Sonntagsruhe tut laut Erzbischof Gesellschaft gut – «sonst wird man zum Arbeitsroboter»

Mehr Zeit für die Familie und weniger Arbeitslast – darum geht es dem Berliner Erzbischof Heiner Koch in der Debatte um mögliche Sonntagsöffnungen von Geschäften. Die Sorgen der Händler nimmt er trotzdem ernst.

(KNA) Bei der Frage nach möglichen Sonntagsöffnungen von Geschäften ist der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch davon überzeugt, «dass die sonntägliche Unterbrechung des Alltags der ganzen Gesellschaft guttut». «Wenn jeder Tag gleich ist, wird man irgendwann zum Arbeitsroboter», sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur.

«Wenn man religiöse Freiräume in einer Gesellschaft immer weniger schützt, verliert der Glaube persönlichen und gesellschaftlichen Raum.»

«Ausserdem geht es mir darum, dass man die freie Zeit seines Lebens auch gemeinsam mit der Familie verbringen kann.» Ein Hauptproblem des heutigen Familienlebens sei, dass es durch Beruf, Schule, Sport und Freiheit kaum noch gemeinsame Zeiten gebe.

Koch: Es braucht einen Tag für Gemeinschaft

Dazu spiele der religiöse Aspekt eine Rolle. Es müsse ein Tag offengehalten werden, an dem Menschen gemeinsam zum Gottesdienst gehen und Gemeinschaft erleben könnten. «Wenn man religiöse Freiräume in einer Gesellschaft immer weniger schützt, verliert der Glaube persönlichen und gesellschaftlichen Raum. Und das ist auch ein Stück menschliche Armut, weil viel menschlich und sozial Prägendes und Wertvolles dann wegbricht.»

Die Sorgen kleinerer Händler, wie die der als Spätis bekannten Kioske in Berlin, nimmt Koch demnach ernst. «Ich kaufe selbst ab und zu im ‘Späti’ ein, ich anerkenne auch die grosse Online-Konkurrenz für den Einzelhandel, sehe selbst die Ladenschliessungen, auch in sogenannten ‘guten Lagen’. Dennoch möchte ich als Kirche am Schutz des Sonntags als Regel festhalten; über gerechte Ausnahmen müssen wir reden.»


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/sonntagsruhe-tut-ganzer-gesellschaft-laut-erzbischof-gut-sonst-wird-man-zum-arbeitsroboter/