Bischof Beat Grögli: «An meinem Weihetag zum Priester war ich etwas überfordert»

Am Samstag wird Sandro Koch in der Kathedrale von St. Gallen zum Priester geweiht. Angesichts des Priestermangels ist dies nicht nur ein freudiges Ereignis für das Bistum St. Gallen, sondern auch für die katholische Kirche in der Schweiz generell. Auch für Bischof Beat Grögli ist diese Priesterweihe ein besonderer persönlicher Meilenstein, wie er im Interview mit kath.ch erklärt.

Wolfgang Holz

Bischof Beat, am Samstag wird Diakon Sandro Koch in der St. Galler Kathedrale zum Priester geweiht. Freuen Sie sich schon auf dieses Ereignis?

Bischof Beat Grögli: Für mich und viele andere ist die Priesterweihe eine grosse Freude. Ich bin sehr dankbar dafür, wie Sandro Koch auf seinem Weg und in der Schönstatt-Bewegung menschlich und geistlich gewachsen ist und wie er sich ganz in den Dienst der Kirche stellt. An der Feier werden sich viele Menschen aus St. Gallen, der Schweiz und der Weltkirche begegnen. Somit ist es auch ein frohes Fest der Begegnung. 

Wie wichtig ist es in Zeiten des Priestermangels, dass St. Gallen einen neuen Priester bekommt?

Bischof Grögli: Sandro Koch gehört zur Gemeinschaft der Schönstatt-Patres, die ihre Kräfte unserem Bistum immer wieder grosszügig zur Verfügung stellt. Zum Beispiel war der jetzige Provinzial Raffael Rieger einige Jahre als Regens in der Ausbildungsleitung unseres Bistums tätig. Mehrere Schönstatt-Patres arbeiten in verschiedenen Seelsorgeeinheiten bei uns.

«Wir müssen nicht verzagt sein, sondern können hoffnungsvoll in die Zukunft der Kirche gehen.»

Auch für Sie ist diese Priesterweihe ein besonderes Ereignis – ist es doch Ihre erste Priesterweihe seit Ihrer Weihe zum Bischof am 5. Juli 2025. Wie bedeutend ist diese Priesterweihe für Sie persönlich?

Bischof Grögli: Das persönliche Lebens-Ja von Sandro Koch bringt mich mit meinem eigenen Weg in Berührung, auf den ich mit grosser Dankbarkeit zurückschaue. Ich freue mich auf die ausdrucksstarke Feier, die hoffentlich viele in ihrem Glauben stärkt. Im vergangenen September habe ich in einer Institutio-Feier sieben Frauen und Männer in den Seelsorge-Dienst des Bistums aufgenommen, im Dezember war dann die Diakonenweihe von Sandro Koch und jetzt seine Priesterweihe. Seit letztem Sommer habe ich in 20 Gottesdiensten im ganzen Bistum jungen Menschen die Firmung gespendet. Das alles zeigt, dass wir nicht verzagt sein müssen, sondern hoffnungsvoll in die Zukunft der Kirche gehen können.

«Ich habe den Eindruck, dass ich das, was da gefeiert wurde, erst in den Jahren danach einigermassen in mein Dasein integriert habe.»

Sie selbst wurden vor knapp 30 Jahren, am 16. August 1998, durch Bischof Ivo Fürer in der Kathedrale zum Priester geweiht. Welche spontanen Erinnerungen haben Sie an dieses Ereignis?

Bischof Grögli: An meinem Weihetag war ich etwas überfordert: mit den vielen Menschen und den grossen Worten. Ich habe den Eindruck, dass ich das, was da gefeiert wurde, erst in den Jahren danach einigermassen in mein Dasein integriert habe. An eine kleine Begebenheit bei der Weihe denke ich immer noch gerne zurück: Ich wollte unbedingt, dass die Minis meiner damaligen Pfarrei St. Otmar in der Kathedrale im Weihegottesdienst ministrieren. Mit einer Engelsgeduld hat der Domsakristan die Otmar-Minis in der Probe mit dem Weihrauchfass vertraut gemacht. Das gab es damals in St. Otmar nämlich nicht. 

«Freue dich an den Begegnungen mit verschiedenen Menschen!»

Angesichts Ihrer langjährigen Erfahrung als Priester und Bischof: Was können Sie Sandro Koch als Neupriester mit auf den Weg geben? 

Bischof Grögli: Bleib auf dem Weg – bleibe ein Lernender! Lebe aus dem Vertrauen, dass du nicht allein bist – Gott geht mit, du arbeitest im Team, und viele Menschen begleiten dich! Sei dir nicht zu schade, auch einfache und ungewohnte, neue Aufgaben anzunehmen! Nimm dich nicht zu wichtig: Es kommt auf dich an, aber es hängt nicht von dir ab! Höre nicht auf zu beten und nachzudenken! Freue dich an den Begegnungen mit verschiedenen Menschen!

*Die Priesterweihe von Sandro Koch findet in der Kathedrale von St. Gallen am 6. Juni statt und dauert von 10.30 bis 12 Uhr. Im Anschluss gibt es einen Apéro.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/bischof-beat-groegli-an-meinem-weihetag-zum-priester-war-ich-etwas-ueberfordert/