Deutscher Schwulen-Aktivist: «Es gibt kein Grundrecht auf ein Kind»

Eltern werden um jeden Preis? Dass deutsche CDU-Politiker Jens Spahn für sein Baby eine Leihmutter in Anspruch genommen hat, hat ihn seinen Job gekostet. Ein Schwulen-Aktivist sagt: Leihmutterschaft ist Ausbeutung von Frauen.

(KNA) Florian Greller (46), Schwulen-Aktivist, lehnt Leihmutterschaft ab. «Es gibt kein Grundrecht auf ein Kind», sagte der Gründer der Organisation «Just Gay Germany» der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf Anfrage. «Es ist das Schicksal schwuler Männer, dass sie keine Kinder gebären können. Das ist zwar traurig, aber man muss es akzeptieren.»

Für ihn entspreche eine Befürwortung von Leihmutterschaft dem Zeitgeist: «Die Leute denken, sie haben Anspruch auf alles, was sie sich einbilden. Nach dem Motto: ‹Wer die Konsequenzen tragen muss, das ist nicht mein Problem. ›»

Adoption statt Leihmutterschaft

Zudem gebe es ja die Möglichkeit der Adoption. «Die Hürden liegen hier zwar hoch. Aber das ist bei heterosexuellen Paaren genauso», sagt Greller. Drei Prozent aller Adoptionen, bei denen das Kind mit keinem Elternteil verwandt ist, erfolgen nach Zahlen des Statistischen Bundesamts durch homosexuelle Paare.

«Es ist ein abstossendes Geschäftsmodell.»

Leihmutterschaft sei vor allem eine Ausbeutung von Frauen, kritisierte Greller. «Es ist ein abstossendes Geschäftsmodell. Wenn der jeweilige Vertrag nicht erfüllt wird, dann gibt es entsprechende Konsequenzen: So kann vereinbart werden, dass das Kind abgetrieben werden muss, zum Beispiel.»

Unterschätzte Bedeutung einer Schwangerschaft

Zudem werde völlig ausser Acht gelassen, was Schwangerschaft und Geburt für Frauen bedeuten: «Die Frau nimmt damit auch ein gesundheitliches Risiko auf sich», sagte Greller, der eine Zeit lang Hebammenwissenschaft studierte und auch Erfahrung im Kreisssaal sammeln konnte. «Und was bedeutet es für die Psyche der Frau, wenn sie ein Kind austrägt und es dann hergeben muss? Dies wird in der Diskussion völlig ausser Acht gelassen.»

Selbst wenn sich eine Frau aus altruistischen Motiven – also ohne Geld – als Leihmutter zur Verfügung stelle, trage sie das physische und psychische Risiko, betonte Greller. Zudem handele es sich bei Leihmutterschaft grundsätzlich um eine moralische Frage. «Für mich ist das Kinderhandel. Es wird ein Baby gekauft. Was bedeutet das für das Kind später?»

Verbot in Deutschland

Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die regierende CDU spricht sich explizit gegen eine Änderung des Verbots aus. CDU-Politiker Jens Spahn hatte kürzlich zusammen mit seinem Partner eine Leihmutter in den USA in Anspruch genommen. Er musste daraufhin von seinem Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag zurücktreten.

Gegenentwurf zur Queerbewegung

Greller gründete 2022 die Organisation «Just Gay Germany». Dieser nach seinen Worten lose Zusammenschluss von schwulen Männern in Deutschland sieht sich als Gegenentwurf zur Queerbewegung.

«Just Gay» wendet sich etwa dagegen, Geschlecht könne unabhängig von biologischen Merkmalen vor allem über die eigene Identität bestimmt werden. Entsprechend sieht die Organisation, anders als die Queerbewegung, auch das neue Selbstbestimmungsgesetz kritisch und lehnt eine Grundgesetzänderung ab.


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