Alt Bischof von St. Gallen: «Hier konnte und kann ich Markus Büchel sein»

Der emeritierte Bischof von St. Gallen lebt heute mit seiner Schwester Lisbeth im früheren Elternhaus, einem umgebauten Bauernhaus, in Rüthi SG. Er schätzt es, im Rheintal mehr als Mensch denn als Kirchenmann wahrgenommen zu werden.

Regula Pfeifer

Seine Rückkehr ins Elternhaus sei eine «Zäsur», ein «Neuanfang». Dies, obwohl er auch in seiner Zeit als Bischof immer wieder ins Haus zurückgekehrt sei. Das sagt der emeritierte Bischof von St. Gallen im Gespräch mit dem «Werdenberger& Obertoggenburger». Die Zeitung hat ihn in seinem Zuhause besucht.

Den Rückzug ins Rheintal hat Markus Büchel immer geschätzt. «Hier konnte ich am Sonntagnachmittag draussen sitzen und die Beine strecken.» Das sei in der Bischofswohnung mitten in St. Gallen anders gewesen. «Da war ich gefangen, es gab keinen Balkon, und kaum trat ich aus der Wohnung, waren da die Touristen und das ganze Trari-Trara auf dem Klosterplatz.»

Bischofsamt gern weitergegeben

Er sei froh gewesen, das Bischofsamt weitergeben zu können, so Büchel. «Ich musste als Bischof oft einfach funktionieren, vieles sind Führungs- und Managementaufgaben.» Das habe ihn viel Kraft gekostet. «Die Emeritierung war auch eine Befreiung.»

Mit der Weihe seines Nachfolgers Beat Grögli im Sommer vor einem Jahr wurde Markus Büchel emeritiert. Seither lebt er mit seiner ledigen Schwester Lisbeth im umgebauten Bauernhaus in Rüthi im Sanktgaller Rheintal, in dem sie beide auch geboren wurden. Lisbeth Büchel hatte ihm bereits bisher den Haushalt geführt.

Büchel bewohnt nun den Hausteil des früheren Elternhauses, in dem früher Stall und Heustock lagen. In St. Gallen wäre er wohl immer wieder auf Themen angesprochen worden, die das Bistum umtreiben, meint er.

Freundschaften pflegen

«Ich konnte und ich kann hier Markus Büchel sein», sagt Büchel über sein Leben im Rheintal. «Ich war hier nie der Bischof. Ich bin hier immer ‹dä Markus›.» Er steht zu seiner bäuerlichen Herkunft. Und er schätzt es, in ein bestehendes Netzwerk zurückgekehrt zu sein. Wobei er zugibt, dass er vermehrt Freundschaften pflegen müsse. Dafür habe er als Bischof kaum Zeit gehabt.

Der emeritierte Bischof geniesst es, im Sommer auf der Terrasse zu sitzen – mit Aussicht auf den Hohen Kasten. Ausserdem liest er viel, jeden Morgen mehrere Zeitungen. Und er vertieft sich in die Schriften und beschäftigt sich als Suchender mit dem Glauben. Kurzzeitig springt er auch für priesterliche Dienste ein – etwa bei Ferienabwesenheiten. Und ausserdem erledigt er mit zusammen seiner Schwester den Grosseinkauf.

Schliesslich überrascht der 77-Jährige den Journalisten des «Werdenberger& Obertoggenburger» mit der Aussage: «Hier bin ich geboren und hier möchte ich sterben.»


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