastoral. Alle Besucherinnen und Besucher des «Begegnungsfests» erhalten ein Exemplar.

«In den darin enthaltenen Beiträgen, wie auch im Festgottesdienst, kommt eine Dankbarkeit zum Ausdruck – für die vielen Frauen und Männer, welche den Kirchenbau in den 70er-Jahren erst ermöglichten, und für die gelebte Gemeinschaft unter Gottes Geleit», sagt Schürmann.

Die Kirche in Niederbipp soll auch in 50 Jahren ein lebendiger Begegnungsort sein, wünscht sich die Seelsorgerin. Damit dies gelingt, brauche es «Menschen mit Herz, die offen sind, mitzugestalten, und eine Kirchgemeinde, welche den visionären Weg weitergeht und die nötigen Ressourcen bereitstellt».


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