Weitere vier Millionen für Aufarbeitung von Missbrauch

Mit seinen Stiftungserlösen finanziert der Erzbischöfliche Stuhl Paderborn Projekte und Aufgaben, die keine Kirchensteuer erhalten. Zuletzt mussten nochmals mehr als vier Millionen zur Aufarbeitung von Missbrauch beiseitegelegt werden.

(KNA) Zum zweiten Mal nach 2020 sind im Erzbistum Paderborn gut vier Millionen Euro zurückgestellt, um Anerkennungsleistungen für Betroffene sexuellen Missbrauchs zahlen zu können. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Finanzbericht des Erzbischöflichen Stuhls für das Jahr 2025 sind dafür 4,1 Millionen Euro aus Stiftungserträgen vorgesehen.

Bisherige Rückstellungen aufgebraucht

Eine erste Rückstellung von 4,4 Millionen Euro im Jahr 2020 war Ende 2025 fast aufgebraucht, wie der Geschäftsführer der Körperschaft Erzbischöflicher Stuhl, Andreas Kröger, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte.

Nach der Veröffentlichung eines weiteren Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Paderborn im März dieses Jahres, aufgrund dessen sich weitere Betroffene melden, und wegen erwarteter höherer Zahlungen in Zukunft sei eine neue Rückstellung notwendig gewesen, so Kröger. Die Anerkennungsleistungen im Erzbistum Paderborn werden nicht aus Kirchensteuermitteln gezahlt, sondern aus Erträgen des Erzbischöflichen Stuhls.

Modellprojekt für Mütter ohne Abschluss

Dessen sieben Stiftungen sind in einer eigenen Körperschaft öffentlichen Rechts zusammengefasst. Sie unterstützen seelsorgliche, karitative und kulturelle Aufgaben, die nicht aus Kirchensteuermitteln finanziert werden. Dazu zählen ausgewählte Einzelprojekte sowie dauerhafte Finanzierungen wie die der Theologischen Fakultät Paderborn (4,3 Millionen Euro) mit 62 Mitarbeitern oder die Mädchenkantorei am Dom. Insgesamt verfügt der Erzbischöfliche Stuhl über ein Eigenkapital von 2,7 Milliarden Euro, weswegen Paderborn als vermögendstes Bistum Deutschlands gilt.

Die höchste Einzelförderung (749’000 Euro) erhält ein dreijähriges Modellprojekt der Caritas in Hamm. Dieses soll es jungen Müttern zwischen 18 und 27 Jahren ohne Schulabschluss ermöglichen, einen solchen nachzuholen. Dabei werden pro Jahr zehn bis zwölf Frauen auf den Erwerb eines Schulabschlusses vorbereitet. Über fünf Jahre hinweg wird mit 500’000 Euro ein Lehrstuhl zu interkulturellem Safeguarding an der Universität Gregoriana in Rom finanziert. Dabei geht es um kulturelle Hintergründe von Prävention und Aufarbeitung von Missbrauch.

35 Millionen für Realwertsicherung

Aufgrund besserer Erträge am Kapitalmarkt und der leicht gesunkenen Inflation im vergangenen Jahr konnten die Stiftungen ihre Erträge um 3 Millionen auf 24 Millionen Euro steigern. Wegen der Rückstellung für Anerkennungsleistungen bei Missbrauch sank der konsolidierte Überschuss allerdings von 12,9 auf 11,4 Millionen Euro.

Ein Grossteil des Überschusses wurde, wie es die Statuten vorsehen, zur Realwertsicherung des Grundstockvermögens verwendet. Weil dazu insgesamt 35 Millionen Euro nötig waren, wurden 25,1 Millionen Euro aus der Allgemeinen Rücklage entnommen, die von 300 auf 275 Millionen Euro sank.

Nachhaltige Geldanlagen

Die Erträge der Stiftungen stammen zu 99 Prozent aus Finanzgeschäften. Die entsprechenden Wertpapiere bestehen aus Aktien (39,3 Prozent), Renten (53,1 Prozent) sowie Immobilien. Grundlage für die Investitionen sind Nachhaltigkeitskriterien, die das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Deutsche Bischofskonferenz formuliert haben.

Stiftungen des Erzbischöflichen Stuhls Paderborn mit aktuellem Finanzbericht


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