Der Fall der Französin Gisèle Pelicot hat international für Entsetzen gesorgt. Wie sie mit den monströsen Taten ihres Ex-Mannes umgeht, analysiert der Basler Psychiater ausführlich in seinem neuen Buch. Im Podcast «Laut + Leis» sagt er, was ihn an Gisèle Pelicot beeindruckt.
«Erstmal der Mut, die jahrelangen Vergewaltigungen nicht als das persönliche und schamvoll zu verschweigende Problem anzusehen, sondern klarzumachen, hier ist ein unglaubliches Verbrechen passiert, und ich mache es öffentlich. Ich zeige es, und es muss bestraft werden.
Strafen und verzeihen sind nicht Gegensätze. Sehr schnell nimmt man das ja als Gegensatz. Nein, es muss auch so etwas wie Gerechtigkeit hergestellt werden. Und es muss klar sein, wer sich hier zu schämen hat.
Was mich auch beeindruckt hat: Sie hat diesem Mann Kleider ins Gefängnis geschickt. Mich hat das sehr beeindruckt, dass sie das so abgetrennt hat und klar gemacht hat, ja, er ist ein Verbrecher, und ich möchte mit ihm persönlich nichts mehr zu tun haben. Aber gleichzeitig bleibt er ein Mensch, der Klamotten braucht. Ich muss ihm die nicht vorenthalten, sondern ich kann sie ihm schicken. Das fand ich enorm.
Also die Fähigkeit, bei aller Klarheit der Verurteilung, der Grenzziehung, des Abstandes, nichts mehr mit ihm zu tun haben zu wollen, aber ihn nicht zu dehumanisieren, ihn nicht zum – man sagt das leicht – zum Unmenschen zu machen.»
Das sagt der Basler Psychiater Joachim Küchenhoff im Podcast «Laut + Leis». Sein neues Buch heisst «Verzeihen. Plädoyer für eine unverzichtbare psychosoziale Fähigkeit», erschienen ist es im Psychosozial-Verlag. (sl)
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https://www.kath.ch/newsd/joachim-kuechenhoff-gisele-pelicot-dehumanisiert-ihren-ex-mann-nicht/