Privatleben und Missio: Schweizer Bischöfe schlagen «Gespräch im Geist» vor

Die Schweizer Bischöfe haben sich mit der Petition der «Allianz Gleichwürdig Katholisch» zum Thema Beauftragung und Lebensführung von Seelsorgenden befasst. Nun schlagen sie vor, ein sogenanntes «Gespräch im Geist» durchzuführen – eine geistliche Form des Austauschs, die bei der Weltsynode erprobt wurde.

Barbara Ludwig

Rund 1000 Personen unterzeichneten die im Dezember lancierte Petition «Privat ist privat». Sie sind unzufrieden mit der «Standortbestimmung» der Schweizer Bischöfe zu Beauftragung und Lebensführung von Seelsorgenden. Urheber der Petition an die Adresse der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) ist die «Allianz Gleichwürdig Katholisch», die seit langem eine Entkoppelung von Privatleben und Missio fordert.

«Gespräch im Geist» wie an der Weltsynode

Die Allianz lud zum  Start der Unterschriftensammlung die Bischöfe und alle Interessierten zu einem offenen, synodalen Dialog über die Frage der Lebensführung und Beauftragung von Seelsorgenden. Nun reagieren die Bischöfe, die bis Mittwoch ihre Vollversammlung in Einsiedeln durchführten. Die SBK schlägt «im Sinne des synodalen Prozesses die Durchführung eines ‹Gesprächs im Geist› vor», heisst es in einer Mitteilung vom Freitag auf der Website der Konferenz.

Das sogenannte «Gespräch im Geist» ist eine geistliche Form des Austauschs, die sich von klassischen Diskussionsformaten unterscheidet. Sie wurde bereits bei der 2021 von Papst Franziskus einberufenen Synode zur Synodalität erprobt und galt bei der Weltsynode als zentrales Instrument synodaler Beratungen, schreibt das Portal katholisch.de in einem Beitrag (30. Januar 2026).

Begrenzter Kreis von Teilnehmenden

Um die «Qualität» und «Zielorientierung» des Dialogs zu sichern, soll das Gespräch in einem begrenzten Kreis von Delegierten stattfinden, schreibt die Bischofskonferenz in der Mitteilung zur jüngsten Vollversammlung. Vorgesehen ist demnach eine Teilnahme von rund fünf repräsentativen Personen aus dem kirchlichen Umfeld sowie von drei Vertretern der SBK. «Dieses Format soll einen offenen, vertieften und zugleich verantwortungsvollen Dialog ermöglichen.»

Die «Allianz Gleichwürdig Katholik» nimmt aktuell nicht Stellung zum Gesprächsvorschlag der Bischöfe. Man wolle sich noch etwas mehr Zeit nehmen für eine Reaktion, heisst es auf Anfrage von kath.ch.

«Dem Evangelium entsprechender Lebensstil»

In ihrer «Standortbestimmung», publiziert am 17. November 2025, hielten die Bischöfe fest, dass die Glaubwürdigkeit von Seelsorgenden auch in einem Zusammenhang mit einem «dem Evangelium entsprechenden Lebensstil» stehe. Zum Lebensstil gehören aus ihrer Sicht auch die «Gestaltung von Beziehungen» und der «Umgang mit der Sexualität». Die Schweizer Bischöfe stellten sich damit gegen die Ansicht, dass das Liebesleben von Seelsorgenden Privatsache sei.

Das bedeutet, dass etwa geschiedene oder homosexuelle Menschen, die in einer Partnerschaft leben, sich nicht darauf verlassen können, die bischöfliche «Missio canonica» zu erhalten, die für gewisse Tätigkeiten in der Kirche notwendig ist. Die Bischöfe haben versprochen, jeden Einzelfall zu prüfen. Es könnte sein, dass auch Geschiedene oder Homosexuelle diese Prüfung bestehen. Aber es muss nicht sein.

Kirche kein «diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld»

Die «Allianz Gleichwürdig Katholisch» kritisierte die Standortbestimmung. Die SBK habe es «versäumt, nötige Änderungen auszuarbeiten, um die römisch-katholische Kirche in der Schweiz zu einem diskriminierungsfreien Arbeitsumfeld für Seelsorgerinnen und Seelsorger zu machen», teilte sie beim Start der Unterschriftensammlung in einem Communiqué mit.


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https://www.kath.ch/newsd/privatleben-und-missio-schweizer-bischoefe-schlagen-gespraech-im-geist-vor/