In Frankreich ist künftig aktive Sterbehilfe und begleiteter Suizid erlaubt. Die Konsequenzen aber sind nach Ansicht eines Bischofs noch nicht absehbar. Wie sich das Urteil auf die Gesellschaft auswirken wird.
(KNA) Nach der Entscheidung der Pariser Nationalversammlung für aktive Sterbehilfe und begleiteten Suizid empfindet Matthieu Rougé, Bischof von Nanterre, «Trauer und Sorge». «Unser Land untergräbt mit diesem Gesetz die Grundpfeiler seines gesellschaftlichen Zusammenhalts und seiner Vorstellung von Brüderlichkeit ernsthaft», sagte er der Zeitung «La Croix» nach der Abstimmung am Mittwochabend.
Rougé gehört in Frankreich zu prominenten Kritikern der Sterbehilfe. Sorge habe er, weil die Auswirkungen auf Erhalt und Ausbau der Palliativversorgung noch gar nicht absehbar seien. Das gelte auch für das «Verhältnis unserer Gesellschaft zu den Schwächsten». Nach Ansicht des Bischofs sind es gerade arme Menschen, die aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen werden. «Denn sie wollen ihren Kindern und Enkeln, die sich selbst in prekären Lebenslagen befinden, nicht zur Last fallen.» Sie würden still und ohne grosses Aufsehen um ihren Abschied bitten und die ersten Opfer sein.
Nach der Entscheidung sollten, so der Bischof weiter, nun die Möglichkeiten des Rechtsstaats voll aufgeschöpft werden, «insbesondere durch nationale und europäische Rechtswege». Genau das hätten bereits der Senatspräsident und der Premierminister selbst angekündigt.
In ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte die Nationalversammlung am Mittwochabend grünes Licht für aktive Sterbehilfe und begleiteten Suizid gegeben – unter bestimmten Voraussetzungen. Die Abgeordneten stimmten, wie bereits in drei Lesungen zuvor, für den Gesetzestext, mit einem ähnlichen Ergebnis wie zuvor: 291 votierten mit Ja, 241 mit Nein.
Die katholische Kirche lehnt jede Form der aktiven Sterbehilfe und Beihilfe zum assistierten Suizid ab. Die Bischöfe fordern Christen dazu auf, sich stattdessen für eine Stärkung der Hospizarbeit und der palliativen Versorgung einzusetzen. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte die Ablehnung einer aktiven Sterbehilfe bekräftigt. «Wir müssen uns wehren gegen aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum assistierten Suizid», sagte er.
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