«Der Vorhang zerreisst»: Kölner Kirchenband Ruhama singt erstmals über Missbrauch in der Kirche

Neues Lied, klare Worte, grosse Bühne beim Katholikentag: Die Kölner Kirchenband Ruhama präsentiert ein Lied über Missbrauch. Warum die Gruppe den Song frei verfügbar macht.

(KNA) Die Kölner Kirchenband Ruhama veröffentlicht erstmals ein Kirchenlied zum sexuellen Missbrauch in der Kirche. Das bestätigte die Band jüngst der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Das Stück «Der Vorhang zerreisst» sei inspiriert worden durch die Missbrauchsrecherchen des Recherchenetzwerks «Correctiv», so Ruhama-Sänger Thomas Quast. Schliesslich schreie «die ganze Missbrauchsnotlage zum Himmel», fügte er hinzu. Die Band, die seit Jahrzehnten für ihre neuen geistlichen Lieder bekannt ist, präsentierte das Stück beim Katholikentag in Würzburg erstmals.

«Risse im Schweigen»

«Das Leben war voll tiefer Trauer, noch tiefer die Furcht und die Scham, Vertrauen andauernd gebrochen, Gerechtigkeit kam niemals an», heißt es zu Beginn des Lieds. Doch das Schweigen und die «Mauer aus Angst» werde schliesslich erhellt, da «in tiefster Nacht» der «Vorhang des Tempels zerreisst». Weiter heisst es «Es zeigen sich Risse im Schweigen, der Missbrauch kommt vor Gericht». Das Stück endet mit dem Appell: «Ein neuer Beginn braucht Bekennen, das Kleinste braucht Schutz statt Gewalt. Barmherzigkeit braucht mehr als Worte, braucht Kirche in neuer Gestalt.»

Ruhama-Lieder haben laut Quast oft einen mehrstufigen Entstehungsprozess: Dieser Text stammt von Thomas Laubach, dem Vorsitzenden der Aufarbeitungskommission im Erzbistum Bamberg. Bei der Entstehung habe er seine Kollegen der Missbrauchskommission zu Rate gezogen – mit positivem Feedback.

Aufruf zur freien Nutzung

Ruhama lädt Kirchen und Gemeinden konfessionsübergreifend dazu ein, das neue Lied in Gottesdiensten, Andachten und Veranstaltungen zu singen – und stellt daher Noten und Text kostenfrei online zur Verfügung. Quast sagt, die Band verstehe sich nicht als kommerziell orientierte Autorenband: Man sei «professionell in der Sache», aber «nicht profitorientiert im Engagement». Der Song «Der Vorhang zerreisst» verdiene es in besonderer Weise, frei verwendbar zu sein.

Die Kölner Band ist bekannt für Lieder wie «Da berühren sich Himmel und Erde», «Du sei bei uns», oder «Keinen Tag soll es geben», die heute im Gotteslob stehen, dem offiziellen katholischen Gesangbuch.


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