In Basel existiert seit zehn Jahren die schweizweit einzige katholische Seelsorge für Prostituierte, die Sita. Ermöglicht hat diese der Bischof von Basel, Felix Gmür, die Kantonalkirchen von Baselland und Basel-Stadt – und die Sita-Seelsorgerinnen. Eine Betroffene bezeichnet sie als «Schutzengel».
Regula Pfeifer
«Die Kirche gehört dorthin, wo es unbequem ist. Die Sita – Seelorge im Tabubereich – tut seit zehn Jahren genau das», sagt Bischof Felix Gmür in einer Audioausstellung auf der Webseite der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt (RKK). Die Seelsorgerinnen gingen dabei an Orte, an denen Scham, Abhängigkeit, Gewalt und Verletzlichkeit zum Alltag gehöre.
Der Bischof von Basel versteht diese kirchliche Präsenz an den Rändern der Gesellschaft nicht als Randphänomen. Im Gegenteil, er betont: «Diese Seelsorge ist ein stilles und kraftvolles Zeichen dafür, was Kirche im Kern ist. Dasein, zuhören, sich zuwenden, aushalten, der Hoffnung Raum geben, unterstützen. Ohne Bedingungen. So wie Jesus den Menschen begegnet. Jenseits von Zuschreibungen und Urteilen. Verlässlich und glaubwürdig.»
Die Sita steht für den Bischof stellvertretend «für eine Kirche, die sich nicht wegdreht, sondern hinsieht. Eine Kirche, die die Würde schützt, wo sie missachtet oder bedroht wird.» Er äussert dafür «grossen Respekt und Dankbarkeit».
Die Sita begann am 1. Januar 2016 als Projektstelle in Basel. Heute, zehn Jahre später, sei sie fest verankert im Netzwerk der anderen Anlaufstellen für Sexarbeitende in Basel-Stadt, schreiben die RKK und die Römisch-katholische Kirche Basel-Landschaft in einer Mitteilung.
Bischof Felix Gmür habe die Stelle von Beginn an unterstützt und den Seelsorgerinnen die bischöfliche Beauftragung erteilt. Seit März 2023 hat die Theologin und Seelsorgerin Susanne Andrea Birke diese 40-Prozent-Stelle inne. Sie besucht die Sexarbeitenden auf der Strasse und an ihren Arbeitsorten. Und sie bietet Begleitung in ihrem Büro an. Birke habe die Freierarbeit als Teil der Sita etabliert, heisst es weiter.
Dass die Arbeit Wirkung zeitigt, das lässt sich in der Audio-Ausstellung nachvollziehen, in der eine Klientin ihre Situation beschreibt. Sie fand in ihrem Herkunftsland keine Arbeit mehr und liess sich von einer vermeintlichen Freundin zur Reise in der Schweiz bewegen. Dort sollte sie als Reinigungskraft in einem Hotel arbeiten. Doch das Hotel entpuppte sich als Bordell – und die Frau musste junge Sexarbeiterinnen überwachen. Sie hätte auch als Sexarbeiterin tätig werden müssen.
Die Frau verlangte einen Vertrag, es kam zum Streit. Schliesslich konnte sie sich mit Hilfe der Sita-Seelsorgenden losreissen. Sie bezeichnet diese und eine weitere Helferin als ihre «Schutzengel». Durch diese fand sie auch zum Glauben zurück – und Halt darin. Aktuell wohnt sie in einem einfachen Zimmer. Sie bekomme die Möglichkeit, die Sprache zu lernen, um später einen Job zu finden, sagt sie im Audio.
Am 19. August wurde das Zehn-Jahr-Jubiläum der Sita mit den Betroffenen gefeiert. Es gab Gratis-Glace für Sexarbeitende in der sogenannten Toleranzzone, also in jenem Bereich Basels, in dem angeschafft werden darf.
Ein offizieller Jubiläumsanlass mit geladenen Gästen findet am 9. September im Pfarreisaal St. Clara statt, teilen die Kantonalkirchen mit. Am Anlass werden zwei ehemalige Sita-Seelsorgerinnen – Anne Burgmer und Brigitte Horvath – sowie die aktuelle Susanne Andrea Birke an einem Podiumsgespräch über ihre Erfahrungen reden – moderiert durch SRF-Moderatorin Sandra Schiess.
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