In Italien war er so bekannt wie Frère Roger in Frankreich: Enzo Bianchi, visionärer und eigenwilliger Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Bose im Piemont. Nun ist er mit 83 Jahren gestorben.
Ludwig Ring-Eifel (CIC)
Enzo Bianchi, Gründer der ökumenischen Kommunität von Bose bei Turin, ist am Dienstag im Alter von 83 Jahren gestorben, wie italienische Medien berichten. Bianchi war als selbsternannter Mönch und theologischer Autodidakt eine weit über die katholische Kirche hinaus bekannte Persönlichkeit.
Die von ihm in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gegründete «Comunità di Bose» mit Mitgliedern unterschiedlicher christlicher Konfessionen leitete er als Prior rund ein halbes Jahrhundert. Erst im Jahr 2000 wurde sie vom Vatikan als christliche Laien-Assoziation anerkannt.
Da er sich auch nach seinem unfreiwilligen Rückzug von der Leitung und nach der Wahl eines neuen Priors im Jahr 2017 weiter stark in die Kommunität einmischte, forderte ihn der Vatikan 2019 auf, fernab von Bose zu leben. Ohne kirchenamtliche Zustimmung zog er dann in die kleine Kommunität von Madia bei Turin. In der aus Männern und Frauen bestehenden Gemeinschaft kochte der Liebhaber guten Essens und erlesener Weine bis kurz vor seinem Tod für die Gäste.
Bianchi ist Autor von rund 300 Büchern und ungezählter Zeitungsartikel. Er trat in Diskussionsrunden und Talkshows auf und wurde auch von nichtchristlichen Gesprächspartnern, darunter buddhistische Mönche, sehr geschätzt. Mit Papst Franziskus unterhielt er trotz der disziplinarischen Spannungen ein gutes Verhältnis.
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