Jürg Stadelmann: «Oft hat das Friedhofspersonal mit den Konfessionsneutralen den grössten Aufwand»

Führte man in Luzern einst erbitterte Kämpfe um das Krematorium, ist man heute bemüht, den Bedürfnissen der Menschen bei Bestattungen entgegenzukommen. Trotzdem gibt es Grenzen, wie der Historiker Jürg Stadelmann im Podcast «Laut + Leis» sagt.

«Das war spannend. Für die Ausstellung haben wir mit den Leuten, die für den Friedhof arbeiten, geredet und auch Interviews geführt. Acht Videointerviews sind zugänglich. Ich habe gefragt: Wer macht oft am meisten Umstände? Und dann ist prompt die Antwort gekommen, die sogenannten Konfessionsneutralen. Das sind in Luzern rund 30 Prozent.

Ob Katholikin oder Muslim, ein Bestattungsritual dauert heute in der Regel eine Stunde. Bei den Konfessionsneutralen, erzählt das Friedhofspersonal, müsse man damit rechnen, dass das Prozedere wegen Sonderwünschen ausufere. Beispielsweise sei der Wunsch geäussert worden, im Rasen einen grossen Kreis auszumähen, damit man händchenhaltend gemeinsam ein Ritual vollziehen könne.

Das wurde nicht erlaubt. In Luzern ist man bemüht, den Bedürfnissen der Menschen entgegenzukommen. Gleichwohl gibt es Gesetze, Verordnungen und Verhaltensregeln. Man will integrieren und sucht, wenn immer möglich, gutschweizerisch den Kompromiss.

Geklappt hat das mit den Hindus. Traditionell verbrennen sie ihre Verstorbenen auf dem Scheiterhaufen. Das ist in der Schweiz verboten. Stattdessen dürfen die Angehörigen in Luzern den Startknopf für den Kremationsofen drücken. Einen Tag später holen sie die Asche ab und übergeben sie an einer bestimmten Stelle der Reuss.»

Das sagt der Historiker und Ausstellungsmacher Jürg Stadelmann im Podcast «Laut + Leis». Auf dem Friedhof Friedental hat er zusammen mit seinem Team die Ausstellung «Frieden im Tal. 100 Jahre Krematorium Luzern» konzipiert. Sie dauert bis zum 15. November und ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. (sl)


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