Neue Regionalverantwortliche des Bistums Basel: «Mein Blick wird sich ausweiten»

Theres Küng-Bachmann steigt von der Pastoralraumleitung auf in die Bistumsleitung – als Regionalverantwortliche der Bistumsregion St. Viktor. Wie sieht sie diesen Schritt? Diese Position habe viel mit Seelsorge zu tun, sagt die abtretende Regionalverantwortliche Edith Rey Kühntopf. Beide erzählen auch über ihre Erfahrungen als Frauen in Leitungspositionen.

Regula Pfeifer

«Es ist der richtige Zeitpunkt», sagt die Theologin Theres Küng-Bachmann. Sie wird ab 1. August in der Leitung des Bistums Basel tätig sein, als Regionalverantwortliche der Bistumsregion St. Viktor. Die letzten elf Jahre war Küng Pastoralraumleiterin vom Michaelsamt in der Region Beromünster im Kanton Luzern. Der Pastoralraum sei zu ihrem Kind geworden, sagt sie. «Und ein Kind muss man irgendwann loslassen, es muss erwachsen werden.» Küng hat selbst drei erwachsene Söhne.

Das neue Amt gebe ihr «noch einmal eine neue Sicht auf die Arbeit in der Kirche», sagt sie. Ihr bisher auf den Pastoralraum ausgerichteter Blick werde sich ausweiten auf das «grössere Ganze».

Angefragt vom Bischof

Das neue Amt als Regionalverantwortliche im Bistum Basel hat Küng nicht gesucht, sie wurde angefragt. Und das ist üblich so. «Kaderpersonen auf Ebene Bistum fragt der Bischof selber an», beschreibt Bistumssprecher Jonas Spirig das Vorgehen. Anders verläuft dies bei der Besetzung von Pastoralraumleitungen. Vakante Stellen werden amtlich ausgeschrieben, interessierte Personen können sich bewerben. Vorausgesetzt sind bei beiden Positionen eine Missio canonica sowie fachliche und Führungskompetenzen.

Die neue Regionalverantwortliche Theres Küng-Bachmann geht davon aus, dass bisherige Erfahrungen in der neuen Aufgabe hilfreich sein werden. «Meine Erfahrungen in Personalführung werden mir sicher helfen», sagt sie. Sie versuche das Potential der Mitarbeitenden zu erkennen und es zu fördern. «Ich glaube, das ist mir in der Pastoralraumleitung gut gelungen.»

Konflikte als Chance

Auch das duale System lernte Küng kennen. «Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit Kirchenräten und gern mit ihnen zusammengearbeitet», sagt sie. Diese positiven Erfahrungen sieht sie als gute Grundlage, um allfällige Konflikte künftig konstruktiv anzugehen, «die sich im dualen System ergeben». Und sie betont: «Ich habe Konflikte bisher als Chance erlebt, damit etwas ins Rollen kommt.»

Theres Küng-Bachmann und ihr Mann hatten bis vor vier Jahren einen Bauernhof. Bereits vor der Matura hatte sie mit einem Theologiestudium geliebäugelt. Da der Hof nicht existenzsichernd war, ging sie beruflich den Weg in die Seelsorge der katholischen Kirche. Sie habe sich früher nicht vorstellen können, dereinst eine Aufgabe in der Bistumsleitung zu übernehmen, sagt sie. 

Engagement für Leben und Tod

Und doch möchte sie die beiden Aufgaben nicht gegeneinander ausspielen. «Ich erachte die Leitungsaufgaben in Pfarrei und Kirche aber nicht als höher im Vergleich zu meiner früheren Arbeit als Bäuerin.» Die beiden Aufgaben seien sich übrigens «nicht unähnlich», findet sie. In beiden Funktionen gehe es darum, einen Haushalt oder einen Betrieb zu führen. Und dazu gehöre Administration, Personalführung, Teamarbeit. «Und inhaltlich geht es darum, das Leben zu gestalten.» Und sowohl auf dem Bauernhof wie im kirchlichen Beruf gehe es «ums Existenzielle, um Leben und Tod».

Während eine Pastoralraumleiterin für ein paar Pfarreien zuständig ist, ist eine Regionalverantwortliche des Bistums Basel für zahlreiche Pastoralräume und damit ein bedeutend grösseres Gebiet verantwortlich. So umfasst die Bistumsregion St. Viktor, die Küng fortan leiten wird, die Kantone Luzern, Schaffhausen, Thurgau und Zug, wie der Bistumswebseite zu entnehmen ist.

Reisen durch die Schweiz

Dadurch legt eine Regionalverantwortliche an gewissen Tagen einiges an Distanzen zurück. Das sagt Edith Rey Kühntopf, die nach elf Jahren als Regionalverantwortliche St. Verena demnächst in den Ruhestand geht. «Ich war manchmal morgens um 7 Uhr im Büro in Biel, ging um 8.15 Uhr auf den Zug für die erste Sitzung in Olten.

Über den Mittag fuhr ich ins Berner Oberland, am Abend traf ich mich irgendwo mit einem Kirchgemeinderat und kam nachts um 23 Uhr nach Hause.» Solche Tage habe es teilweise drei- bis viermal pro Woche gegeben. Gleichzeitig mussten Telefonate und Briefe erledigt werden. «Es war viel, aber spannend», sagt Rey.

Auch Rey war zuvor Pastoralraumleiterin. Der Wechsel von der Pastoralraumleitung zur Regionalverantwortlichen erforderte für sie eine neue Sichtweise. In einem Pastoralraum versuche man die kirchliche Situation an den örtlichen Bedürfnissen auszurichten.

Überregionaler Blick

Als Regionalverantwortliche hingegen müsse sie alle Pastoralräume im Blick haben und sich bei einem Zugeständnis an einen Pastoralraum überlegen: «Passt das für die anderen auch?» Solche Fragen bespricht die Regionalverantwortliche mit dem Bischofsvikar.

Oder die Frage wird in den bistumseigenen Konferenzen in Solothurn erarbeitet. Beteiligt sind daran Bischof Felix Gmür, Generalvikar Markus Thürig, die Regionalverantwortlichen, die Bischofsvikare und die jeweils zuständigen Abteilungen der Diözesankurie.

Die Verantwortung für eine Bistumsregion sei komplexer als für einen Pastoralraum, sagt Rey. Dies habe nicht nur mit der schieren Gebietsgrösse, sondern auch mit den unterschiedlichen Kulturen in den Regionen zu tun. Etwa ob sich die katholische Kirche in einer Diaspora-Situation befinde.

Zweierteam Bischofsvikar und Regionalverantwortliche

Im Bistum Basel ist jede der drei Bistumsregionen mit einem Zweierteam besetzt: der Regionalverantwortlichen und dem Bischofsvikar. «Wir sind gemeinsam zuständig für die Bistumsregion», sagt Rey. Ihre Aufgaben seien fast identisch. Nur habe der Bischofsvikar ein paar zusätzliche Aufgaben, die er gemäss Kirchenrecht als Priester wahrnehmen muss – etwa Jugendliche firmen. «Wir sind auf Augenhöhe, es gibt keine Hierarchie zwischen uns», sagt Rey. «Wir sind gemeinsam gegenüber dem Bischof verantwortlich.»

«Wir haben eine sehr gute, kollegiale Form der Zusammenarbeit gefunden», sagt Rey über ihre Zusammenarbeit mit dem Bischofsvikar. «Wir besprechen die Fragen, die auftauchen und einigen uns über unsere Haltung als Bischofsvikariat.» Es sei hilfreich, ein Vis-à-vis zu haben. «Allein wäre man in dieser Funktion ausgesetzt», sagt Rey.

Seelsorge für Leitende

Die Regionalverantwortlichen und die Bischofsvikare vertreten den Bischof in ihrem Gebiet. So sind sie bei der Neuanstellung von Pastoralraumleitenden aktiv, begleiten die Bewerberin, den Bewerber zum Vorstellungsgespräch bei der anstellenden Kirchenbehörde. Sie begleiten Leitungspersonen bei ihrem Stellenantritt, um sie bei der Eingliederung ins bestehende Team zu unterstützen. Und falls dies nicht klappt oder falls es eine Rollenproblematik gibt, vermitteln Regionalverantwortliche manchmal einen Mediator oder einen Coach.

Rey hat sich für die gute Zusammenarbeit in den Pfarreien und Pastoralräumen engagiert. Sie habe sich Zeit für Gespräche mit Leitungspersonen und weiteren kirchlichen Mitarbeitende genommen und sich gekümmert, wenn es jemandem nicht gut ging. Deshalb sagt sie: «Ich bin auch als Regionalverantwortliche in der Seelsorge geblieben.» Sie habe gut für die kirchlichen Mitarbeitenden sorgen wollen, damit diese als Seelsorgende für die Gläubigen vor Ort da sein konnten.

Regionalverantwortliche oder Bischofsvikare nehmen auch in den kantonalen Exekutiven der kirchlichen Behörden Einsitz. Sie führen im Namen des Bischofs  Gespräche mit ihnen, etwa um eine neue Vereinbarung im dualen System zu entwickeln.

«Das Amt hat mir viele Möglichkeiten eröffnet», sagt Rey. So habe sie im letzten Oktober ans Treffen der synodalen Teams in Rom gehen können und dabei viel Neues erfahren und spannende Leute getroffen.

Tipp: Zuhören und Zeit nehmen

Gefragt nach einem Tipp an die neue Regionalverantwortliche, empfiehlt Rey: «Das Wichtigste ist gut zuzuhören, die Meinung entgegenzunehmen. Man muss meist nicht gerade im Moment entscheiden.» Das ermögliche es, sich Zeit für den Entscheid zu nehmen, und diesen allenfalls im Team oder im Gremium zu besprechen.

Küng und Rey haben Erfahrung mit Führungsaufgaben in der katholischen Kirche. Beide Frauen sagen, dass sie sich darin von Seiten des Bischofs und des Generalvikars bestärkt fühlen. Der Umgang sei sehr gut. «Da kam nie das Gefühl auf, der Bischof nimmt mich nicht ernst», sagt Rey. Der Bischof sage klar, er wolle Frauen in der Kirchenleitung und setze das auch konsequent um.

Neues Frauenbild erarbeiten

Und doch müssen sie teilweise gegen alte Vorstellungen ankämpfen. So wurde Küng noch als Pastoralraumleiterin vereinzelt als Katechetin angesprochen. Und Rey hat erlebt, dass gewisse Leute anfänglich meinten, sie müssten ihren Entscheid beim Bischofsvikar bestätigen lassen. Auch in Kontakt mit staatskirchenrechtlichen Vertretern habe sie klarstellen müssen, dass sie verantwortlich sei, sagt Rey. Doch mit den Jahren habe sie zunehmend Respekt erfahren. «Man darf sich nicht ins Boxhorn jagen lassen.»

«Dass Frauen in der Kirche Leitungsfunktionen haben, ist eher neu. Die Leute müssen sich an diese Vorstellung gewöhnen», sagt Küng. Deshalb müsse sie sich als Frau ihre Position auch eher erkämpfen. «Männer hingegen sind in der Leitung von Anfang an akzeptiert.» Es gehe darum, ein neues Bild von der Rolle der Frauen in der Kirche bei den Gläubigen vor Ort zu erarbeiten.

«Wir Frauen sind für die Kirche zukunftsfähiger.»

Theres Küng-Bachmann

«Diese Situation gibt mir als Frau auch eine Chance», sagt die baldige Regionalverantwortliche. Eben weil viele Menschen noch auf der Suche nach einem neuen Frauenbild in der Kirche seien, habe sie als Frau die Chance und die Freiheit, vieles anders zu machen. «Für uns ist es einfacher, das Kirchengebäude zu verlassen und uns den Menschen hinzuwenden – etwa in geistlicher Begleitung oder persönlichen Gesprächen.» Das empfindet sie als sehr wichtig, weshalb sie sagt: «Wir Frauen sind für die Kirche zukunftsfähiger.»


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