Während zehn Jahren führte die Rechtsanwältin Christine Hess-Keller von der Kanzlei Hess Advokatur AG die unabhängige Meldestelle für sexuelle Übergriffe im Bistum Basel. Nun hat sie das Mandat abgegeben. Ab 1. September übernimmt Rechtsanwalt Michael Daphinoff von der Kanzlei Kellerhals Carrard diese Aufgabe.
Barbara Ludwig
Nach zehn Jahren Tätigkeit als unabhängige Meldestelle für sexuelle Übergriffe im Bistum Basel gibt Rechtsanwältin Christine Hess-Keller mit ihrem Team der Hess Advokatur AG per 1. September diese Aufgabe weiter. Dies teilte das Bistum Basel jüngst mit. Sie werde keine neuen Meldungen mehr entgegennehmen, jedoch für bereits erfasste Meldungen weiterhin als Kontaktstelle fungieren.
Christine Hess-Keller habe unverzichtbare Aufbauarbeit geleistet, das Interventionsverfahren standardisiert und die unabhängige Meldestelle im Bistum Basel geprägt und etabliert, heisst es im Communiqué weiter. Sie habe den Wunsch geäussert, das Mandat nach zehn Jahren abzugeben, um sich auf andere Mandate konzentrieren zu können, erklärt Jonas Spirig, Kommunikationsverantwortlicher des Bistums, auf Anfrage von kath.ch.
Laut Spirig spielten bei dem Wechsel die Zweifel an der Unabhängigkeit der Meldestelle, die im vergangenen März von der Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (IG Miku) geäussert wurden, keine Rolle. Dabei ging es um die Mitgliedschaft von Christine Hess-Keller, ihrem Mann Christoph Hess-Keller sowie dem Basler Bischof Felix Gmür in der Studentenverbindung AKV Alemannia.
Die Zeitung «Blick.ch» hatte darüber am 7. März berichtet. Das Ehepaar arbeitet gemeinsam in der Hess Advokatur. Jonas Spirig hatte die Kritik der IG Miku zurückgewiesen: Die Kanzlei sei an keine Weisung des Bischofs persönlich oder vom Bistum gebunden und agiere deshalb unabhängig.
Ab 1. September übernimmt Rechtsanwalt Michael Daphinoff der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard die Aufgabe der unabhängigen Meldestelle. Neue Meldungen seien ab sofort direkt an ihn zu richten, so das Bistum Basel. Die Kanzlei Kellerhals Carrard sei mit der Thematik und den Besonderheiten eines solchen Mandats bereits vertraut, sagt Spirig. Denn sie ist seit Mitte November 2023 mit kirchenrechtlichen Voruntersuchungen und der Prüfung von Antragsgesuchen auf Genugtuung beauftragt.
«Die bisherigen Arbeiten wurden aus Sicht des Bistums sorgfältig und zuverlässig erbracht und Kellerhals Carrard erscheint fachlich und organisatorisch geeignet, die Aufgabe der Meldestelle zu übernehmen.»
Bei der unabhängigen Meldestelle können Opfer, Mitwisserinnen und Mitwisser, Zeugen oder beschuldigte Personen einen mutmasslichen sexuellen Übergriff melden, heisst es im Schutzkonzept der Diözese Basel. Die Stelle ist dafür verantwortlich, dass der mutmassliche sexuelle Übergriff vollständig geklärt wird. Dazu koordiniert sie straf-, personal- und kirchenrechtliche Massnahmen. Und sie kontrolliert, ob die Verfahren abgeschlossen wurden.
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