Joseph Demierre hat das Erbeben in Kolumbien am Montag hautnah miterlebt. Der Freiburger Priester hält sich seit Anfang Juli in der kolumbianischen Stadt Cali auf. Er war im südamerikanischen Land lange Zeit als Missionar tätig.
Maurice Page (cath.ch)
«Gegen 7 Uhr 30 war ich gerade dabei, aufzustehen und mich zu waschen, als das Erdbeben losging», sagt Joseph Demierre am Mittwoch gegenüber cath.ch. Der Freiburger Priester hat das Erdbeben vom Montag in Kolumbien miterlebt. Er war lange Zeit als Missionar in Kolumbien tätig und hält sich seit Anfang Juli in der kolumbianischen Stadt Cali auf, südwestlich der Hauptstadt Bogotá.
«Ich habe mich an der Wand festgehalten und gewartet, bis es vorbei war. Diese sechs bis sieben Minuten kamen mir endlos vor.» Demierre wohnt im dritten Stock eines Hochhauses. Deshalb konnte er nicht mitten im Erbeben auf die Strasse hinuntergehen. «Der Spiegel ist heruntergefallen, die Wände haben Risse bekommen und die Türen sind eingeknickt», so Demierre. Später erfuhr er, dass es in diesem in der Ebene gelegenen Arbeiterviertel keinen Einsturz gab, dass also niemand unter den Trümmern begraben wurde. «Etwas weiter entfernt ist ein Verwaltungsgebäude eingestürzt, doch da es unbewohnt war, gab es keine Opfer», sagt Demierre.
Laut Joseph Demierre haben das Stadtzentrum von Cali und die an den Hängen gelegenen Stadtteile stärker gelitten. Er selbst konnte sich bisher noch nicht dorthin begeben, um die Schäden zu begutachten. Die lokale Fernsehnachrichtensendung sprach von 250 Toten im ganzen Land und etwa 3000 Verletzten. In den Katastrophengebieten sind Rettungskräfte damit beschäftigt, Überlebende oder unter den Trümmern verschüttete Opfer zu finden. Am stärksten betroffen sind die Touristenstadt Pereira im Norden des Landes sowie die Pazifikküste.
«Das Leben kehrt nach und nach zur Normalität zurück.»
Joseph Demierre, Priester
«Heute Morgen kehrt hier in Cali das Leben nach und nach zur Normalität zurück, und die Solidarität funktioniert gut», sagt Demierre am Mittwoch am Telefon. Die Überlebenden sind demnach in Sportzentren untergebracht. «Und die Pfarreien organisieren Sammelaktionen für Hilfsgüter für die Betroffenen.»
Was die Solidarität aus der Schweiz angeht, weist Joseph Demierre darauf hin, dass Julian Salgado, Präsident des Kirchgemeinderats von Saint-Etienne in Lausanne, eine Spendensammlung organisiert. Der Katholik kolumbianischer Herkunft halte sich derzeit in Cali auf.
Auch Demierre selbst engagiert sich. «Ich werde in den nächsten Tagen meinerseits prüfen, ob die eine oder andere Pfarrei einen besonderen Bedarf hat», sagt der Priester. Ansonsten sei es für Unterstützungswillige am einfachsten, sich an die kirchlichen Hilfswerke Caritas Schweiz oder Heks zu wenden. (Übersetzung und Adaption: Regula Pfeifer)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/freiburger-priester-ueber-erdbeben-habe-mich-an-der-wand-festgehalten/