Die Kirchen sind auch dieses Jahr an der Pride Zentralschweiz präsent. Mit einem besonderen Projekt laden sie dazu ein, biblische Texte neu zu entdecken und sich mit dem eigenen inneren Wesen auseinanderzusetzen.
Jacqueline Straub
Auch in diesem Jahr sind die Kirchen bei der Pride Zentralschweiz dabei. Vom 17. August bis zum 23. August findet in Luzern die «Churchpride» statt. Diese Woche ist für alle, «die Grenzen hinterfragen, Gemeinschaft suchen und neue Perspektiven entdecken wollen», heisst es auf der Website.
In dieser Woche werden die Teilnehmenden mit dem Projekt «reDIVINE the norm» dazu eingeladen, biblische Texte neu zu entdecken, «Schubladen» zu hinterfragen und das eigene innere Wesen zu erkunden.
«Wir haben mit ‹reDIVINE the norm› einen Übungsweg in sechs Etappen entwickelt, der auf der Queerbibel und deren Affirmationen beruht», sagt der katholische Theologe Meinrad Furrer, Leiter des Teams Peterskapelle. Die Teilnehmenden durchlaufen dabei einen Etappenweg, ähnlich wie bei Exerzitien.
Dazu erhalten sie eine Provianttüte. Darin befinden sich eine Broschüre zu den sechs Etappen, ein Kartenset, ein Notizheft mit Bleistift, ein Segensband und eine Süssigkeit.
Das Kartenset enthält für jede der sechs Etappen Affirmationen sowie verschiedene «Move-Karten». Diese sollen dazu anregen, biblische Texte neu zu befragen und deren befreiendes Potenzial kennenzulernen.
Im Zentrum steht der Satz: «Die Welt passt nicht in Schubladen. Du auch nicht.» Denn: «Jeder Mensch hat etwas, das ihn im Innersten wertvoll und unvergleichlich macht. Nenn es Seele, nenn es Selbst, nenn es göttlicher Funke», sagt Furrer.
Da es im Alltagsstress oftmals schwierig ist, «unser inneres Wesen zu spüren», will «reDIVINE the Norm» helfen, es zu entdecken und zu befreien, so der Theologe.
Bis zum 22. August können die Menschen jeden Tag zwischen drei Formaten wählen: dem «7nach7 Morgenspaziergang», dem «12nach12 Mittagsimpuls» und dem «8nach8 Abendzoom».
Am 22. August von 14 bis 22 Uhr sind die Kirchen zudem beim Sommerfest der Pride mit verschiedenen Aktionen präsent. Dazu gehören eine Regenbogenbank, ein Glücksrad und Gesprächsangebote. Ausserdem gibt es kleine Überraschungen und Raum für Begegnung. Wer einen Segen wünscht, wird gesegnet.
Zum Abschluss der «PrideWeek» am Sonntag, 23. August, «gestalten wir den Pride-Gottesdienst in neuer Form», sagt Furrer. «Als Churchbrunch mit musikalischen und spirituellen Häppchen, auch dies entlang der sechs Etappen.» Der Gottesdienst steht unter dem Motto «Break Bread and Stereotypes» und findet in der Peterskapelle statt.
Auch das Thema Sicherheit spielt bei der Pride Zentralschweiz eine Rolle. Nach dem islamistischen Terroranschlag vom 25. Juli am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin, bei dem eine Frau starb und 31 Menschen verletzt wurden, sollen sich die Menschen bei der Pride in Luzern sicher fühlen.
«Unser Beitrag ist entscheidend: Verständnis, Aufklärung und Toleranz vorleben und Räume schaffen, in denen dies erlebbar wird», sagt Furrer. Auch beim Gottesdienst wird Sicherheitspersonal vor Ort sein – «aber diskret».
Im vergangenen Jahr hatte das reformierte Kirchgemeindezentrum Lukas Ruheräume angeboten. Dieses Jahr sei dies nicht nötig. «Da die Pride in Luzern diesmal nicht als Demo und Festival stattfindet, sondern als Sommerfest im kleinen Rahmen», so Furrer.
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