Papst Leo: «Ich sehe mich eher als Papst, der zufällig Amerikaner ist»

Oft wird über das Verhältnis des ersten US-Amerikaners im Papstamt zu seiner Heimat spekuliert. Am Nationalfeiertag besuchte Leo XIV. Migranten, aber auch den US-Botschafter. Nun macht er Amerika eine Liebeserklärung.

(CIC) Leo XIV. hat erstmals über seine Rolle als erster in den USA geborener Papst gesprochen – und zugleich seiner Heimat eine Liebeserklärung gemacht. «Ich empfinde grosse Liebe für Amerika», so der gebürtige Chicagoer im Interview des US-Fernsehsenders NBC, das am Mittwochabend in Castel Gandolfo geführt wurde.

Seine Mission sehe er vor allem darin, «Hirte einer Universalkirche» zu sein und zugleich die Möglichkeit zu haben, dass seine Stimme von Menschen in der ganzen Welt gehört werde. «Ich sehe mich eher als Papst, der zufällig Amerikaner ist – ohne damit herabwürdigen zu wollen, was es bedeutet, Amerikaner zu sein», erläuterte Leo.

Lob für USA als Einwanderungsland

Durch die Resonanz seit seiner Wahl am 8. Mai 2025 erkenne er jedoch an, «dass es von grosser Bedeutung ist, der erste amerikanische Papst zu sein», sowohl für ihn persönlich als auch die Menschen in den USA, so der als Robert Francis Prevost aufgewachsne Papst. An Amerika liebe er «so Vieles», vor allem die Werte, für die das Land stehe:

Freiheit, Chancen und die Offenheit, mit der über Generationen hinweg Menschen aus aller Welt eingeladen wurden, Teil Amerikas zu werden.

Nachkomme von Sklaven und Sklavenhaltern

Seine eigenen Grosseltern seien Einwanderer gewesen, betonte der 70-Jährige. «Mütterlicherseits gab es in meiner Familie sowohl Sklaven als auch Sklavenhalter. Diese Geschichte und die Erfahrungen, mit denen ich aufgewachsen bin, helfen mir, mich selbst als einen Teil dessen zu sehen, was den grossen Reichtum der Vereinigten Staaten ausmacht», so der Pontifex. «Und ich werde weiter die Prinzipien hochhalten, die seit so vielen Jahren zum amerikanischen Selbstverständnis gehören.»

Auf die Frage nach einer baldigen USA-Reise sagte er: «Wir haben uns heute zufällig den Kalender für die nächsten paar Jahre angesehen. Noch ist nichts in Stein gemeisselt, aber ich hoffe sehr, bald dort zu sein.» Der Vatikan hatte im Februar mitgeteilt, eine USA-Reise des Kirchenoberhaupts sei im laufenden Jahr nicht geplant.

Konflikte und Hass überwinden

Leo XIV. äusserte sich am Rande eines Gebetskonzerts für den Frieden mit dem Tenor Andrea Bocelli und Kindern und Jugendlichen aus vielen Krisengebieten der Welt. «Wenn wir alle gemeinsam für den Frieden arbeiten, können wir viele Situationen überwinden, die Konflikte und Hass schüren», betonte der Papst.

NBC-Interview mit Papst Leo XIV. (Engl.)


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