Franziskusausstellung: «Es ist schon eine Kunst, Gott überhaupt auf die Spur zu kommen»

Vom Finger der Heiligen Elisabeth bis zur Schneckenpfanne aus Sursee: Franziskusausstellung in Salzburg bringt Menschen aus aller Welt ins Gespräch.

Sabine Zgraggen

275 steile Stufen führen vom Kapuzinerkloster hinunter in die Salzburger Altstadt. Für zwei der vier Freiwilligen, die in dieser Woche die Ausstellung «Lebenskunst – 800 Jahre Franz von Assisi» begleiten, beginnt jeder Tag nach der Laudes mit diesem Weg. Die beiden anderen sind im Franziskanerkloster nahe des Doms untergebracht.

91 freiwillige Helferinnen und Helfer der franziskanischen Ordensfamilie der Schweiz, Deutschland und Österreich gehen hier als Gäste bis Anfang November ein und aus. Sie sind teil eines ehrgeizigen Projektes, das die Ausstellung im Dommuseum zum 800. Todestag des grossen Heiligen, der am 3. Oktober 1226 starb, aktiv begleitet wissen will.

Ausstellung gut besucht

Würde diese Ausstellung namens Lebenskunst im Nordoratorium des Dommuseums Salzburg ein breites Interesse finden? Das fragten sich die Initianten des Vereins Franziskanische Forschung in Münster schon. Die Frage kann nach knapp zwei Monaten der Sonderausstellung nun klar mit Ja beantwortet werden.

Allein am vergangenen Sonntag strömten innerhalb weniger Stunden rund 600 Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellungsräume. Mit rund 30 kamen die Freiwilligen jeweils ins Gespräch. Etwas Mut, sich den meist englischsprachigen Besuchenden aus aller Welt zu stellen, braucht es gemäss Rückmeldungen dafür schon.

«Ist die Auferstehung eine Form der Wiedergeburt?»

Ein Besucher aus Tokio möchte zum Beispiel wissen, wie Christen sich das ewige Leben vorstellen: «Ist die Auferstehung eine Form der Wiedergeburt?», fragt der schätzungsweise 30-jährige, smart gekleidete Mann. Gemeinsam sucht man nach Worten für etwas, das sich kaum erklären lässt.

Wenig später will eine arabische Familie etwas über die Heilige Elisabeth von Thüringen wissen. Die Kinder staunen auf Augenhöhe angesichts des mumifizierten Fingers. Im Islam hätten sie auch Vorbilder: «Mach´s wie Ali ibn Talib», sei ein geflügeltes Wort, das der Familienvater nun überträgt: «Mach´s wie die Heilige Elisabeth, hilf den Armen!» sagt er zustimmend, nachdem er aus dem Leben der Heiligen hörte.

Originalhandschriften der Bibeln

Zwei junge Frauen aus Asien staunen über die Originalhandschriften der Bibeln und wollen wissen: «Wurden die wirklich von Hand geschrieben?» während ein protestantischer Amerikaner verstehen möchte, weshalb Katholiken Heilige verehren.

Eine halbe Stunde geht er mit einem der Freiwilligen von Vitrine zu Vitrine. Ein junger Deutscher erzählt, er sei «eigentlich nur noch auf dem Papier katholisch», frage sich aber angesichts dieser jahrhundertealten Kulturgüter neu, ob damit nicht doch etwas Wertvolles verbunden sei. Er wird persönlich, als er vom reichen katholischen Stammbaum seiner Eltern spricht: «Irgendwie verpflichtend sei das schon!»

«Wirklich franziskanische Gespräche»

«Es haben sich wirklich franziskanische Gespräche entwickelt», bestätigt auch Bruder Konrad (40), Franziskaner-Minorit aus dem deutschen Kloster Schwarzenberg nach seinem ersten Tag. Besonders häufig wurde er nach dem Verhältnis zwischen Franziskus und der heiligen Klara gefragt. «Ich habe nicht den Eindruck, dass die Besucher lange vor einem einzelnen Exponat stehen bleiben. Es ist vielmehr die Beschäftigung mit Franziskus – auch noch nach 800 Jahren –, die sie bewegt.»

Manche Ausstellungsstücke überraschen. Eine historische Schneckenpfanne aus dem ehemaligen Kapuzinerkloster Sursee bringt Besucher ins Erzählen, es entsteht eine Diskussion über die Armut und den Hunger vergangener Zeiten und die Gourmet-Spezialitäten heute.

«Es ist schon eine Kunst, Gott überhaupt auf die Spur zu kommen. Darin ist Franziskus ein Vorbild».

Auch der Ausstellungstitel «Lebenskunst» wird selbst zum Gesprächsthema. Heinz (74), Mitglied des Ordo Franciscanus Saecularis (OFS), entdeckt darin einen tieferen Sinn: «Auf den ersten Blick wirkt der Begriff etwas merkwürdig», auf den zweiten Blick: «Es ist schon eine Kunst, Gott überhaupt auf die Spur zu kommen. Darin ist Franziskus ein Vorbild».

Heinz selbst fand nach dem Tod seiner Frau zu einer neuen geistlichen Berufung. 2022 nahm er Kontakt zum OFS auf, bereitete sich auf seine Aufnahme vor und legte 2025 sein Versprechen ab. Heute investiert er einen grossen Teil seiner Zeit, um auch junge Menschen zu begeistern: «Die Sache Jesu braucht Begeisterte».

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieser Ausstellung. Die kostbaren Handschriften, Reliquien und Kunstwerke sind tot, werden sie nicht durch Erfahrungen und neue Geschichten verlebendigt. Zahlreiche Klöster trugen für diese Ausstellung wertvolle Zeugnisse der vergangenen Jahrhunderte zusammen. Über 90 Freiwillige stehen in ihren Ferien Rede und Antwort, aufhorchen lässt.

Eine Besucherin aus Salzburg bringt es auf den Punkt: «Von den Franziskanern hat man lange nichts Neues mehr gehört, jetzt endlich sind sie wieder an allen Ecken ein Thema!».

*Weitere Infos unter www.domquartier.at/sonderausstellung/lebenskunst-800-jahre-franz-von-assisi/ und www.franziskanische-gemeinschaft.ch/Franziskanischer-Weltorden-OFS.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/franziskusausstellung-es-ist-schon-eine-kunst-gott-ueberhaupt-auf-die-spur-zu-kommen/