Bereits zum fünften Mal geht der Street Parade am 8. August ein Raver-Gottesdienst in der Wasserkirche Zürich voraus. Den Anlass gestalten seit 2024 die reformierten Altstadtkirchen eigenständig – nach einem wenig erfolgreichen interreligiösen Versuch von 2023. Eingeladen sind alle – unabhängig von Konfession und Religion.
Regula Pfeifer
«Kurz bevor Zürich im Takt der Street Parade zu pulsieren beginnt, öffnet sich in der Wasserkirche ein besonderer Raum: für Groove und Gebet, für Bewegung und Besinnung, für Energie und spirituelle Offenheit.» Mit diesen Worten laden die Zürcher Altstadtkirchen und der Freundeskreis Grossmünster zum fünften überkonfessionellen Raver-Gottesdienst ein.
Überkonfessionell ist der Gottesdienst insofern, als Menschen jeder religiösen, kulturellen und geografischen Herkunft willkommen sind. Die Veranstalter und Leiter des Gottesdienstes sind hingegen aus der reformierten Kirche der Stadt Zürich.
Den Gottesdienst am Samstagmorgen wird erneut Johannes Block gestalten, nun bereits zum dritten Mal. Der deutsche evangelische Theologe wirkt seit 2021 als Fraumünsterpfarrer in Zürich. Die Organisation liegt bei Christoph Schneider. Der Leiter des Freundeskreises Grossmünster hat 2018 die Initiative für den Raver-Gottesdienst ergriffen.
Andere Religionsgemeinschaften wirken am diesjährigen Raver-Gottesdienst nicht mit, wie Schneider gegenüber kath.ch bestätigt. Das war zu Beginn anders.
Den ersten Raver-Gottesdienst von 2019 gestaltete der damalige Grossmünsterpfarrer Christoph Siegrist gemeinsam mit den katholischen Seelsorgenden Meinrad Furrer und Veronika Jehle. Er wurde also ökumenisch geleitet. Darauf folgte die pandemiebedingte Pause.
Für 2023 starteten die Initianten einen interreligiösen Versuch. Bei jenem zweiten Raver-Gottesdienst vor der Street Parade wirkte neben der katholischen Theologin Veronika Jehle neu auch Imam Kaser Alasaad vom Iman-Zentrum in Volketswil ZH im liturgischen Team mit. Angefragt worden war auch ein Rabbi, der aber wegen des Shabbats verhindert war.
Doch das Experiment war wenig überzeugend, wie Schneider gegenüber kath.ch sagt. Nicht nur fehlte der jüdische Vertreter. Der muslimische Vertreter Kaser Alassad bekam wegen seines Engagements Probleme mit Mitgliedern seiner Gemeinschaft, wie Schneider erfahren hat. Deshalb beschlossen die reformierten Altstadtkirchen, den Anlass fortan eigenständig durchzuführen.
Der Raver-Gottesdienst beginnt in diesem Jahr am 8. August um 11.30 Uhr und dauert 45 Minuten. Es handle sich dabei um eine «eigene, verdichtete Form» des Festes der elektronischen Musik, der Freiheit und der Vielfalt», so die Mitteilung. Dabei träfen Clubkultur und Kirchenraum aufeinander.
«Wo Menschen offen werden für etwas, das grösser ist als sie selbst…»
Johannes Block, Fraumünsterpfarrer
Er zeige, dass Spiritualität nicht an bestimmte Formen gebunden sei, sagt Pfarrer Block laut Mitteilung der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich, Kirchenkreis eins Altstadt. «Wo Menschen gemeinsam feiern, aber auch innehalten und offen werden für etwas, das grösser ist als sie selbst, kann ein Moment entstehen, in dem Kirche ganz praktisch erfahrbar wird. Mitten im Beat. Mitten im Leben.»
Und Schneider ergänzt gegenüber kath.ch: «Wenn am Raver-Gottesdienst alle Religionen und alle Nationen gemeinsam das ‹Vater Unser› beten, läuft es mir kalt den Rücken herunter.»
Im vergangenen Jahr verzeichneten die Organisatoren rund 900 Personen, welche die Lichtschranke beim Eingang zur Kirche passierten. Viele davon betraten den Raum nur für kurze Zeit. Mitgefeiert hätten rund 200 Personen, sagt Schneider. Das war auch den Vorgaben der Feuerpolizei geschuldet.
An der Street Parade selbst nahmen 2025 rund 800’000 Personen teil. Im Vorjahr waren es rund 920’000 gewesen, wie Medien berichteten.
Der Raver-Gottesdienst findet am 8. August, von 11.30 bis 12.15 Uhr, in der Wasserkirche Zürich statt. Die Musik kommt vom Zürcher DJ David Suivez, animierend aktiv ist Johanna Köb von Ecstatic Dance Zurich mit Team.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/raver-gottesdienst-vor-street-parade-mitten-im-beat-wird-kirche-erfahrbar/