Luzerner Theologieprofessor: «Das KI-generierte Bild eines Herz-Jesu-Trump wirkt verstörend»

Der Luzerner Titularprofessor für Fundamentaltheologie, Bernhard Fresacher, verurteilt das KI-generierte Bild, das US-Präsident Donald Trump als Jesus oder barmherzigen Samariter in kriegerischem Umfeld zeigt, als «abstossend» und «geschmacklos» – gerade deshalb habe es Aufmerksamkeit und Empörung ausgelöst.

Regula Pfeifer

Wie wirkt diese Selbstdarstellung von Trump auf Sie?

Bernhard Fresacher*: Das KI-generierte Bild eines Herz-Jesu-Trump wirkt verstörend, weil es mit einer christlich vertrauten Ikonographie spielt, wobei hier die Strahlen nicht vom Herz, sondern von der linken Hand ausgehen und sich auf dem Haupt des Kranken, des Verletzten, des Kriegsversehrten wiederfinden. Die Farbe Rot dominiert und verbindet Nationalflagge, Trump und das Volk. Rot ist die Farbe des Blutes, Zeichen des Lebens und der Lebenshingabe, der Liebe und des Kampfes.

Stellt er tatsächlich Jesus dar?

Fresacher: Ob in diesem Bild Trump mit Jesus identifiziert wird, liegt wie immer im Auge der Betrachterin und des Betrachters. Jedenfalls werden religiöse Assoziationen dezidiert unterstützt, beispielsweise durch die – zum Gebet – gefalteten Hände der jungen Frau im Bild links unten. Christlich sozialisierte Menschen werden kaum umhinkommen, hier eine auf Jesus anspielende Ikonographie wahrzunehmen.

Was will er damit aussagen?

Fresacher: Die Bildelemente betonen die Notwendigkeit des Blutvergiessens zum Wohl der Nation. Sie sollen offensichtlich die Opferbereitschaft der Bevölkerung befördern, angesichts der Kriege, in die die Trump-Regierung die USA verwickelt hat. Botschaft: Wer im Krieg verletzt oder getötet wird, darf sich einer besonderen Nähe Trumps erfreuen.

Hat dieser selbst organisierte Vergleich eine Berechtigung in der Realität?

Fresacher: Ausdrücklich hat Papst Leo XIV. jegliche Berechtigung zurückgewiesen, die christliche Religion zu Kriegszwecken zu gebrauchen. Das gilt auch für die Trump-Regierung.

An welche anderen Bilder – auch aus der Geschichte erinnert Sie diese KI-Darstellung?

Fresacher: Das Bild kann unter anderem auf dem Hintergrund einer christlichen Ikonographie des barmherzigen Samariters gesehen werden, in die sich auch Figuren wie zum Beispiel Henri Dunant (der sich als Gründer des Internationalen Roten Kreuzes für Kriegsversehrte einsetzte, die Red.) einreihen liessen.

Geht es hier um Gotteslästerung?

Fresacher: Von Gotteslästerung kann in heutigem modernem Verständnis nicht mehr die Rede sein. Inwiefern religiöse Gefühle verletzt werden, muss jede und jeder selbst für sich entscheiden und gegebenenfalls Gerichten überlassen werden.

«Die aktuelle US-amerikanische Regierung mit Entertainer Trump an der Spitze beherrscht diese Form der Propaganda auf verstörende Art und Weise.»

Was ist Ihr Fazit zu dieser Selbstdarstellung Trumps?

Fresacher: Aus meiner europäisch geprägten Sicht handelt es sich um eine abstossende, geschmacklose, schlechte Darstellung, der es – deswegen – gelungen ist, Aufsehen zu erregen, Empörung hervorzurufen und in den Medien aufgegriffen zu werden. Die aktuelle US-amerikanische Regierung mit Entertainer Trump an der Spitze beherrscht diese Form der Propaganda auf verstörende Art und Weise. Die Wahl in Ungarn gibt vielen von uns in Europa eine zarte Hoffnung, dass auch der US-amerikanische Rechtsstaat stark genug sein wird, diesem Spuk ein Ende zu setzen und wieder zu einer Politik zu finden, die den Namen menschlich verdient, je eher desto besser.

*Bernhard Fresacher ist Titularprofessor für Fundamentaltheologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Der in Salzburg aufgewachsene Theologe forscht zum religiösen Glauben und theologischer Reflexion unter Kommunikationsbedingungen moderner Weltgesellschaft. Dabei beschäftigt er sich unter anderem mit religiöser Gottesrede, Semantik, Ästhetik und Identität. Und ausserdem um Bilder und Lehren von Christus in Antike, Mittelalter und Moderne.


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